Neu­er Job für Sig­mar Ga­b­ri­el

Frü­he­rer Wirt­schafts- und Au­ßen­mi­nis­ter will in den Ver­wal­tungs­rat der Bahn-spar­te von Sie­mens und Al­st­om

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER

BER­LIN. Of­fi­zi­ell gibt es kei­nen Kom­men­tar, we­der aus der Par­tei­zen­tra­le im Wil­lybrandt-haus noch aus der Spd-bun­des­tags­frak­ti­on. Man wol­le die Sa­che nicht grö­ßer ma­chen, als sie sei, heißt es. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand wird über die neu­en Job-plä­ne von Ex-par­tei­chef Sig­mar Ga­b­ri­el bei den So­zi­al­de­mo­kra­ten je­doch kon­tro­vers dis­ku­tiert: Zwei Mo­na­te nach sei­nem Aus­schei­den aus dem Bun­des­ka­bi­nett ist nun be­kannt ge­wor­den, dass der frü­he­re Au­ßen- und Wirt­schafts­mi­nis­ter im kom­men­den Jahr in den Ver­wal­tungs­rat der ge­plan­ten Zug-al­li­anz von Sie­mens und des­sen fran­zö­si­schen Kon­kur­ren­ten Al­st­om ein­zie­hen soll. Er freue sich und füh­le sich „sehr ge­ehrt“, sag­te Ga­b­ri­el ges­tern.

Tat­säch­lich hat­te sich der Spd-po­li­ti­ker be­reits 2014 als Wirt­schafts­mi­nis­ter für ei­nen Über­nah­me­pro­zess zwi­schen Sie­mens und Al­st­om ein­ge­setzt – da­mals je­doch in der Kraft­werks­spar­te.

Das ge­mein­sa­me Bahn­un­ter­neh­men wer­de vor­aus­sicht­lich En­de 2018 oder An­fang 2019 sei­ne Ar­beit be­gin­nen. Für die dann be­gin­nen­de Tä­tig­keit ei­nes neu­en Auf­sichts­rats wer­de er „nach Ablauf ei­nes Jah­res nach dem Aus­schei­den aus der Bun­des­re­gie­rung zur Ver­fü­gung ste­hen“, kün­dig­te Ga­b­ri­el an. Er ha­be das zu­stän­di­ge Ka­renz­zeit­gre­mi­um in­for­miert und hal­te sich strikt an die in der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ge­schaf­fe­nen ge­setz­li­chen Vor­ga­ben für ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung.

In der SPD ge­hen die Mei­nun­gen über Ga­b­ri­els Plä­ne, die auch Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen mög­li­chen Man­dats­ver­zicht schü­ren dürf­ten, weit aus­ein­an­der. „Die­ser Schritt kommt sehr schnell nach En­de sei­ner Zeit im Bun­des­ka­bi­nett“, sagt ein Spd-bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter, der un­ge­nannt blei­ben will. Da­ge­gen sieht Johannes Kahrs, Chef des See­hei­mer Krei­ses, kei­nen Grund zur Kri­tik. „Ich ha­be da­mit kein Pro­blem“, sag­te der Spd-bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND).

Von Op­po­si­ti­on und Ver­bän­den kommt da­ge­gen schar­fe Kri­tik. Ti­mo Lan­ge von der Or­ga­ni­sa­ti­on Lob­by­con­trol sag­te zwar, die um­fas­sen­de In­for­ma­ti­on Ga­b­ri­els sei zu be­grü­ßen. Zu prü­fen sei aber, ob die vol­le Län­ge der Ka­renz­zeit von bis zu 18 Mo­na­ten bei Ex-mi­nis­tern aus­ge­schöpft wer­den soll­te. Die­se soll gel­ten, wenn man bei der Mi­nis­ter­tä­tig­keit zum Bei­spiel eng mit den Kon­zer­nen zu tun hat­te.

Lin­ken-frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer Jan Kor­te warf der SPD ein „,Wei­ter so‘ bei der Kar­rie­re­pla­nung der Ge­nos­sen der Bos­se“vor: „Ich hof­fe sehr, dass die Bun­des­re­gie­rung bei ei­nem ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­und Ener­gie­mi­nis­ter, der zu ei­nem Wirt­schafts- und Ener­gie­kon­zern wech­seln will, die vol­len mög­li­chen 18 Mo­na­te Sper­re aus­schöpft.“

Dar­über hat nach jet­zi­ger Rechts­la­ge die Bun­des­re­gie­rung zu ent­schei­den. Ga­b­ri­els for­mel­le Be­ru­fung kann erst er­fol­gen, so­bald es das neue Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men von Sie­mens und Al­st­om gibt. Das Ka­renz­zeit­gre­mi­um hat die Auf­ga­be, mit Blick auf ei­nen Wech­sel frü­he­rer Re­gie­rungs­mit­glie­der in die Wirt­schaft, öf­fent­lich Emp­feh­lun­gen für die Ka­renz­zeit aus­zu­spre­chen. Die­se sind je­doch nicht bin­dend. Dem Gre­mi­um ge­hört un­ter an­de­rem Ex-fi­nanz­mi­nis­ter Theo Wai­gel an.

Fo­to: dpa

Als Mi­nis­ter hat­te Ga­b­ri­el nicht nur im Wirt­schafts­res­sort ei­nen gu­ten Draht zu Al­st­om und Sie­mens. Un­ser Bild vom Ja­nu­ar 2006 zeigt den da­ma­li­gen Um­welt­mi­nis­ter bei der Pro­be­fahrt ei­ner Al­st­om-s-bahn in Salz­git­ter.

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