El­tern wol­len bei Aus­schrei­bung von Schu­les­sen mit­re­den

Das Rat­haus be­rei­tet ei­ne neue Aus­schrei­bung vor – die Stadt­rä­te for­dern klei­ne Lo­se

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MA­THI­AS ORBECK

LEIP­ZIG. Die Stadt Leip­zig be­rei­tet ei­ne Neu­aus­schrei­bung des Schu­les­sens vor. Ab 2019/20 soll ei­ne ge­än­der­te Eu-richt­li­nie fürs Ver­ga­be­recht durch­ge­setzt wer­den. El­tern und Stadt­rä­te sind be­sorgt, dass – wie bei den städ­ti­schen Kin­der­ta­ges­stät­ten in Leip­zig – nur gro­ße An­bie­ter zum Zu­ge kom­men. In den 48 städ­ti­schen Ki­tas ko­chen bis Fe­bru­ar 2020 zwei Fir­men die rund 6000 täg­lich be­nö­tig­ten Por­tio­nen.

Der Stadt­el­tern­rat for­dert nun eben­so wie Stadt­rä­te ver­schie­de­ner Frak­tio­nen ei­ne Mit­spra­che der Schul­kon­fe­ren­zen so­wie ei­ne Aus­schrei­bung in klei­nen Lo­sen. „Wir als El­tern sind die Ver­trags­part­ner, müs­sen das Es­sen auch be­zah­len. Da ist es doch selbst­ver­ständ­lich, dass wir ein­be­zo­gen wer­den“, sagt Kon­stan­ze Bey­e­rodt vom Stadt­el­tern­rat.

„Lo­ka­le An­bie­ter, die re­gio­na­le Pro­duk­te an­bie­ten, sind auf mich zu­ge­kom­men, denn bei der Aus­schrei­bung fürs Ki­ta-es­sen hat­ten sie kei­ne Chan­ce“, meint Nao­mi-pia Wit­te (FDP) von der Frak­ti­on Frei­beu­ter. Des­halb müs­se ein Pro­ze­de­re ge­fun­den wer­den, dass sich dies bei der Ver­ga­be des Schu­les­sens nicht wie­der­holt.

Das Schu­les­sen in Leip­zig wird zum Po­li­ti­kum. Die Stadt will die Ver­ga­be der Por­tio­nen für die kom­mu­na­len Schu­len neu aus­schrei­ben. Die der­zei­ti­gen Ver­trä­ge en­den mit dem Schul­jahr 2018/19. Ab 2019/20 soll dann ei­ne ge­än­der­te Eu-richt­li­nie fürs Ver­ga­be­recht durch­ge­setzt wer­den. Wie, ist aber eben­so un­klar wie um­strit­ten. El­tern wie Po­li­ti­ker for­dern ein Mit­spra­che­recht. „Wir sind die Ver­trags­part­ner, müs­sen das Es­sen auch be­zah­len. Da ist es doch selbst­ver­ständ­lich, dass wir ein­be­zo­gen wer­den“, sagt Kon­stan­ze Bey­e­rodt vom Stadt­el­tern­rat, in dem es ei­ne ei­ge­ne Ar­beits­grup­pe „Schu­les­sen“gibt. „Es ist doch nicht so, dass die Stadt pau­schal je­des Schu­les­sen sub­ven­tio­niert.“Die El­tern wol­len ver­hin­dern, dass die Schul­spei­sung eu­ro­pa­weit im Ge­samt­pa­ket aus­ge­schrie­ben wird. Das ist auch rat­haus­in­tern in­ner­halb der Äm­ter um­strit­ten. Doch ein Ein­len­ken zu klei­ne­ren Lo­sen deu­tet sich zu­min­dest an.

Schon beim Ki­ta-es­sen ist die Stadt ei­ge­ne We­ge ge­gan­gen: An­ders als frü­her ha­ben die 48 städ­ti­schen Ki­tas kei­ne Wahl mehr. Nach ei­ner Aus­schrei­bung (acht Lo­se!) ha­ben die fran­zö­si­sche So­dexo SCS Gm­bh für 26 Ein­rich­tun­gen so­wie die B&C Me­nü­kü­che und Ver­triebs Gm­bh für 22 Ein­rich­tun­gen den Zu­schlag er­hal­ten, bis Fe­bru­ar 2020 die be­nö­tig­ten 6000 Por­tio­nen täg­lich zu ko­chen. „Wir möch­ten auf je­den Fall ver­hin­dern, dass sich dies beim Schu­les­sen wie­der­holt“, er­gänzt Micha­el Gehr­hardt, der sich eben­falls im Stadt­el­tern­rat en­ga­giert. Denn so ei­ne „Art Ein­heits­brei“wür­de auch das Aus für vie­le klei­ne­re An­bie­ter und da­mit Ar­beits­plät­ze be­deu­ten.

Des­halb sind sich im Stadt­rat al­le Frak­tio­nen ei­nig, dass das Schu­les­sen in klei­ne­ren Lo­sen aus­ge­schrie­ben wird. Die Frak­ti­on Frei­beu­ter so­wie die Grü­nen ha­ben das auch so be­an­tragt. „Die Stadt hat sich aus un­se­rer Sicht ver­rannt“, sagt Grü­nen-frak­ti­ons­che­fin Kat­ha­ri­na Krefft. „Die no­vel­lier­te Bun­des­ge­setz­ge­bung gibt es nicht her, die Spei­sen­ver­sor­gung als Kon­zes­si­ons­ver­ga­be durch­zu­füh­ren.“Das Rechts­amt der Stadt ver­tre­te da aber ei­ne an­de­re Auf­fas­sung, die auch dem po­li­ti­schen Wil­len vie­ler Stadt­rä­te wi­der­spre­che.

Ge­for­dert wird vor al­lem ei­ne ech­te Be­tei­li­gung der Schul­kon­fe­ren­zen. Krefft: „Was für Schul­na­men gilt, muss doch wohl erst recht fürs Es­sen gel­ten.“Nao­mi-pia Wit­te (FDP) von der Frak­ti­on Frei­beu­ter: „Lo­ka­le An­bie­ter, die re­gio­na­le Pro­duk­te an­bie­ten, sind auf mich zu­ge­kom­men, denn bei der Aus­schrei­bung fürs Ki­ta-es­sen hat­ten sie kei­ne Chan­ce.“Das sei aber nicht im Sin­ne ei­ner nach­hal­ti­gen Er­näh­rung. „Das Rechts­amt muss ein Pro­ze­de­re fin­den, da­mit dies beim Schu­les­sen an­ders wird.“So müss­ten die Bil­dungs­stät­ten be­fragt wer­den, wie sie die Aus­ga­be – im Rah­men ih­rer räum­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten – wün­schen. Denn es ge­be un­ter­schied­li­che For­men wie Cook and Chill, Free­flow oder eben das her­kömm­li­che Sys­tem.

Die CDU und die SPD wol­len nun wis­sen, ob die bei­den Fir­men, die die städ­ti­schen Ki­tas be­lie­fern, die in der Aus­schrei­bung ge­for­der­ten Kri­te­ri­en über­haupt ein­hal­ten. „Wir möch­ten das Ge­sund­heits­amt be­auf­tra­gen, dies zu über­prü­fen“, sagt Kars­ten Al­brecht (CDU).

Zen­tra­le Kri­te­ri­en sind un­ter an­de­rem:

■ Es­sens-tem­pe­ra­tur von min­des­tens 70 Grad,

■ ma­xi­mal drei St­un­den Zeit von der Zu­be­rei­tung bis zur Aus­ga­be,

■ Sor­ti­ments-an­teil von zehn Pro­zent an Bio­pro­duk­ten und Sai­son­wa­re,

■ Ge­trän­ke ver­schie­de­ner Sor­ten. Ge­be es er­heb­li­che Män­gel, könn­ten Ver­trä­ge ge­kün­digt wer­den, hieß es. „Wenn Schu­les­sen eu­ro­pa­weit als Ge­samt­pa­ket aus­ge­schrie­ben wird, ha­ben un­se­re klei­nen re­gio­na­len An­bie­ter das Nach­se­hen“, be­tont Al­brecht: „Das wol­len al­le Frak­tio­nen nicht.“Das Bes­te: Je­de Schu­le schrei­be ein­zeln aus. „Wir wol­len den Mit­tel­stand för­dern.“In Berlin wur­de das Schu­les­sen we­nigs­tens stadt­teil­wei­se aus­ge­schrie­ben, nennt Krefft ein Bei­spiel.

Die El­tern ha­ben für die Hal­tung im Rat­haus kein Ver­ständ­nis: „Ei­ne Pseu­do­el­tern­be­tei­li­gung darf es nicht ge­ben“, so Bey­e­rodt. „Wir ha­ben ein Mit­be­stim­mungs­recht, sind für das Wohl un­se­rer Kin­der ver­ant­wort­lich.“Nie­mand wis­se, war­um im Rat­haus der Druck er­zeugt wird, die Schul­ver­sor­gung kom­plett um­zu­krem­peln. Schließ­lich wol­le die Eu-richt­li­nie er­rei­chen, dass das Ver­fah­ren trans­pa­ren­ter wird. Die Dis­kus­si­on im Stadt­rat geht wei­ter. Er­geb­nis of­fen.

Fo­to: dpa

Stadt­rä­te und El­tern wol­len mit­re­den, wel­che An­bie­ter das Schu­les­sen in Leip­zig lie­fern.

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