Fern­stra­ßen­bun­des­amt: Leip­zi­ger Sieg dank gu­ter Er­reich­bar­keit und Uni­ver­si­tät

Groß-be­hör­de wird in Sach­sen an­ge­sie­delt / Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er lobt Ein­satz von MP Kret­sch­mer

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON ANDRÉ BÖHMER

LEIP­ZIG/BER­LIN. Freu­de in Leip­zig und Sach­sen, lan­ge Ge­sich­ter in Thü­rin­gen, wo mit Ge­ra und Er­furt auch zwei Städ­te um die No­mi­nie­rung ge­kämpft hat­ten. Als vor knapp vier Wo­chen das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um sei­ne Ent­schei­dung für die An­sied­lung des Fern­stra­ßen-bun­des­am­tes be­kannt gab, wa­ren die Re­ak­tio­nen ge­mischt. Ge­mein­sam herrsch­te Ge­nug­tu­ung nur dar­über, dass nun end­lich ein gro­ßes Bun­des­amt im Os­ten ei­ne Hei­mat fin­det. Die­se For­de­rung hat­ten zu­vor die Ost-mi­nis­ter­prä­si­den­ten auf­ge­stellt – und der Bund in Per­son von Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) hat nun ge­lie­fert. Noch steht die letz­te Zu­stim­mung des Ka­bi­netts zwar aus, auf Lvz-nach­fra­ge mach­te Scheu­er aber klar, dass der Zu­schlag für Leip­zig nicht mehr kip­pen kann. „Die Län­der­ver­kehrs­mi­nis­ter ha­ben mei­nem Stand­ort­kon­zept be­reits ein­stim­mig zu­ge­stimmt. Der Ost-be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung hat die Ent­schei­dung aus­drück­lich be­grüßt. Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass mei­ne Ka­bi­netts­kol­le­gen dies auch so se­hen.“

Hin­ter­grund der Plä­ne für die neue Groß-be­hör­de ist die Neu­ord­nung der Bund-län­der-fi­nan­zen. Bun­des­au­to­bah­nen wer­den dem­nach ab 2021 nicht mehr in Auf­trags­ver­wal­tung durch die Län­der, son­dern in Bun­des­ver­wal­tung ge­führt. Der Bund wird dann die al­lei­ni­ge Ver­ant­wor­tung für Pla­nung, Bau, Be­trieb, Er­halt und Fi­nan­zie­rung der Au­to­bah­nen ha­ben. Scheu­er be­stä­tig­te in dem Zu­sam­men­hang, dass meh­re­re Ost-städ­te im Ren­nen um die An­sied­lung wa­ren („Es gab na­tür­lich Wett­be­werb“) und dass ne­ben dem Haupt­sitz Leip­zig noch bun­des­weit bis zu vier wei­te­re re­gio­na­le Stand­or­te, zehn Nie­der­las­sun­gen, 38 Au­ßen­stel­len und min­des­tens 185 Au­to­bahn­meis­te­rei­en für das neue Fern­stra­ßen-bun­des­amt ge­plant sei­en. „Die Stand­ort­kon­zep­te sind aus­ge­wo­gen zwi­schen Nord, Süd, West und Ost. Wir stär­ken die re­gio­na­le Ver­ant­wor­tung und zei­gen brei­te Prä­senz in der Flä­che.“

Den Zu­schlag für die säch­si­sche Mes­se­me­tro­po­le wer­tet der Bun­des­mi­nis­ter als „ein star­kes Si­gnal für die neu­en Län­der“. Der Er­folg ha­be sich letzt­lich aus meh­re­ren Stand­ort-fak­to­ren er­ge­ben. „Für Leip­zig spricht zum ei­nen die sag­te Scheu­er. Die Stadt sei her­vor­ra­gend an­ge­bun­den an Stra­ße, Schie­ne und den Luft­ver­kehr. Zu­dem lob­te der Mi­nis­ter die Qua­li­tät der Al­ma Ma­ter an der Plei­ße. „Leip­zig ist ei­ne Uni­ver­si­täts­stadt mit ex­zel­len­ten Köp­fen.“Wich­tig, so Scheu­er, sei zu­dem die un­mit­tel­ba­re Nä­he zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt,

„ei­ner auch für In­fra­struk­tur­pro­jek­te wich­ti­gen In­sti­tu­ti­on“.

Beim Kampf um die Groß-be­hör­de für Sach­sen hat laut Scheu­er auch Mi­nis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer (CDU) ei­ne ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt. „Ich ha­be

Der Zu­schlag für Leip­zig ist ein star­kes Si­gnal für die neu­en Län­der.

mich in­ten­siv mit ihm aus­ge­tauscht und er hat im­mer wie­der An­ge­bo­te ge­macht, wie man den Stand­ort per­fek­tio­nie­ren und da­mit für den Bund at­trak­tiv ma­chen kann“, sag­te der Bun­des­mi­nis­ter. „Es ist al­so auch zu ei­nem Groß­teil sein Ver­dienst.“Den zeit­li­chen Rah­men steck­te Scheu­er klar ab. „Wir wol­len das Fern­stra­ßen-bun­des­amt noch in die­sem Jahr er­rich­ten. Ab dem 1. Ja­nu­ar 2021 wird es sei­ne Ar­beit voll auf­neh­men“, sag­te er. Es wer­de dann ins­be­son­de­re für die Pl­an­fest­stel­lungs­und -ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren im Au­to­bahn­be­reich ver­ant­wort­lich sein. Andre­as Scheu­er, Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter (CSU)

Eher be­deckt hielt sich der Mi­nis­ter da­ge­gen noch bei kon­kre­ten An­ga­ben zu künf­ti­gen Mit­ar­bei­ter-zah­len und dem ge­nau­en Stand­ort in Leip­zig. Im Ge­spräch sind bis­lang rund 1000 Jobs für die Zen­tra­le in Leip­zig und in al­len Stand­or­ten. „Wir le­gen jetzt nach und nach die Struk­tu­ren fest. Da­zu ge­hört der or­ga­ni­sa­to­ri­sche Zu­schnitt und die Grö­ße des Haupt­sit­zes so­wie der wei­te­ren Stand­or­te des Fern­stra­ßen-bun­des­am­tes“, sag­te er. Bis spä­tes­tens En­de Ju­ni ste­he aber das kon­kre­te Stand­ort­kon­zept fest. Fest steht aber jetzt schon, wel­che Be­rufs­grup­pen in der neu­en Bun­des­be­hör­de be­son­ders gu­te Chan­cen ha­ben. „Wir brau­chen die bes­ten Köp­fe: Pla­ner, Bau­in­ge­nieu­re, Ju­ris­ten und Ver­wal­tungs­ex­per­ten“, mach­te Scheu­er klar.

Fo­to: Ar­min Küh­ne

Pla­nung, Bau, Be­trieb und Er­halt der Au­to­bah­nen, hier die A 14 (Dres­den–mag­de­burg) am Sch­keu­dit­zer Kreuz bei Leip­zig, über­nimmt ab 2021 das neue Fern­stra­ßen-bun­des­amt mit Haupt­sitz in Leip­zig. Rund 1000 Jobs sol­len in der Groß-be­hör­de ent­ste­hen.

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