Eu­ro­pa dro­hen mehr Dür­ren

Leip­zi­ger Um­welt­for­scher fe­der­füh­rend bei gro­ßer Stu­die zu den Fol­gen der Er­der­wär­mung

Leipziger Volkszeitung - - CAMPUSLEBEN - VON MA­RIO BECK

Der Kli­ma­wan­del wird das Pro­blem der Tro­cken­pe­ri­oden in Eu­ro­pa ver­schär­fen – sie wer­den häu­fi­ger auf­tre­ten, län­ger dau­ern, mehr Flä­chen und da­mit mehr Men­schen be­tref­fen. Zu die­sem Er­geb­nis kommt ein von Ex­per­ten des Leip­zi­ger Helm­holtz-zen­trums für Um­welt­for­schung (UFZ) ge­lei­te­tes in­ter­na­tio­na­les Wis­sen­schaft­ler­team in ei­ner jetzt im Ma­ga­zin „Na­tu­re Cli­ma­te Chan­ge“pu­bli­zier­ten Stu­die. Dar­in ist erst­mals um­fas­send be­schrie­ben, wie sich die glo­ba­le Er­der­wär­mung eu­ro­pa­weit hin­sicht­lich von Dür­ren aus­wir­ken kann.

Ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en wur­den per Com­pu­ter­mo­del­lie­run­gen durch­ge­spielt. Soll­te die Er­der­wär­mung um drei Grad zu­le­gen, ver­dop­pelt sich die Flä­che der Dür­re­ge­bie­te auf dem Kon­ti­nent im Ver­gleich zum Re­fe­renz­zeit­raum 1971 bis 2000 von 13 auf 26 Pro­zent. Ge­lingt es je­doch – wie im Pa­ri­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­men fi­xiert – die Auf­hei­zung auf 1,5 Grad Cel­si­us zu be­gren­zen, wer­den Dür­re­ge­bie­te per­spek­ti­visch 19 Pro­zent der Flä­che ein­neh­men. Wie die Ufz-fach­leu­te und ih­re an der Un­ter­su­chung be­tei­lig­ten Kol­le­gen schrei­ben, dau­ern die größ­ten Dür­re­e­reig­nis­se zu­dem drei bis vier­mal län­ger als bis­her an. Bis zu 400 Mil­lio­nen Men­schen könn­ten dann da­von be­trof­fen sein. Ne­ga­ti­ve Fol­gen sind vor al­lem für die Mit­tel­meer-an­rai­ner zu er­war­ten, wo im ex­trems­ten Fall für 49 Pro­zent des Ge­bie­tes Tro­cken­heit droht. Auch die An­zahl der Dür­re­mo­na­te pro Jahr wür­de in Sü­d­eu­ro­pa deut­lich zu­neh­men: „Bei ei­ner Drei-grad-er­wär­mung ge­hen wir von 5,6 Dür­re­mo­na­ten jähr­lich aus, bis­lang lag die Zahl bei 2,1 Mo­na­ten. Für ei­ni­ge Tei­le der ibe­ri­schen Halb­in­sel pro­gnos­ti­zie­ren wir so­gar mehr als sie­ben Dür­re­mo­na­te“, sag­te Ufz-hy­dro­lo­ge Lu­is Sa­ma­nie­go.

Er und Ste­phan Tho­ber vom UFZ wa­ren fe­der­füh­rend bei der Stu­die. „Drei Grad Er­wär­mung be­deu­ten au­ßer­dem, dass der Was­ser­ge­halt im Bo­den bis zu ei­ner Tie­fe von zwei Me­tern um 35 Mil­li­me­ter zu­rück­geht. Das heißt mit an­de­ren Wor­ten, dass auf ei­nem Qua­drat­ki­lo­me­ter 35000 Ku­bik­me­ter Was­ser nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen“, er­klär­te Tho­ber. Da­mit ent­ste­he auf Dau­er in et­wa je­nes Was­ser­de­fi­zit, das wäh­rend des Jahr­hun­dert­som­mers 2003 in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas herrsch­te. Stei­ge die Er­der­wär­mung da­ge­gen le­dig­lich um 1,5 Grad Cel­si­us, sei­en jähr­lich 3,2 Dür­re­mo­na­te in der Mit­tel­meer­re­gi­on zu er­war­ten und ein Rück­gang des Bo­den­was­sers um acht Mil­li­me­ter, so die Wis­sen­schaft­ler

Nicht ganz so gra­vie­rend wür­de es die an­de­ren Ge­bie­te tref­fen, selbst wenn es ein Plus von drei Grad Cel­si­us gibt. „In den at­lan­ti­schen, kon­ti­nen­ta­len und al­pi­nen Re­gio­nen ver­grö­ßern sich dann die Dür­re­ge­bie­te um we­ni­ger als zehn Pro­zent­punk­te der Ge­samt­flä­che“, er­läu­ter­te Ma­the­ma­ti­ker Tho­ber. Im Bal­ti­kum und in Skan­di­na­vi­en wür­den die durch die Er­wär­mung aus­ge­lös­ten stär­ke­ren Nie­der­schlä­ge so­gar ei­ne mar­gi­na­le Ver­klei­ne­rung der Dür­re­flä­chen mit sich brin­gen.

Fo­to: dpa

2003 schlug die Hit­ze er­bar­mung­los zu, auch das Rhein-fluss­bett trock­ne­te teil­wei­se aus. Dür­ren wie da­mals könn­ten in Tei­len Eu­ro­pas zum Nor­mal­fall wer­den, wenn die Er­der­wär­mung um drei Grad Cel­si­us steigt, pro­gnos­ti­zie­ren Wis­sen­schaft­ler vom UFZ.

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