Pro­zess um Mord­ver­such in Asyl­un­ter­kunft

War Re­li­gi­ons­streit An­lass für Mes­ser­an­griff in Mar­kran­städt?

Leipziger Volkszeitung - - MARKKLEEBERG · MARKRANSTÄDT · ZWENKAU · GROSSPÖSNA - VON SA­BI­NE KREUZ

MAR­KRAN­STÄDT/LEIP­ZIG. Sie wa­ren Freun­de und in der Flücht­lings­un­ter­kunft in Mar­kran­städt auch un­mit­tel­ba­re Zim­mer­nach­barn. Doch am 19. Au­gust 2017 soll der Ira­ker Ma­her AL-G. (30) kurz vor Mit­ter­nacht sei­nem Lands­mann Ra­fea AL-K. (38) zwei­mal mit Wucht ein Mes­ser in den Rü­cken ge­rammt ha­ben, um ihn zu tö­ten. Ein drit­ter Stich ver­letz­te den lin­ken Arm. Nach der An­kla­ge­er­he­bung we­gen ver­such­ten Mor­des be­gann am Mon­tag ein mehr­tä­gi­ger Pro­zess vor dem Leip­zi­ger Land­ge­richt.

„Beim letz­ten Stich brach die Klin­ge ab. Der An­ge­klag­te er­kann­te dar­auf­hin, dass er sei­nen Plan nicht mehr um­set­zen konn­te und ver­ließ den Tat­ort“, sag­te Staats­an­walt Tors­ten Nau­mann. Das Op­fer war blut­über­strömt am Ein­gang der Un­ter­kunft an der Kra­kau­er Stra­ße ent­deckt und ins Leip­zi­ger Dia­ko­nis­sen­kran­ken­haus ge­bracht wor­den. „Oh­ne so­for­ti­ge me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung wä­re der Ver­letz­te ver­stor­ben“, so der Staats­an­walt wei­ter. Durch die Mes­ser­sti­che mit ei­ner sie­ben Zen­ti­me­ter lan­gen Klin­ge ha­be die Ge­fahr be­stan­den, dass Luft in den Brust­korb ein­dringt. Bei ei­nem Sturz hat­te der Ge­schä­dig­te zu­dem ei­ne Kopf­platz­wun­de er­lit­ten.

Die Staats­an­walt­schaft ging in ih­rer An­kla­ge da­von aus, dass ein Streit um re­li­giö­se Fra­gen Aus­lö­ser des Mes­ser­an­griffs war. Dem Ver­neh­men nach sind bei­de Asyl­be­wer­ber Mos­lems, sie ge­hö­ren je­doch ver­schie­de­nen Glau­bens­rich­tun­gen an: Der An­ge­klag­te ist Sun­nit, der Ge­schä­dig­te Schiit.

Doch der Be­schul­dig­te woll­te ges­tern auf An­ra­ten sei­nes Ver­tei­di­gers Stephan Bo­nell zu­nächst kei­ne An­ga­ben ma­chen. Und das Op­fer er­klär­te: „Ich weiß bis jetzt nicht, was ei­gent­lich Sa­che ist. Ich ha­be ihn nicht ver­letzt, auch ver­bal nicht.“Zu­dem wies er dar­auf hin, dass es im Irak „noch die Blut­ra­che“ge­be und er nicht wol­le, dass die An­ge­hö­ri­gen des An­ge­klag­ten Pro­ble­me be­kä­men.

Auf Nach­fra­gen des Vor­sit­zen­den Rich­ters Hans Ja­gen­lauf schil­der­te der Ge­schä­dig­te schließ­lich, dass es nach Pro­vo­ka­tio­nen „zum Kampf“kam. Der An­ge­klag­te ha­be ihn durch lau­tes Klop­fen an die Zim­mer­wand ge­nervt, er sich re­van­chiert und ihm stin­ken­des Was­ser ins Zim­mer ge­schüt­tet. „Dann be­schimpf­te er mich als Schiit, be­lei­dig­te mei­ne Fa­mi­lie.“Re­li­giö­sen Streit hät­ten sie aber zu­vor nie ge­habt. Au­ßer­halb der Un­ter­kunft schlu­gen bei­de auf­ein­an­der ein. „Der An­ge­klag­te fing an. Ich ging nicht da­von aus, dass er mich mit ei­nem Mes­ser trak­tiert.“Zur Auf­klä­rung des Ver­bre­chens will das Ge­richt bis 30. April noch meh­re­re Zeu­gen hö­ren.

Fo­to: A. Kemp­ner

Der An­ge­klag­te Ma­her AL-G. (r.) mit sei­nem Ver­tei­di­ger Stephan Bo­nell.

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