Berlin und Pa­ris set­zen auf Di­plo­ma­tie

Ge­mein­sa­me Initia­ti­ve soll ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­on des Sy­ri­en-kon­flikts ver­hin­dern

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON SE­BAS­TI­AN KU­NIG­KEIT

BRÜS­SEL. Deutsch­land und Frank­reich wol­len im Sy­ri­en-kon­flikt di­plo­ma­tisch ak­tiv wer­den – nach dem Mi­li­tär­schlag der West­mäch­te set­zen sie auf Dee­s­ka­la­ti­on.

Wie soll die neue di­plo­ma­ti­sche Initia­ti­ve aus­se­hen?

Pa­ris setzt auf ei­nen um­fas­sen­den Vor­stoß zu zen­tra­len Fra­gen der Kri­se: die Ver­hin­de­rung des Ein­sat­zes von Che­mie­waf­fen, ei­ne Waf­fen­ru­he, hu­ma­ni­tä­rer Zu­gang und po­li­ti­sche Ge­sprä­che für ei­ne Bei­le­gung des Kon­flikts. Ein von Frank­reich vor­ge­leg­ter Ent­wurf für ei­ne Un-re­so­lu­ti­on ent­hält aber kei­ne wirk­lich neu­en Vor­schlä­ge. So soll ei­ne neue un­ab­hän­gi­ge Er­mitt­ler­grup­pe ge­schaf­fen wer­den, um Ver­ant­wort­li­che für Che­mie­waf­fen­ein- sät­ze zu iden­ti­fi­zie­ren – ei­nen sol­chen Mecha­nis­mus hat­ten die Rus­sen 2017 per Ve­to be­er­digt.

Staats­chef Em­ma­nu­el Ma­cron will Russ­land und die Tür­kei mit an den Ver­hand­lungs­tisch ho­len. Nach Über­zeu­gung Ma­crons wird es in Mos­kau als Schwä­che ge­wer­tet, wenn de­fi­nier­te ro­te Li­ni­en nicht durch­ge­setzt wer­den.

Wel­che Rol­le spielt Deutsch­land?

Deutsch­land ist ei­ne trei­ben­de Kraft und be­tont die Not­wen­dig­keit, mit Russ­land ins Ge­spräch zu kom­men. „Oh­ne Russ­land wird man die­sen Kon­flikt nicht lö­sen kön­nen“, sagt et­wa Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD), der aber gleich­zei­tig Mos­kau in den ver­gan­ge­nen Ta­gen und Wo­chen „Ag­gres­si­on“vor­warf. Die Rol­le ei­nes neu­tra­len Ver­mitt­lers zwi­schen Russ­land und dem Wes­ten wird Deutsch­land nicht ein­neh­men kön­nen. Berlin steht klar auf der Sei­te der drei West­mäch­te, die Sy­ri­ens Re­gie­rung an­ge­grif­fen ha­ben.

Was hält die Us-re­gie­rung von die­sem Vor­schlag?

Seit dem Amts­an­tritt von Prä­si­dent Do­nald Trump ist sei­tens der USA nicht ei­ne ein­zi­ge di­plo­ma­ti­sche Initia­ti­ve be­kannt. Im Un-si­cher­heits­rat gibt es sei­tens der USA kei­ner­lei Be­we­gung. Die USA se­hen Sy­ri­en of­fen­bar nicht als ihr Pro­blem.

Wel­che Druck­mit­tel hat der Wes­ten ge­gen Sy­ri­en, Russ­land und Iran?

Die Mög­lich­kei­ten schei­nen über­schau­bar. In Eu­ro­pa gel­ten Sank­tio­nen ge­gen Russ­land nicht als Op­ti­on, da da­für in der EU die nö­ti­ge Ein­stim­mig­keit fehlt. Washington will da­ge­gen neue Sank­tio­nen ge­gen Mos­kau ver­hän­gen. Sie sol­len Russ­land da­zu brin­gen, sich zu be­we­gen und von Sy­ri­ens Prä­si­dent Ba­schar al-as­sad ab­zu­rü­cken. Fran­zö­si­sche Me­di­en wer­fen die Fra­ge auf, ob Ma­cron durch sein Zu­sam­men­spiel mit den USA bei den Luft­schlä­gen Ka­pi­tal auf­ge­baut hat, mit dem er von Trump Zu­ge­ständ­nis­se beim Atom­ab­kom­men mit dem Iran be­kom­men könn­te.

Wird Mos­kau auf den Vor­schlag aus Pa­ris und Berlin ein­ge­hen?

Russ­land ist sehr skep­tisch, auch weil es be­fürch­tet, an Ein­fluss in der Re­gi­on zu ver­lie­ren. Den­noch hält Mos­kau wei­ter an dem Te­nor fest, zu­min­dest nach au­ßen hin kom­pro­miss­be­reit zu sein. Denn auch im Kreml ist man be­müht, den Kon­flikt nicht wei­ter es­ka­lie­ren zu las­sen.

Muss man auch mit As­sad ver­han­deln?

Sy­ri­ens Re­gie­rung kon­trol­liert wie­der die zen­tra­len Tei­le des Lan­des, dar­un­ter al­le wich­ti­gen Städ­te. Die Füh­rung in Da­mas­kus ist im Bür­ger­krieg ein so star­ker Ak­teur, dass es oh­ne sie kei­ne Lö­sung ge­ben kann.

Fo­to: AP

Kei­ne Lö­sung oh­ne As­sad? Re­gie­rungs­freund­li­che De­mons­tra­ti­on am Mon­tag in Da­mas­kus.

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