Ein­woh­ner­zahl wächst lang­sa­mer als ge­dacht

Leip­zig hat 2017 den­noch ei­nen deut­li­chen Zu­wachs von 10 807 Men­schen

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MA­THI­AS ORBECK

LEIP­ZIG. Das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum in Leip­zig hat sich ab­ge­schwächt. En­de 2017 gab es ex­akt 590 337 mit Haupt­wohn­sitz ge­mel­de­te Ein­woh­ner. Laut Pe­ter Dütt­horn, Lei­ter des Am­tes für Sta­tis­tik und Wah­len, ist un­klar, ob Leip­zig 2018 wie pro­gnos­ti­ziert über 600 000 kommt.

Das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum in Leip­zig hat sich et­was ab­ge­schwächt: Das kom­mu­na­le Ein­woh­ner­re­gis­ter ver­zeich­ne­te En­de 2017 ex­akt 590 337 mit Haupt­wohn­sitz ge­mel­de­te Mes­se­städ­ter. „Das sind zwar im­mer noch 10 807 Ein­woh­ner mehr als ein Jahr zu­vor, die Spit­zen­wer­te der Vor­jah­re wer­den je­doch nicht mehr er­reicht“, sagt Pe­ter Dütt­horn, der am­tie­ren­de Lei­ter des Am­tes für Sta­tis­tik und Wah­len.

Für En­de März 2018 kann er 590 888 Leip­zi­ger ver­mel­den – auch das sind Si­gna­le für ei­ne Atem­pau­se im ra­san­ten Be­völ­ke­rungs­wachs­tum. Ob Leip­zig in die­sem Jahr die 600 000-Ein­woh­ner-mar­ke knackt, wie in den Pro­gno­sen pro­phe­zeit, dar­auf will sich Dütt­horn al­ler­dings nicht fest­le­gen. „Der größ­te Zu­wachs ist er­fah­rungs­ge­mäß Au­gust bis No­vem­ber. Aber las­sen wir uns über­ra­schen, ob wir das wirk­lich in die­sem Jahr schaf­fen“, sagt er. Die Be­völ­ke­rungs­vor­aus­schät­zung sei – auch das zeigt der 4. Quar­tals­be­richt 2017 – im zwei­ten Pro­gno­se­jahr in al­len drei Va­ri­an­ten über­schätzt wor­den.

Rück­gang bei Flücht­lings­zah­len

„Der Haupt­grund liegt im deut­li­chen Rück­gang der Flücht­lings­zah­len“, er­gänzt Andrea Schultz, die Ab­tei­lungs­lei­te­rin Stadt­for­schung. So wur­de an­ge­nom­men, dass die Zu­wan­de­rung durch Flücht­lin­ge noch bis min­des­tens 2018/20 auf ähn­lich ho­hem Ni­veau wie „im tur­bu­len­ten Jahr 2015“bleibt. Die Zahl der auf­ge­nom­me­nen Ge­flüch­te­ten sei bun- des­weit aber rück­läu­fig, da­mit na­tür­lich auch die Zu­wei­sung nach Leip­zig.

Leicht über­schätzt wur­de eben­so die Zahl der Ge­bur­ten, da die Fer­ti­li­täts­ra­te (Kin­der­zahl je Frau) et­was nied­ri­ger war als an­ge­nom­men. In der Haupt­va­ri­an­te weicht die Zahl der Neu­ge­bo­re­nen so­gar um 400 von der pro­gnos­ti­zier­ten ab. „Da ha­ben wir die Ge­bär­freu­dig­keit wohl et­was über­schätzt“, kon­sta­tiert Schultz. Auch das lie­ge an der ge­rin­ge­ren Zu­wan­de­rung von jun­gen Frau­en und Män­nern. Den­noch trug der Ge­bur­ten­über­schuss (be­reits das vier­te Jahr in Fol­ge!) zum Be­völ­ke­rungs­wachs­tum Leip­zigs bei. So stan­den im Vor­jahr 6976 Ge­bur­ten ge­nau 6287 Ster­be­fäl­le ge­gen­über, was ein Plus von 689 Per­so­nen aus­macht.

Da­bei hat Leip­zig sich so­gar er­neut ver­jüngt. Das Durch­schnitts­al­ter der Mes­se­städ­ter be­trägt 42,4 Jah­re (Bun­des­durch­schnitt: 44,3 Jah­re). Das star­ke Ge­schlecht ist in Leip­zig 40,9 Jah­re alt, die Da­men 43,9 Jah­re. 90,5 Pro­zent der Leip­zi­ger sind üb­ri­gens Deut­sche, 9,5 Pro­zent Aus­län­der.

Ein wei­te­rer Grund für das ge­rin­ger aus­ge­fal­le­ne Ein­woh­ner­plus sind Re­gis­ter­be­rei­ni­gun­gen, die vor­ge­nom­men wer­den, wenn bei­spiels­wei­se Flücht­lin­ge in ei­ner Ge­mein­schafts­un­ter­kunft ge­mel­det sind, die be­reits nicht mehr be­legt wird. Ge­plant ist, im kom­men­den Jahr – ba­sie­rend auf den Ein­woh­ner­zah­len von En­de 2018 – ei­ne neue Be­völ­ke­rungs­vor­aus­schät­zung zu er­stel­len.

Größ­ter Zu­wachs in Volk­mars­dorf

Die größ­ten Zu­wäch­se im Jahr 2017 wur­den üb­ri­gens in den Orts­tei­len Volk­mars­dorf (+818), Reud­nitz-thon­berg (+816), Zen­trum-süd­ost (+584), Mö­ckern (+570) und Goh­lis-mit­te (+545) re­gis­triert. Auch hier gab es ei­ni­ge Ab­wei­chun­gen zu den Pro­gno­sen. So tra­ten bei­spiels­wei­se Ab­wei­chun­gen im Orts­teil Schö­nau auf: „Das Bau­ge­biet Lin­de­nau­er Ha­fen wur­de nicht so schnell wie er­war­tet ge­baut und be­zo­gen“, nennt Schultz ei­nen Grund. Aber auch in Meus­dorf dau­ert die er­war­te­te Bau- und Sa­nie­rungs­tä­tig­keit län­ger als an­ge­nom­men.

Ver­gli­chen wur­de im jüngs­ten Quar­tals­be­richt auch die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung in Dresden und Leip­zig, de­ren Wachs­tum haupt­säch­lich durch ein Ge­bur­ten­plus so­wie Zu­zü­ge er­folg­te. Die meis­ten neu­en Ein­woh­ner ka­men aus den neu­en Bun­des­län­dern. Leip­zig hat aber fast dop­pelt so ho­he Zu­zugs­zah­len wie Dresden. Bei Zu­zü­gen aus dem Aus­land ist die Grö­ßen­ord­nung in Leip­zig und Dresden an­nä­hernd gleich.

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