Ha­sen­hüttls Zu­rück zu den Wur­zeln

Mot­to fürs Sai­son­fi­na­le: Wenn schon un­ter­ge­hen, dann mit we­hen­den Fah­nen

Leipziger Volkszeitung - - SPORT - VON GUIDO SCHÄ­FER

LEIP­ZIG. Bre­mens Trai­ner-jüng­ling Flo­ri­an Koh­feldt, 35, hat das Wer­der-sta­di­on seit sei­nem Amts­an­tritt noch nie als Ver­lie­rer ver­las­sen. Zehn Mal hin­ter­ein­an­der, das war selbst Kö­nig Ot­to Reh­ha­gel bei des­sen De­büt-sai­son 1981/82 nicht ver­gönnt. Koh­feldts Re­kord hing am Sonn­tag am sei­de­nen Fa­den bzw. an Na­tio­nal­stür­mer Ti­mo Wer­ner. Der Blitz der Ra­sen­bal­ler sprin­te­te vier Mi­nu­ten vorm En­de der Par­tie auf Ji­ri Pav­len­ka zu und mach­te nicht den Leip­zi­ger Sieg­tref­fer. Das 1:1 bringt Wer­der Pla­nungs­si­cher­heit in Sa­chen Li­ga­zu­ge­hö­rig­keit und lässt RB Chan­cen auf ei­nen er­neu­ten in­ter­na­tio­na­len Start­platz.

Wenn Platz fünf ge­hal­ten wird, star­tet das Team von Ralph Ha­sen­hüttl 2018/2019 in der Eu­ro­pa Le­ague. Wenn die vier Punk­te Ab­stand zum BVB (4.) oder Le­ver­ku­sen (3.) ein­ge­holt wer­den, wird es wie­der die Cham­pi­ons Le­ague. Wenn im Stil der letz­ten 17 Spie­le ge­punk­tet wird (21), reicht es ma­xi­mal für die Eu­ro­pa-le­ague-qua­li. Die ist be­liebt wie ein flie­hen­des Kinn. RB (47) spielt am Sonn­abend, 15.30 Uhr, ge­gen drän­geln­de Hof­fen­hei­mer (46). Dann in Mainz (29. April, 15.30), da­heim ge­gen Wolfs­burg (5. Mai, 15.30) und fi­nal in Berlin (12. Mai, 15.30). Wer oder was muss bes­ser wer­den auf der Wei­de der Ro­ten Bul­len?

Zu­rück zu den Wur­zeln – vor­wärts im­mer, rück­wärts nim­mer: Das Spiel in Bre­men hat ge­zeigt: RB kann viel, Rück­zugs­ge­fech­te ge­hö­ren nicht zum Re­per­toire der Ha­sen­hütt­ler. Das de­fen­si­ve 3-5-2 vor der Halb­zeit – kraftspa­ren­de Kom­pakt-tak­tik nach neun Ge­gen­to­ren in zwei Spie­len – ging in die Ho­se. In der Pau­se kehr­te das Trai­ner­team die Scher­ben auf und zu­rück zum Rb-stil im fi­de­len 4-3-3. Die zwei­te Halb­zeit? Top! Auch oh­ne As­se wie Mar­cel Sa­bit­zer, Mar­cel Hals­ten­berg und Na­by Kei­ta, der erst in der Schluss­pha­se rein­kam. Le­bens­be­ja­hen­der Of­fen­siv-fuß­ball hat RB zur Mar­ke, er­folg­reich und re­spek­tiert wer­den las­sen. Mot­to für die letz­ten vier Spie­le: Wenn schon un­ter­ge­hen, dann mit we­hen­den Fah­nen und im Vor­wärts­gang. Ha­sen­hüttls Leh­re aus Bre­men: „Ab­war­ten und ver­tei­di­gen ist nicht un­se­re Art.“

En­de der Mehr­fach­be­las­tung und der Kla­ge­lie­der über sel­bi­ge: Aus eng­li­schen Wo­chen wer­den seit Bre­men wie­der deut­sche, die vie­len Ki­lo­me­ter müs­sen schnell aus Bei­nen und aus den Köp­fen. Ka­pi­tän Wil­li Or­ban hat es auf den Punkt ge­bracht: „Es gibt kei­ne Aus­re­den mehr.“Ha­sen­hüttl hat sei­nen Män­nern zwei freie Ta­ge spen­diert. Frisch ans Werk.

Die Un­ter­schieds­spie­ler müs­sen sich ent­schei­den: Mann oder Maus? Emil Fors­berg, Na­by Kei­ta, Ti­mo Wer­ner oder auch Je­an-ke­vin Au­gus­tin ha­ben zwei­fels­oh­ne mehr Ta­lent in die Wie­ge ge­legt be­kom­men als Die­go Dem­me, Ste­fan Il­s­an­ker, Yuss­uf Poul­sen oder auch Ber­nar­do. Wenn die Hoch­be­gab­ten ihr Ego und Ge­dan­ken an an­de­re Ver­lo­ckun­gen hin­ten­an­stel­len und hart ar­bei­ten wie Dem­me und Co., klappt‘s auch mit Eu­ro­pa.

Schwä­chen bei Stan­dard­si­tua­tio­nen und Pe­ter Gu­lacsi: Wenn es bei je­dem zwei­ten Frei­stoß/eck­ball lich­ter­loh brennt, gibt es zwei Mög­lich­kei­ten, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ers­tens: Or­ban und Ge­fol­ge pro­du­zie­ren kei­ne Frei­stö­ße/ecken. Weil das nur be­dingt le­bens­nah ist, greift Va­ri­an­te zwei: Gu­lacsi, die­ser Teu­fels­kerl auf der Li­nie, muss zum flie­gen­den Rä­cher der Enterb­ten, Be­schüt­zer von Wit­wen und Wai­sen wer­den. Wenn der Un­gar sei­nen mäch­ti­gen Kör­per rein­haut, über­le­gen es sich Ser­ge Gn­ab­ry, Mark Uth und Ben­ja­min Hüb­ner drei­mal, ob sie ih­re Weich­tei­le auf dem Al­tar des Er­fol­ges op­fern. Ide­al wä­re ei­ne Mi­schung aus ers­tens und zwei­tens.

Ei­nig­keit un­ter den Fans: Wie RB in Mar­seil­le fest­stel­len muss­te, kön­nen Fans zum zwölf­ten Mann wer­den. Am Sonn­abend müs­sen Fun­ken sprü­hen, vom Ra­sen auf die Tri­bü­ne und um­ge­kehrt. Die wun­der­ba­ren Fuß­ball­spie­ler aus Hoffenheim müs­sen spü­ren: Das macht kei­nen Spaß, das tut heu­te weh.

Fo­to: dpa

Freud­be­ton­te Übungs­ein­hei­ten in der fi­na­len Sai­son­pha­se: Rb-coach Ralph Ha­sen­hüttl hat ein va­ri­an­ten­rei­ches Pro­gramm in pet­to.

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