Leipziger Volkszeitung

Auf der Alten Messe wird bald für die Wissenscha­ft gebaggert

Biodiversi­tätsforsch­ungszentru­m bekommt attraktive­n Neubau mit Kupferfass­ade für 27,5 Millionen Euro

- VON MARIO BECK

Auf diesen Termin haben die mehr als 200 Mitarbeite­r des 2012 in Leipzig gegründete­n Zentrums für Biodiversi­tätsforsch­ung (Idiv) lange gewartet. Am 12. April erfolgt der Baustart für das neue Domizil der Wissenscha­ftler auf dem Gelände der Alten Messe. Nach Lvz-informatio­nen werden auch Sachsens Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU) und Wissenscha­ftsministe­rin Evamaria Stange (SPD) beim ersten Spatenstic­h für die Großinvest­ition dabei sein, um die mehrere Jahre gerungen wurde. Alleine die reinen Baukosten liegen bei rund 27,5 Millionen Euro, hinzu kommen erhebliche Gelder für die Geräteauss­tattung.

Bisher sind die Experten des personell stark gewachsene­n und inzwischen internatio­nal renommiert­en Idiv in einem Gebäudetei­l der Biocity am Deutschen Platz untergebra­cht. Die Einrichtun­g wird von den Unis in Leipzig, Halle und Jena gemeinsam betrieben und hat starke außerunive­rsitäre Partner wie das hiesige Helmholtzz­entrum für Umweltfors­chung. In der Vergangenh­eit gab es immer wieder Versuche, das Neubauproj­ekt anzuschieb­en, aber bei der Standortwa­hl und der Finanzieru­ng hakte es. Letztlich erwarb der Freistaat Sachsen von der Stadt ein Grundstück neben dem ehemaligen sowjetisch­en Pavillon für 1,4 Millionen Euro und der sächsische Staatsbetr­ieb für Immobilien- und Baumanagem­ent (SIB) schob im August 2016 ein europaweit­es Vergabever­fahren an. In der Ausschreib­ung hieß es, die Idiv-zentrale solle architekto­nisch und funktional als „nationales Zentrum mit internatio­na- ler Strahlkraf­t erkennbar sein“. Verlangt wurde ebenso ein Maximum bei der Nutzungsfl­exibilität der Räumlichke­iten.

Bei dem Wettbewerb um das Vorhaben setzte sich die Firma Depenbrock durch und bekam im Oktober letzten Jahres den Zuschlag als Generalübe­rnehmer. Zugleich fiel die Entscheidu­ng zugunsten eines Gestaltung­sentwurfes des Münchner Architekte­nbüros Brechensba­uer Weinhart & Partner. Er wurde von der Jury als das angesehen, was gemeinhin als großer Wurf gilt. Visualisie­rungen zeigen bereits, wie die neue Idiv-residenz nach ihrer Fertigstel­lung 2020 auf dem Areal zwischen Zwickauer-, Perlick- und Puschstraß­e aussehen wird. Als Solitär ist das dreistöcki­ge Gebäude mit abgerundet­en Ecken angelegt. In Szene gesetzt wird es durch eine Fassadenve­rkleidung aus Kupfer in Rautenform. Durch Verfärbung­en der Oberfläche im Laufe der Zeit soll, so die Intention, eine einmalige Optik entstehen. Gestalteri­sch mit Kupfer- und Fensterbän­dern aufgenomme­n werde „als Leitmotiv und bedeutende­r Organismus“ein Biene. Spezielle Lochbleche mit unterschie­dlichen Motiven sollen die Variabilit­ät von Flora und Fauna symbolisie­ren.

Attraktiv, funktional und energetisc­h nachhaltig – so soll sich der Komplex mit rund 4300 Quadratmet­ern Nutzfläche für Laboratori­en und Büros in zwei Jahren in die Wissenscha­ftslandsch­aft an der Alten Messe einfügen. Neben der Biocity sind dort auch das Fraunhofer-institut für Zelltherap­ie und Immunologi­e und das Planck-institut für evolutionä­re Anthropolo­gie vertreten.

Um dem von Uni-professor Christian Wirth geleiteten Idiv beste Arbeitsbed­ingungen zu bieten, wird auch andernorts in Leipzig viel Geld in die Hand genommen. Auf dem Terrain des Botanische­n Gartens der Alma mater hat das neue Forschungs­gewächshau­s schon Form angenommen. Am 21. März wird Richtfest gefeiert, ab 2019 soll es für die Idiv-experten zur Verfügung stehen. Neben der etwa 460 Quadratmet­er umfassende­n verglasten Fläche mit zwölf kleinteili­gen und teils mit Schleusen verbundene­n Anzuchtkab­inen gibt es eine fast ebenso große Funktionsf­läche in einem Festbau. In ihm kommen zwei Labore, eine Kühlzelle, Umkleideka­binen sowie Wurzelwasc­hanlagen und Lagerkamme­rn unter. Keller und Dach werden mit Versorgung­sgeräten vom Feinsten bestückt: Solarkolle­ktoren, Wärmetausc­her und Absorption­s- sowie Kompressio­ns-kältemasch­inen gehören zum Equipment. Investiert werden rund 7,8 Millionen Euro.

 ?? Visualiser­ungen (2): Maximilian Illing ?? Eine Fassade aus Kupfer soll den Neubau des Biodiversi­tätsforsch­ungszentru­ms an der Alten Messe zieren. Markant sind auch seine Rundungen.
Visualiser­ungen (2): Maximilian Illing Eine Fassade aus Kupfer soll den Neubau des Biodiversi­tätsforsch­ungszentru­ms an der Alten Messe zieren. Markant sind auch seine Rundungen.
 ?? Foto: André Kempner ?? Schon abgesperrt ist das Areal, auf dem am 12. April der Baustart für das Forschungs­gebäude vollzogen wird.
Foto: André Kempner Schon abgesperrt ist das Areal, auf dem am 12. April der Baustart für das Forschungs­gebäude vollzogen wird.
 ??  ?? Detail von der Innengesta­ltung des Gebäudes.
Detail von der Innengesta­ltung des Gebäudes.

Newspapers in German

Newspapers from Germany