Vw-kon­zern soll Zu­lie­fe­rer Prevent be­spit­zelt ha­ben

Au­to­mo­bil­her­stel­ler: Re­cher­chen er­folg­ten im Rah­men der recht­li­chen Mög­lich­kei­ten

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON JAN PETERMANN

WOLFS­BURG. Im Streit zwi­schen dem Vw-kon­zern und dem Au­to­zu­lie­fe­rer Prevent gibt es neue Vor­wür­fe. Nach der Kün­di­gung von Lie­fer­ver­trä­gen, wo­durch auch in Sach­sen Stel­len ge­fähr­det sind, wur­de nun be­kannt, dass VW Prevent-mit­ar­bei­ter be­spit­zelt ha­ben soll.

WOLFS­BURG. Spio­na­ge-vor­wür­fe auf der ei­nen, Kopf­schüt­teln auf der an­de­ren Sei­te: Der er­bit­ter­te Streit zwi­schen dem Au­to­zu­lie­fe­rer Prevent und Volks­wa­gen fin­det auch nach der Kün­di­gung von Ver­trä­gen kein En­de. Die „Bild am Sonn­tag“be­rich­te­te über an­geb­lich be­spit­zel­te Prevent-mit­ar­bei­ter im Auf­trag von VW. Der Kon­zern wies das mit Nach­druck zu­rück. Man ha­be Aus­künf­te im Rah­men des recht­lich Zu­läs­si­gen ein­ho­len las­sen. Prevent re­agier­te mit schar­fer Kri­tik.

In dem Kon­flikt geht es um die Nach­we­hen ei­nes Lie­fer­stopps 2016 in­fol­ge ei­nes Preis­kampfs. Die­ser hat­te ho­he Schä­den und Ri­si­ken für die Wolfs­bur­ger zur Fol­ge. Nach In­for­ma­tio­nen der Zei­tung soll­te ei­ne Fir­ma aus Berlin In­for­ma­tio­nen zu meh­re­ren „Ziel­per­so­nen“bei Prevent zu­sam­men­tra­gen. Da­bei sei­en so­gar Pri­vat­adres­sen von Mit­glie­dern der Ei­gen­tü­mer-fa­mi­lie und aus dem Ma­nage­ment ins Vi­sier ge­nom­men wor­den.

VW er­klär­te, man ha­be in ei­ner Aus­nah­me­si­tua­ti­on „Re­cher­chen über die (Prevent-)grup­pe in Auf­trag ge­ge­ben, ins­be­son­de­re um mehr Trans­pa­renz über de­ren Struk­tu­ren und Netz­werk zu be­kom­men“. Nach al­lem, was man der­zeit wis­se, sei das je­doch „stets im Rah­men der recht­li­chen Vor­schrif­ten“ge­sche­hen. „Dies er­folg­te, um un­se­rer Ver­ant­wor­tung für Volks­wa­gen und sei­ne Mit­ar­bei­ter ge­recht zu wer­den.“Aus der Kanz­lei Ho­gan Lo­vells, die VW in dem Fall be­rät, hieß es, der be­auf­trag­te Di­enst­leis­ter „soll­te zu je­der Zeit mög­lichst of­fen auf­tre­ten und sämt­li­che Re­cher­che­schrit­te schrift­lich do­ku­men­tie­ren“. „In Kri­sen­si­tua­tio­nen ge­hört das zu den Kern­auf­ga­ben an­walt­li­cher Tä­tig­keit, ist üb­lich, le­gal und le­gi­tim“, sag­te ein Ver­tre­ter. Da­bei ha­be man stets be­tont: Al­le ge­setz­li­chen Re­geln sei­en ein­zu­hal­ten.

Prevent for­der­te den neu­en Volks­wa­gen-kon­zern­chef Her­bert Diess auf, die Vor­wür­fe rasch zu un­ter­su­chen. „Im Sin­ne un­se­rer Mit­ar­bei­ter und Part­ner müs­sen die Ver­ant­wort­li­chen um­ge­hend und ab­schlie­ßend Klar­heit schaf­fen“, ließ das Un­ter­neh­men am Sonn­tag er­klä­ren. „Das Vor­ge­hen von VW hat uns zu­tiefst scho­ckiert, vor al­lem, weil of­fen­bar auch das Pri­vat­le­ben von Mit­ar­bei­tern aus­ge­forscht wur­de.“

Man ha­be jahr­zehn­te­lang eng mit dem Au­to­bau­er zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, be­ton­te Prevent. Nun hof­fe man, dass die neue Füh­rung im Fall ei­ner Be­stä­ti­gung der um­strit­te­nen Schrit­te „die Ver­ant­wort­li­chen be­nennt, Kon­se­quen­zen zieht und sol­che Prak­ti­ken künf­tig un­ter­lässt“.

Hin­ter Prevent steht die bos­ni­sche In­ves­to­ren­fa­mi­lie Has­tor, die mit der ge­schei­ter­ten Macht­über­nah­me beim Au­to­zu­lie­fe­rer Gram­mer und ih­rer Be­tei­li­gung am in­zwi­schen in­sol­ven­ten Kü­chen­her­stel­ler Al­no für Schlag­zei­len ge­sorgt hat­te. Sie be­treibt ein weit ver­zweig­tes, in­ter­na­tio­na­les Ge­flecht von Be­tei­li­gun­gen an ver­schie­de­nen Fir­men.

Ein Lie­fer­stopp bei zwei Prevent-un­ter­neh­men nach ei­nem ge­kün­dig­ten Auf­trag hat­te im Au­gust 2016 in meh­re­ren Vw-fa­b­ri­ken die Bän­der still ste­hen las­sen, et­wa in der Golf-pro­duk­ti­on des Stamm­werks Wolfs­burg – trotz einst­wei­li­ger Ver­fü­gun­gen des Land­ge­richts Braun­schweig, die zur Wie­der­auf­nah­me der Be­lie­fe­rung ver­pflich­ten soll­ten.

Im März hat­te Prevent nun Kün­di­gun­gen und Kurz­ar­beit an sei­nen ei­ge­nen Stand­or­ten Schön­hei­de, Plauen und Sten­dal an­ge­kün­digt, weil VW Ver­trä­ge frist­los be­en­det ha­be. Der Au­to­bau­er hat­te da­zu er­klärt: „Volks­wa­gen ist auf ei­ne je­der­zeit plan­ba­re und ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit mit sei­nen Lie­fe­ran­ten an­ge­wie­sen.“Da­her wür­den be­ste­hen­de Ge­schäfts­be­zie­hun­gen re­gel­mä­ßig über­prüft.

Be­zo­gen auf die Aus­set­zung der Be­lie­fe­rung 2016 be­kräf­tig­te VW am Wo­che­n­en­de, es ha­be sich da­mals um ei­ne „un­recht­mä­ßi­ge“Ak­ti­on von Prevent ge­han­delt, die den Her­stel­ler in ei­ne Zwangs­la­ge ge­bracht ha­be. Auch Ho­gan Lo­vells stell­te die La­ge so dar.

In Bra­si­li­en hat­te es eben­falls Är­ger mit ei­ner Prevent-toch­ter ge­ge­ben. Die Fol­ge wa­ren 160 Ta­ge Pro­duk­ti­ons­stopp, ein Mi­nus von 140000 Fahr­zeu­gen und Zwangs­ur­laub für rund 18 000 Be­schäf­tig­te. Be­reits vor ein­ein­halb Jah­ren hat­te der da­ma­li­ge Vw-kon­zern­chef Mat­thi­as Mül­ler an­ge­kün­digt, die Lie­fer­ket­ten durch­leuch­ten zu las­sen, um beim Aus­fall zen­tra­ler Part­ner die Schä­den be­gren­zen zu kön­nen.

Daim­ler liegt mit der Prevent-grup­pe in ähn­li­cher Wei­se im Clinch. Es geht um ei­nen Scha­den­er­satz-streit um die Lie­fe­rung von Sitz­be­zü­gen.

Fo­to: dpa

Die bei­den säch­si­schen Prevent-töch­ter ES Au­to­mo­bil­guss Gm­bh in Schön­hei­de und Car­trim aus Plauen sind vom Streit mit Volks­wa­gen be­trof­fen.

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