Sy­ri­en­kri­se: Rus­sen flie­gen nicht mehr ab Leip­zig für Na­to

Flug­li­nie Vol­ga-dne­pr steigt En­de 2018 aus Ver­trag aus / Kei­ne Fracht­flü­ge mehr

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANDRE­AS DUNTE

LEIP­ZIG. Das rus­si­sche Un­ter­neh­men Vol­ga-dne­pr will sei­ne mi­li­tä­ri­schen Fracht­diens­te für den Wes­ten am Flug­ha­fen Leip­zig/hal­le be­en­den. Bis­her flo­gen die Rus­sen mit ih­ren An­to­now-124-ma­schi­nen mi­li­tä­ri­sche Aus­rüs­tung und hu­ma­ni­tä­re Gü­ter für die Na­to und die EU in Kri­sen­ge­bie­te. Als Grün­de für den Rück­zug aus dem Pro­jekt na­mens Sa­lis wer­den die Span­nun­gen zwi­schen Russ­land und den west­li­chen Län­dern vor dem Hin­ter­grund der Sy­ri­en-kri­se ver­mu­tet.

Das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um be­stä­tig­te auf Lvz-an­fra­ge den ge­plan­ten Rück­zug der Rus­sen. Der Ver­trag gel­te je­doch noch bis En­de 2018, sag­te ein Spre­cher. Bis da­hin hät­te die Na­to „ei­nen ge­si­cher­ten Zu­griff auf der­ar­ti­ge Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten für über­gro­ße Fracht“. Der­zeit lie­fen Ver­hand­lun­gen über ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung, so der Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher. Die Na­to-lo­gis­ti­kagen­tur NSPA ha­be die an Sa­lis be­tei­lig­ten Na­tio­nen dar­über in­for­miert, dass ein Ver­trags­part­ner das An­ge­bot zur Ver­trags­ver­län­ge­rung zu­rück­ge­zo­gen hat, hieß es mi­nis­te­ri­al­bü­ro­kra­tisch. Grün­de da­für woll­te man nicht nen­nen.

Das Pro­jekt Sa­lis (Stra­te­gic Air­lift In­ter­na­tio­nal So­lu­ti­on) war 2006 von der Na­to und der EU ins Le­ben ge­ru­fen wor­den, weil der Wes­ten nicht über ge­eig­ne­te Groß­raum­ma­schi­nen ver­fügt. Die Na­to-agen­tur NSPA ver­gab den Auf­trag an die rus­sisch-ukrai­ni­sche Fir­ma Rus­lan Sa­lis Gm­bh. We­gen der Krim-kri­se zer­brach 2016 das rus­sisch-ukrai­ni­sche Jo­int Ven­ture. Bei­de Sei­ten agie­ren seit­her ge­trennt mit den Fir­men Rus­lan Sa­lis Gm­bh und der An­to­nov Sa­lis Gm­bh. Die Na­to ver­län­ger­te den Sa­lis-ver­trag mit die­sen bei­den am Flug­ha­fen Leip­zig/hal­le an­säs­si­gen Fir­men bis En­de 2018.

Das Flug­auf­kom­men der Rus­sen für die Na­to ist ge­gen­über dem der Ukrai­ner nicht nur bil­li­ger, son­dern auch um­fang­rei­cher. Das re­sul­tiert aus der grö­ße­ren Flot­te von zwölf Flug­zeu­gen vom Typ AN-124, die für Sa­lis zur Ver­fü­gung ste­hen. Auf ukrai­ni­scher Sei­te sind es sie­ben. Laut In­si­dern kal­ku­lie­ren die Rus­sen mit rund 23 000 Eu­ro für ei­ne Flug­stun­de – et­wa ein Drit­tel güns­ti­ger als die Ukrai­ner.

Mit dem Aus­stieg von Vol­ga-dne­pr könn­ten Na­to und EU nur noch über 900 statt bis­lang 2300 Flug­stun­den im Jahr ver­fü­gen, schreibt das Fracht­por­tal Car­go For­war­der Glo­bal, das zu­erst über den Aus­stieg der Rus­sen be­rich­tet hat­te. Es sei un­klar, wie die stra­te­gisch glo­ba­len Trans­port­auf­ga­ben von Na­to und EU kom­pen­siert wer­den könn­ten. Im Wes­ten ge­bau­te gro­ße Fracht­flie­ger kä­men für die Auf­ga­ben nicht in­fra­ge.

Die am Flug­ha­fen Leip­zig/hal­le von Vol­ga-dne­pr er­rich­te­te Ba­sis könn­te in Zu­kunft an­der­wei­tig aus­ge­las­tet wer­den. Laut den Re­cher­chen des Fach­ma­ga­zins „Deut­sche Ver­kehrs-zei­tung“(DVZ) denkt das rus­si­sche Un­ter­neh­men dar­über nach, we­gen des Aus­tritts Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU ih­re bri­ti­sche Toch­ter Car­go Lo­gic Air nach Deutsch­land zu ver­la­gern. Leip­zig sei als neu­er Stand­ort im Ge­spräch. Laut DVZ ha­ben die Rus­sen den Luft­fahrt­ex­per­ten Uli Ogier­mann an­ge­wor­ben, der Car­go Lo­gic Air da­bei hel­fen soll, ei­ne Be­triebs­er­laub­nis in Deutsch­land zu er­hal­ten. Bis­lang hat die Fracht­flug­ge­sell­schaft ih­ren Sitz am Flug­ha­fen Lon­don-stan­sted und fliegt mit drei Bo­eing 747 im Char­ter-ver­kehr.

Fo­to: dpa

Ei­ne Pan­zer­hau­bit­ze wird in Leip­zig aus ei­ner AN-124 aus­ge­la­den. Die rus­si­schen Flie­ger brach­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Bun­des­wehr­ma­te­ri­al aus Af­gha­nis­tan zu­rück oder flo­gen an­de­re mi­li­tä­ri­sche Gü­ter in al­le Welt.

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