Die­sel­af­fä­re: VW muss ei­ne Mil­li­ar­de Buß­geld zah­len

Er­folg­rei­che Ur­ab­stim­mung / Zu­vor er­klär­te IG Me­tall Ge­sprä­che über So­zi­al­ta­rif­ver­trag für ge­schei­tert

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON UL­RICH LAN­GER

WOLFSBURG. In der Die­sel­af­fä­re hat die Staats­an­walt­schaft Braun­schweig ein Buß­geld über ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro ge­gen Volks­wa­gen ver­hängt. „Volks­wa­gen ak­zep­tiert das Buß­geld und be­kennt sich da­mit zu sei­ner Ver­ant­wor­tung“, teil­te die Volks­wa­gen AG ges­tern mit.

Nach den Er­geb­nis­sen der Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft sei es zu „Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen in der Ab­tei­lung Ag­gre­ga­te-ent­wick­lung im Zu­sam­men­hang mit der Fahr­zeug­prü­fung“ge­kom­men, wur­de mit­ge­teilt. Die Geld­bu­ße setzt sich laut VW aus dem ge­setz­li­chen Höchst­maß ei­ner Ahn­dung in Hö­he von fünf Mil­lio­nen Eu­ro so­wie ei­ner Ab­schöp­fung wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le in Hö­he von 995 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sam­men.

LEIP­ZIG/SAAR­BRÜ­CKEN. Der Kampf bei Hal­berg Guss geht in die nächs­te Run­de. Die Ge­werk­schaft hat ges­tern das Schei­tern der Ge­sprä­che über den von ihr ge­for­der­ten So­zi­al­ta­rif­ver­trag ver­kün­det. „Das, was uns die Ar­beit­ge­ber vor­ge­legt ha­ben, ist schlicht­weg in­ak­zep­ta­bel“, schimpf­te Leip­zigs Ig-me­tall-chef Bernd Krup­pa. Da­her sei be­reits am frü­hen Nach­mit­tag an den bei­den Stand­or­ten von Hal­berg Guss in Leip­zig und Saar­brü­cken die Ur­ab­stim­mung ein­ge­lei­tet wor­den. Als letz­tes stimm­te die je­wei­li­ge Nacht­schicht über ei­nen Ar­beits­kampf ab. Die­ser Ur­nen­gang ging bis ge­gen 22.15 Uhr, da­nach wur­de ge­zählt.

Ho­he Be­tei­li­gung

Wenn sich min­des­tens 75 Pro­zent der in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­ten Be­schäf­tig­ten für ei­nen Ar­beits­kampf aus­spre­chen, „kann es im Nach­gang un­mit­tel­bar zu Streiks kom­men“, er­klär­te die Ge­werk­schaft im Vor­feld. Krup­pa gab sich zu­ver­sicht­lich, dass die 75-Pro­zent-quo­te er­reicht wer­de. „Die Be­tei­li­gung an der Ur­ab­stim­mung war hoch“, er­klär­te der Ge­werk­schaf­ter am spä­ten gest­ri­gen Abend auf Lvz-an­fra­ge. Auch hät­ten vie­le Be­schäf­tig­te be­reits im Vor­feld ih­re Zu­stim­mung zum Streik ge­äu­ßert. „Wir ver­schär­fen jetzt die Gan­gart.“Und so sa­hen es auch die Mit­ar­bei­ter: Mit 98,4 Pro­zent stimm­ten die Ge­werk­schafts­mit­glie­der bei­der Stand­or­te für den Ar­beits­kampf. „Es hat kei­ne Ge­gen­stim­me ge­ge­ben“, sag­te Krup­pa. Die feh­len­den knapp zwei Pro­zent sei prak­tisch durch­weg mit Ur­lau­bern und kran­ken Mit­ar­bei­tern zu er­klä­ren. Der Streik soll be­reits heu­te Mor­gen um 6 Uhr be­gin­nen.

Den­noch sei die IG Me­tall wei­ter ge­sprächs­be­reit. „Selbst­ver­ständ­lich, das sind wir im­mer. Es ist nur ei­ne Fra­ge, auf wel­cher Grund­la­ge“, be­ton­te der Ge­werk­schaf­ter. Das, was die Ar­beit­ge­ber in den Ver­hand­lun­gen zum So­zi­al­ta­rif­ver­trag ge­bo­ten hät­ten, rei­che bei Wei­tem nicht aus. Die Be­schäf­tig­ten ver­lan­gen ei­ne Qua­li­fi­zie­rungs­ge­sell­schaft und ei­nen ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­ten Treu­hand­fonds, aus dem Ab­fin­dun­gen oder Maß- nah­men zur Ver­mitt­lung in neue Jobs be­zahlt wer­den sol­len.

Hin­ter­grund der Aus­ein­an­der­set­zung ist ein seit Län­ge­rem wäh­ren­der Streit zwi­schen dem Ei­gen­tü­mer der Hal­berg Guss, der Prevent-grup­pe, hin­ter der die bos­ni­sche Fa­mi­lie Has­tor steht, und dem Vw-kon­zern. Die Wolfs­bur­ger sind ei­ner der Haupt­ab­neh­mer von Hal­berg-gus­s­Er­zeug­nis­sen. So kam es Mit­te April zwei Ta­ge lang zu ers­ten Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen. Prevent hat­te da­mals auf un­be­zahl­te Rech­nun­gen ver­wie­sen. In­zwi­schen set­ze Hal­berg Guss VW „mit Preis­er­hö­hun­gen für sei­ne Lie­fe­run­gen auf das mehr als Zehn­fa­che un­ter Druck“, sag­te Krup­pa. Der Au­to­bau­er, für des­sen Ab­le­ger Sca­nia und MAN Guss­tei­le aus Leip­zig ge­lie­fert wer­den, sei auf die­se an­ge­wie­sen, und zah­le nun „zig Mil­lio­nen an Prevent. In der Zwi­schen­zeit ist VW da­bei, ei­ne ent­spre­chen­de ei­ge­ne Guss-pro­duk­ti­on auf die Bei­ne zu stel­len“. Mit der Fol­ge, dass das Leip­zi­ger Hal­berg-guss­werk „vor­aus­sicht­lich bis En­de 2019“dicht­ge­macht wer­den soll, wie die Ge­schäfts­lei­tung vo­ri­ge Wo­che ver­kün­de­te. Hier sind nach Ig-me­tall-an­ga­ben 610 Stamm­be­schäf­tig­te und 90 Leih­ar­bei­ter an­ge­stellt. In Saar­brü­cken ste­hen 300 der 1700 Stel­len vor dem Aus. Die Ge­schäfts­lei­tung von Hal­berg Guss be­wer­te­te die Ge­sprä­che mit der Ge­werk­schaft da­ge­gen po­si­tiv, ap­pel­lier- te aber zu­gleich an das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein al­ler Be­tei­lig­ten. Es kön­ne nur ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve für das Un­ter­neh­men ge­schaf­fen wer­den, wenn es sich jetzt als zu­ver­läs­si­ger Part­ner sei­ner Kun­den be­wäh­re.

Ge­richt stoppt Ma­nage­ment

Das Ma­nage­ment war am spä­ten gest­ri­gen Vor­mit­tag mit sei­nem An­trag auf Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung vor dem Ar­beits­ge­richt in Leip­zig ge­schei­tert. Da­mit woll­te Hal­berg Guss wei­te­re Warn­streiks und die Ur­ab­stim­mung ver­hin­dern. Krup­pa: „Prevent und Volks­wa­gen be­kom­men jetzt die Aus­ein­an­der­set­zung, die sie ver­die­nen.“

Fo­to: Dirk Kn­ofe

Warn­streik bei Hal­berg Guss in der ver­gan­ge­nen Wo­che. Die Zei­chen ste­hen nach der er­folg­rei­chen Ur­ab­stim­mung ges­tern Abend wei­ter auf Streik.

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