Kran­ken­kas­sen war­nen vor „Bei­trags­satz­jo­jo“

Aok-bun­des­ver­band weist Vor­stoß von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn zu­rück – Spd-ge­sund­heits­ex­per­te: Über Kas­sen­wech­sel nach­den­ken

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON RASMUS BUCHSTEINER

BERLIN. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) stößt mit sei­ner For­de­rung nach nied­ri­gen Kran­ken­kas­sen-zu­satz­bei­trä­gen auf Wi­der­spruch. „Spiel­räu­me, die wir uns durch hoch­wer­ti­ge und ef­fi­zi­en­te Ver­sor­gung er­ar­bei­tet ha­ben, ge­ben wir an die Ver­si­cher­ten wei­ter. So ha­ben drei AOK ge­ra­de erst ih­ren Bei­trags­satz zum Jah­res­be­ginn ab­ge­senkt“, sag­te Mar­tin Litsch, Vor­sit­zen­der des Aok-bun­des­ver­ban­des, dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND). „Al­ler­dings ist un­se­ren Mit­g­lie- dern auch ei­ne so­li­de und nach­hal­ti­ge Fi­nanz­pla­nung wich­tig, sie wol­len kein Bei­trags­satz-jo-jo.“

Litsch sag­te, die Ko­ali­tio­nä­re wür­den kost­spie­li­ge Plä­ne ver­fol­gen, da­her sei mit zu­sätz­li­chen Aus­ga­ben­schü­ben zu rech­nen.

Spahn hat­te ge­gen­über dem RND er­klärt, bei sehr vie­len Kran­ken­kas­sen sei der Spiel­raum vor­han­den, um die Bei­trä­ge zu sen­ken. Laut Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um sind Bei­trags­sen­kun­gen um durch­schnitt­lich 0,3 Pro­zent­punk­te mög­lich. Das ent­spricht ei­nem Vo­lu­men von 4,4 Mil­li­ar­den Eu­ro oder im Schnitt rund 80 Eu­ro pro Kas­sen­mit­glied. Der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, der je­weils zur Hälf­te von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer zu zah­len ist, liegt ak­tu­ell bei 14,6 Pro­zent. Da­zu kommt der kas­sen­in­di­vi­du­el­le Zu­satz­bei­trag, den ge­setz­lich ver­si­cher­te Ar­beit­neh­mer al­lein zu tra­gen ha­ben. Er liegt in die­sem Jahr im Schnitt bei 1,0 Pro­zent.

Spd-ge­sund­heits­ex­per­te Karl Lau­ter­bach zeigt sich über­rascht von Spahns For­de­rung nach Ent­las­tun­gen. „Die Hö­he der Zu­satz­bei­trä­ge wird von den Kran­ken­kas­sen nach be­triebs­wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en fest­ge­legt und von den Auf­sichts­be­hör­den ge­neh­migt“, sag­te Lau­ter­bach dem RND. Die La­ge un­ter­schei­de sich von Kas­se zu Kas­se sehr stark. Die Band­brei­te der Zu­satz­bei­trä­ge lie­ge ak­tu­ell zwi­schen 0,0 und 1,7 Pro­zent: „Wenn man Kran­ken­kas­sen­wett­be­werb will, hier hat man ihn.“

Lau­ter­bach rät Ver­si­cher­ten da­zu, ei­nen Kas­sen­wech­sel zu prü­fen. „Je­der Ein­zel­ne soll­te sich ge­nau das Preis-leis­tungs-ver­hält­nis an­schau­en und ge­ge­be­nen­falls die Kas­se wech­seln“, so der Spd-po­li­ti­ker. „Da­mit kön­nen Kas­sen­mit­glie­der durch­aus ei­ni­ge Hun­dert Eu­ro pro Jahr spa­ren.“Lau­ter­bach sag­te, die Zahl der Kran­ken­kas­sen sei zu­letzt im­mer wei­ter zu­rück­ge­gan­gen: „Lang­fris­tig be­nö­ti­gen wir si­cher nicht mehr als 30 bis 50 Kas­sen in Deutsch­land.“

Uni­on und SPD wür­den Ar­beit­neh­mer nun bei den Kas­sen­bei­trä­gen ent­las­ten. „Die Rück­kehr zur pa­ri­tä­ti­schen Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­kas­sen wird ei­nes der ers­ten Pro­jek­te in der Ge­sund­heits­po­li­tik sein“, sag­te Lau­ter­bach. Nach den Plä­nen der Ko­ali­ti­on hät­ten ge­setz­lich ver­si­cher­te Ar­beit­neh­mer ab 2019 nur noch die Hälf­te des Zu­satz­bei­tra­ges zu tra­gen.

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