Pro­zess um ver­scharr­tes Mord­op­fer

Ver­hand­lung ver­tagt: Ein An­ge­klag­ter fehlt, weil Ge­richt Haft­be­fehl auf­ge­ho­ben hat

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON SA­BI­NE KREUZ

Auf­takt mit Hin­der­nis­sen: Noch vor Ver­le­sung der An­kla­ge ver­tagt das Land­ge­richt am Mitt­woch den Pro­zess um ei­nen spek­ta­ku­lä­ren Mord­fall aus Leip­zig. Drei Män­ner sol­len be­reits im Sep­tem­ber 2014 ei­nen tür­ki­schen Ge­schäfts­part­ner in Eu­tritzsch ge­tö­tet und sei­ne Lei­che dort ver­scharrt ha­ben. Erst drei Jah­re spä­ter grub die Po­li­zei – nach ei­nem Hin­weis – die sterb­li­chen Über­res­te von Meh­met I. (42) auf ei­nem Grund­stück an der Des­sau­er Stra­ße wie­der aus und nahm das Trio fest.

Ei­ner je­doch fehlt am Mitt­woch: Is­mail Ö. (23) lie­ge in der Tür­kei in ei­nem Kran­ken­haus, sei am vo­ri­gen Sams­tag we­gen ei­ner aku­ten psy­cho­ti­schen Er­kran­kung in die Kli­nik ein­ge­wie­sen wor­den, klärt sein Ver­tei­di­ger Frank Wil­helm Drü­cke auf. Dass sich Is­mail Ö. über­haupt auf frei­em Fuß be­fin­det, über­rascht. Das Land­ge­richt hob be­reits am 31. Ja­nu­ar 2018 den Haft­be­fehl ge­gen ihn auf. Be­grün­dung der zu­stän­di­gen 2. Straf­kam­mer: kein drin­gen­der Tat­ver­dacht.

Al­ler­dings ver­han­delt sie we­gen Über­las­tung den Fall nicht mehr. Nun hat ihn die 3. Straf­kam­mer auf dem Tisch. Und die­se er­ließ be­reits am 10. April – auf An­trag der Staats­an­walt­schaft – ei­nen neu­en Haft­be­fehl. Ver­tei­di­ger Drü­cke: „Sind Sie klü­ger als die 2. Kam­mer?“Dar­auf der Vor­sit­zen­de Rich­ter Nor­bert Gö­bel: „Die Sach­la­ge hat sich ge­än­dert.“Die Staats­an­walt­schaft er­hob ei­ne Wo­che nach der Frei­las­sung des 23-Jäh­ri­gen, am 8. Fe­bru­ar, An­kla­ge – auch ge­gen ihn.

Drü­cke meint, sein Man­dant wer­de vor­aus­sicht­lich am nächs­ten Pro­zess­tag, dem 7. Ju­ni, kom­men und be­an­tragt, ihm frei­es Ge­leit zu ge­wäh­ren. Erst dann soll auch die An­kla­ge ver­le­sen wer­den.

Die Staats­an­walt­schaft hält Hü­sey­in D. (49), ei­nen Deut­schen tür­ki­scher Her­kunft, für den Haupt­an­ge­klag­ten und wirft ihm Mord vor. Auf sei­ne Ver­an­las­sung sol­len die zwei Mit­tä­ter das spä­te­re Op­fer ge­fes­selt und mit Kle­be­band um­wi­ckelt ha­ben. Und auf sein Ge­heiß hin soll auch der 23-jäh­ri­ge Is­mail Ö. den 42-jäh­ri­gen Ge­schä­dig­ten er­würgt ha­ben. Den bei­den Mit­be­schul­dig­ten wird ge­mein­schaft­li­cher Tot­schlag an­ge­las­tet. Die Staats­an­walt­schaft geht da­von aus, dass der Haupt­an­ge­klag­te Hü­sey­in D. aus Wut über Be­lei­di­gun­gen und wie­der­hol­te Geld­for­de­run­gen des spä­te­ren Op­fers den Mord­plan schmie­de­te.

Ans Licht kam der Fall dem Ver­neh­men nach über­haupt erst durch den drit­ten An­ge­klag­ten – den Bos­ni­er Ha­san M. (45). Er soll bei der Po­li­zei An­ga­ben ge­macht und die ent­schei­den­den Hin­wei­se zum Fund­ort der Lei­che ge­ge­ben ha­ben. Der 45-Jäh­ri­ge steht un­ter dem be­son­de­ren Schutz des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes Sach­sen. Auch des­halb wird der Pro­zess un­ter schar­fen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ge­führt. Un­ter an­de­rem müs­sen sich Zu­schau­er aus­wei­sen, wer­den kon­trol­liert und ih­re Per­so­na­li­en do­ku­men­tiert. Vor­erst hat die 3. Straf­kam­mer noch Ver­hand­lungs­ter­mi­ne bis 8. No­vem­ber an­be­raumt.

Fo­to: Chris­ti­an Mod­la

Vor Pro­zess­be­ginn: Hü­sey­in D. (r.) mit An­walt Curt-mat­thi­as En­gel.

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