Be­wäh­rungs­stra­fe für Was­ser­büf­fel­hal­ter

Nach­dem im Grü­nen Bo­gen Pauns­dorf meh­re­re Tie­re ver­hun­ger­ten, steht das Be­wei­dungs­pro­jekt vor dem Aus

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON JENS ROMETSCH

LEIP­ZIG. Der Hal­ter der Was­ser­büf­felHer­de im Grü­nen Bo­gen Pauns­dorf wur­de ges­tern am Leip­zi­ger Amts­ge­richt zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt. An­ge­droht sind neun Mo­na­te Haft, falls er in den nächs­ten zwei Jah­ren noch ein­mal vor­sätz­lich straf­fäl­lig wird. Der in Tau­cha le­ben­de Holger W. war be­reits vor fünf Jah­ren zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Auch da­mals lau­te­te der Vor­wurf, er ha­be meh­re­re Tie­re ver­hun­gern las­sen.

Bei der gest­ri­gen Ver­hand­lung ging es vor al­lem um den Tod von zwei männ­li­chen Was­ser­büf­feln am 11. und 23. März 2017. Spa­zier­gän­ger in dem Nah­er­ho­lungs­ge­biet hat­ten de­ren reg­lo­se Kör­per ent­deckt. Auch zehn wei­te­re der et­wa 20 Büf­fel sei­en so stark ab­ge­ma­gert ge­we­sen, dass dies so­gar Lai­en er­kann­ten, hieß es in der An­kla­ge­schrift. Ge­mäß Pa­ra­graf 17 des Tier­schutz­ge­set­zes steht auf das Tö­ten von Wir­bel­tie­ren „oh­ne ver­nünf­ti­gen Grund“ei­ne Geld­stra­fe oder Frei­heits­stra­fe von bis zu drei Jah­ren.

Holger W. ver­si­cher­te, er sei sich kei­ner Schuld be­wusst. 2009 ha­be das Pacht- ver­hält­nis mit der Stadt Leip­zig, die ihm 36 Hekt­ar kos­ten­frei über­ließ, be­gon­nen. Da­mals ha­be er auch die He­ge von Wild­pfer­den auf dem Are­al über­nom­men, die der Nabu Kö­then als vor­he­ri­ger Päch­ter hin­ter­las­sen ha­be. Laut dem Ver­trag sei er zum Zu­füt­tern nur bei Not­la­gen im Win­ter ver­pflich­tet, so der 42-Jäh­ri­ge, der von ei­ner Be­rufs­un­fä­hig­keits­ren­te lebt. „Trotz­dem wa­ren ich oder mein Va­ter je­den Tag vor Ort.“Bei Be­darf ha­be es täg­lich ei­nen Bal­len mit et­wa 350 Ki­lo­gramm Heu, auch Möh­ren als Fut­ter ge­ge­ben. Even­tu­ell hät­ten gif­ti­ge Alt­las­ten auf dem frü­he­ren Mi­li­tär­ge­län­de die To­des­fäl­le aus­ge­löst. Auch wür­den die Wild­pfer­de oft die Büf­fel vom Fut­ter­platz ver­drän­gen.

In­des be­rich­te­te ein Tier­arzt vom In­sti­tut für Ve­te­ri­när-pa­tho­lo­gie, der das to­te Tier vom 23. März ob­du­ziert hat­te, der Büf­fel sei ein­deu­tig „ver­hun­gert“. Das Fett­ge­we­be an Herz und Milz sei auf­ge­braucht ge­we­sen. Die­se Fett­re­ser­ven wür­den als al­ler­letz­ter Vor­rat ge­nutzt.

Da sich die Um­stän­de des an­de­ren Fal­les vom 11. März nicht mehr auf­klä­ren lie­ßen (die­ser to­te Büf­fel war ver­stüm­melt), ver­häng­te die Rich­te­rin die Stra­fe nur für den Fall vom 23. März – in Tatein­heit mit der Un­ter­ver­sor­gung wei­te­rer Tie­re. Holger W. sei vom Leip­zi­ger Ve­te­ri­när­amt seit vie­len Jah­ren be­auf­lagt wor­den, den Büf­feln nicht nur Heu, son­dern auch en­er­gie­rei­che­res Fut­ter wie Mais zur Ver­fü­gung zu stel­len. Er ha­be das trotz ähn­lich ge­la­ger­ter To­des­fäl­le von 2013 nicht ge­tan, so die Rich­te­rin. Sie leg­te dem An­ge­klag­ten ans Herz, die rest­li­chen Büf­fel aus Pauns­dorf schnell rechts­ge­treu auf sei­ne „Farm“in Tau­cha zu ho­len, wo er eben­falls Was­ser­büf­fel hält. Den Pacht­ver­trag in Pauns­dorf hat­te ihm die Stadt schon zum 31. De­zem­ber 2016 ge­kün­digt.

Fo­to: Lvz-ar­chiv

Was­ser­büf­fel vor dem Plat­ten­bau­pan­ora­ma in Pauns­dorf wird es wahr­schein­lich bald nicht mehr ge­ben. Im März 2017 wa­ren zwei männ­li­che Tie­re ver­hun­gert. Ihr Nor­mal­ge­wicht be­trägt et­wa ei­ne hal­be Ton­ne.

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