Dad­dy Dead­pool

Fa­mi­lie ist was Wun­der­ba­res: In „Dead­pool 2“lernt der Haud­rauf mit den Sa­mu­rai­schwer­tern Va­ter­pflich­ten und Ge­mein­schafts­geist

Leipziger Volkszeitung - - FILM - VON MAT­THI­AS HAL­BIG

K in­der ge­ben uns die Mög­lich­keit, bes­se­re Men­schen zu sein“, sagt Va­nes­sa (Mo­re­na Bac­ca­rin) zu Wa­de (Ryan Reynolds). Und Wa­de lä­chelt da­zu wie Pu, der Bär. Es sind ih­re frucht­ba­ren Ta­ge, sie wol­len jetzt ei­ne Fa­mi­lie grün­den, der Su­per­held Dead­pool und sein Mä­del, klei­ne Dead­pool­chen zeu­gen. Wenn es ein Jun­ge wird, soll er Con­nor hei­ßen, wenn’s ein Mäd­chen wird, Mae. Sie sit­zen vorm Fern­se­her, zwei im Frie­de-freu­de­ei­er­ku­chen-land, als ein Kil­ler­kom­man­do die Woh­nung stürmt. Va­nes­sa fängt sich ei­ne töd­li­che Ku­gel ein, was der Grund ist, war­um wir Dead­pool zu Be­ginn sei­nes zwei­ten Films bei ei­nem Selbst­mord­ver­such an­tref­fen. Das Le­ben macht kei­nen Sinn mehr. Selbst­mord aber macht noch we­ni­ger Sinn – vor al­lem, wenn man ein Su­per­held mit So­fort­re­ge­ne­ra­ti­ons­kraft ist.

„Dead­pool 2“ist der Film, der dem rot­schwarz ge­wan­de­ten Ein­zel­kämp­fer mit den Sa­mu­rai­schwer­tern Grup­pen­dy­na­mik und Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl bei­brin- gen soll, ein Fa­mi­li­en­film aus Mar­vels seit je recht fa­mi­liä­rem X-men-uni­ver­sum. Der Held trifft auf den zor­ni­gen Te­e­nie­mu­tan­ten Rus­sell (Ju­li­an Den­ni­son), der Feu­er­bäl­le schleu­dern kann, im Be­griff scheint, Amok zu lau­fen, und akut ei­ne ver­trau­ens­wür­di­ge Va­ter­fi­gur braucht.

Der de­pres­si­ve Dead­pool ist da ein em­pa­thi­scher To­tal­aus­fall. Frei­lich be­kommt er ei­ne zwei­te Chan­ce: Denn aus trü­ber Zu­kunft reist mit ei­nem ver­kohl­ten Ted­dy­bär der Cy­borg Ca­ble (Josh Bro­lin) an, der Rus­sell tö­ten will, um zu ver­hin­dern, dass die­ser ei­nes Ta­ges sei­ne Fa­mi­lie zu Asche ver­brennt. Dead­pool grün­det die X-force: Ret­tet Rus­sell!

Und Ac­tion! Was bei „Dead­pool“nicht nur heißt, dass wäh­rend der Su­per­hel­den­fights Su­per­schä­den an­ge­rich­tet, son­dern dass auch su­per­ma­ka­ber ge­stor­ben wird. Wie im ers­ten Film wen­det sich der An­ti­held da­bei auch di­rekt an den Zu­schau­er. „The tal­king Dead­pool“reißt die vier­te Wand (die Lein­wand) ein, wenn er be­merkt, dass der grim­mi­ge Ca­ble aus dem kon­kur­rie­ren­den Dc-co­mic-uni­ver­sum stam­men müs­se. Bat­mans Hei­mat.

Der Ter­mi­na­tor lässt grü­ßen, und die Bud­dy-fil­me mit ih­ren Coo­le-sprü­che­ge­fech­ten grü­ßen mit. Es ist ver­gnüg­lich, wenn Do­mi­no (Za­zie Beetz) bei der X-force an­heu­ert und mit­ten im wil­des­ten Hol­ter­di­pol­ter dis­ku­tiert wird, ob de­ren no­to­ri­sches Glück jetzt als Su­per­kraft ge­wer­tet wer­den kann. Ver­schenkt wird in­des die Fi­gur des schnauz­bär­ti­gen Pe­ter (Rob De­la­ney), der sich ein­fach mal so oh­ne je­de „Ga­be“bei der X-force be­wirbt. Selbst­iro­nie re­giert, Kli­schees wer­den als Stil­mit­tel be­nutzt. Und ins­ge­samt hat man schon den Ein­druck: lus­tig.

Aber nicht so lus­tig wie der ers­te Film. Das Über­ra­schungs­mo­ment des schmut­zi­gen He­ros Dead­pool ist weg, und viel vom Bes­ten ist meist nur mehr vom Sel­ben. Ein we­nig stört auch die Sto­ry. Dad­dy Dead­pool? Schmalz und Trä­nen? Ja, sind wir hier denn bei „Bam­bi“? Oder auf der Pon­de­ro­sa bei den Cart­w­rights?

Wo­bei dem Schul­sys­tem Ame­ri­kas, des­sen Par­al­lel­uni­ver­sums­ver­si­on die X-men-welt ja ist, ei­ner über­ge­bra­ten wird. Mu­tan­ten sind die Au­ßen­sei­ter: Rus­sell wird ge­mobbt, bis er durch­dreht. „Dead­pool“ist ein State­ment für ei­ne bes­se­re, Schü­ler um­ar­men­de staat­li­che Er­zie­hung. Wow! Wer hätt’s ge­dacht?

„Fa­mi­lie ist kein F-wort“, ist Dead­pools Fa­zit. Scha­de, dass wir ihn ab jetzt wohl nur noch mit sei­ner „Fa­mi­lie“er­le­ben wer­den. Wahr­schein­lich wer­den sie im nächs­ten Film Ca­ble hel­fen, den Ted­dy­bär zu sei­ner Toch­ter zu­rück in die Zu­kunft zu brin­gen. Ehr­lich? Ein­sam wie Bat­man war Dead­pool uns lie­ber.

„Dead­pool 2“, Re­gie: Da­vid Leitch, mit Ryan Reynolds, 119 Mi­nu­ten, FSK 16

Fo­to: 20th Cen­tu­ry Fox

Ein­mal Le­bens­ge­fahr und zu­rück: Dead­pool (Ryan Reynolds) und sein neu­er­dings kampf­lus­ti­ger Ta­xi­fah­rer Do­pinder (Ka­ran So­ni).

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