Sze­nen ei­ner Ehe

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON GUI­DO SCHÄ­FER ➦ g.schae­fer@lvz.de

Seit Dar­wins „Sur­vi­val of the Fit­test“wis­sen wir: Nur die Fit­tes­ten über­le­ben. Seit ges­tern wis­sen wir: Auch Top­fit­te seg­nen zu­wei­len das Zeit­li­che. Zu­min­dest im über­tra­ge­nen Sinn.

Ralph Ha­sen­hüttl ist ein Bär von ei­nem Mann. Und er hat ge­kämpft und ge­lie­fert. Über­lebt hat er als Trai­ner der Ro­ten Bul­len nicht.

Die Ära Ha­sen­hüttl: Sen­sa­tio­nel­ler Vi­ze-meis­ter im ers­ten, statt­li­cher Sechs­ter im zwei­ten Jahr, da­zu das Er­rei­chen des Vier­tel­fi­nals in der Eu­ro­pa Le­ague.

Mensch Ha­sen­hüttl: Der Chef­trai­ner wur­de zu ei­nem Ge­sicht der Ra­sen­bal­ler, war gern ge­se­he­ner Gast bei Sky, Sport1, im ZDF et ce­te­ra, glänz­te als Über­brin­ger der Club-bot­schaf­ten und Ver­mark­ter sei­ner selbst.

Der jo­via­le und mit vie­len Was­sern ge­wa­sche­ne Ös­ter­rei­cher fir­mier­te bis zum Sonn­tag un­ter Rb-er­folgs­trai­ner. Seit ges­tern ist er Rb-ex-trai­ner. Sei­ne Fans, es gibt vie­le da­von, ste­hen da wie der Och­se vorm Berg. Was ist pas­siert?

Ers­tens: Platz sechs wur­de von den Rb­bos­sen nicht als Er­folg durch­ge­wun­ken. Die ver­pass­te Cham­pi­ons-le­ague-qua­li­fi­ka­ti­on kos­te­te kon­ser­va­tiv ge­schätzt 30 Mil­lio­nen Eu­ro und hat nach Über­zeu­gung von Sport­di­rek­tor Ralf Rang­nick und Ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Mint­zlaff vor al­lem mit ei­ner zeit­wei­sen Ab­kehr des Rb­m­an­tras ,Auf sie mit Ge­brüll, im­mer und übe­r­all!‘ zu tun. Ha­sen­hüttl woll­te mehr Fa­cet­ten, mehr Ball­be­sitz, we­ni­ger Ab­nut­zungs­kampf, ro­tier­te in den Spie­len und leg­te im Trai­ning Wert auf ei­ne spie­ler­scho­nen­de Be­las­tungs­steue­rung. Dar­un­ter lit­ten die viel zi­tier­ten Au­to­ma­tis­men. Das Wir-ge­fühl im Ver­ein brö­ckel­te und Boss Mint­zlaff zün­del­te. Der Trai­ner müs­se sich über­le­gen, ob die Phi­lo­so­phie des Ver­eins wei­ter­hin zu des­sen Vor­stel­lun­gen pas­se. Weil Mint­zlaff längst nicht al­le Ge­heim­nis­se des Fuß­balls durch­drun­gen hat, stieß die­se Ein­mi­schung im Trai­ner­team min­des­tens auf Un­ver­ständ­nis.

Zwei­tens: Ha­sen­hüttl sag­te im De­zem­ber nein zu ei­ner Ver­trags­ver­län­ge­rung. Wer nein zu Hö­her-wei­ter-schnel­ler­rang­nick sagt, hat ein Pro­blem. Als der Coach auch noch mit dem FC Bay­ern flir­te­te und die Sie­ge aus­blie­ben, war der Drops na­he­zu ge­lutscht.

Drit­tens: Der Trai­ner lieb­te die Spie­le und die Er­fah­run­gen in der Eu­ro­pa Le­ague, die Chefs hät­ten gern den Hof­fen­hei­mer Weg ge­wählt: Raus oh­ne Ap­plaus und oh­ne Kraft­ver­lust. Kon­zen­tra­ti­on aufs Kern­ge­schäft .

Vier­tens: Rang­nicks Be­set­zung der ele­men­tar wich­ti­gen Au­ßen­po­si­tio­nen er­wies sich als fa­ta­le Feh­l­ein­schät­zung. Ha­sen­hüttl wur­de zum Flick­schus­ter.

Ges­tern en­de­te die Ära Ha­sen­hüttl. Mit der Nicht­ver­län­ge­rung des Ver­tra­ges wies RB Leip­zig dem Trai­ner die Tür. Der Ter­mi­nus „ein­ver­nehm­lich“passt da­zu wie ein Wrest­ler ins Schwa­nen­see-bal­lett.

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