300 Po­li­zis­ten bei Groß­raz­zia ge­gen Schleu­ser­ban­den in Mit­tel­deutsch­land

Woh­nun­gen in Leip­zig, Ei­len­burg und Wur­zen durch­sucht / Ban­de or­ga­ni­sier­te Schein­ehen für In­der

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANDRE­AS DUNTE

LEIP­ZIG/EI­LEN­BURG. Mit ei­nem Groß­auf­ge­bot ging die Bun­des­po­li­zei ges­tern in fünf Bun­des­län­dern ge­gen Schleu­ser­kri­mi­na­li­tät vor. Mehr als 300 Bun­des­po­li­zis­ten durch­such­ten ins­ge­samt 27 Woh­nund Ge­schäfts­räu­me. Schwer­punkt der Raz­zia wa­ren die säch­si­sche Stadt Ei­len­burg so­wie Hett­stedt in Sach­sen-an­halt, wo al­lein 15 Ob­jek­te durch­sucht wur­den. Ein­sät­ze fan­den auch in Leip­zig, Wur­zen, Chem­nitz, Stutt­gart, Frank­furt/main und Wup­per­tal statt.

Die Be­am­ten gin­gen im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft Leip­zig ge­gen ei­ne Ban­de vor, die im Ver­dacht steht, Schein­ehen ver­mit­telt zu ha­ben. Auf die­se Wei­se sei­en zahl­rei­che In­der und Pa­kis­ta­ni nach Deutsch­land ein­ge­schleust wor­den. Das Ver­fah­ren rich­tet sich ge­gen 34 Be­schul­pfau. dig­te, sag­te Po­li­zei­ober­rat Mar­kus Pfau, der den Groß­ein­satz lei­te­te. Er ist Chef der für Sach­sen, Sach­sen-an­halt und Thü­rin­gen zu­stän­di­gen In­spek­ti­on Kri­mi­na­li­täts­be­kämp­fung der Bun­des­po­li­zei.

Er­mit­telt wer­de be­reits seit Früh­jahr 2017, sag­te Pfau. Der Kopf der Ban­de be­ste­he aus vier Haupt­be­schul­dig­ten, zwei konn­te die Po­li­zei fest­neh­men, ei­nen bei der Raz­zia in Leip­zig und ei­nen in Zwen­kau. Schein­ehen gel­ten als ei­ner der il­le­ga­len We­ge, un­be­grenzt in der EU le­ben und ar­bei­ten zu kön­nen. Ge­schlos­sen wur­den die Ehen mit Ru­mä­nin­nen, die sich auf Zy­pern oder in Dä­ne­mark ha­ben trau­en las­sen. In wei­te­ren Fäl­len ver­schaff­te die Ban­de den In­dern und Pa­kis­ta­ni ge­fälsch­te Ur­kun­den, die die Ehe­schlie­ßung mit Eu-bür­gern be­stä­tig­ten. Auch das ha­be die Ein­rei­se und den Auf­ent­halt in der EU er­mög­licht.

Für die Ban­de war die Schleu­sung of­fen­bar ein lu­kra­ti­ves Ge­schäft: Die Prei­se pro ge­schleus­ter Per­son lie­gen zwi­schen 15000 Eu­ro und 22000 Eu­ro. Im Rah­men ei­ner „Rund­um­ver­sor­gung“wur­den die Ge­schleus­ten nach der Ein­rei­se auch bei Be­hör­den­gän­gen be­glei­tet. War al­les in tro­cke­nen Tü­chern, reis­ten die ge­kauf­ten Ehe­frau­en wie­der zu­rück in ihr Hei­mat­land.

Die bei der Raz­zia auf­ge­such­ten Ge­schäfts­füh­rer et­wa von Re­stau­rants oder Schnell-im­bis­sen ste­hen im Ver­dacht, ge­gen Geld ge­fälsch­te Ar­beits­ver­trä­ge aus­ge­stellt zu ha­ben. Un­ter­sucht wur­den auch Wohn­räu­me, die die auf dem Pa­pier auf­ge­führ­ten Ehe­leu­te als ge­mein­sa­me Woh­nung an­ge­ge­ben ha­ben. „Wir ha­ben um­fang­rei­ches Be­weis­ma­te­ri­al bei den Durch­su­chun­gen si­cher­stel­len kön­nen“, so Po­li­zei­ober­rat Dar­un­ter Aus­wei­se, Da­ten­trä­ger und Ur­kun­den. Pfau und sei­ne Kol­le­gen er­war­ten mit Fort­gang der Er­mitt­lun­gen, dass sie auf wei­te­re Ver­dachts­fäl­le sto­ßen.

Par­al­lel zu dem von Leip­zig aus ge­lei­te­ten Ein­satz fan­den wei­te­re um­fang­rei­che Durch­su­chun­gen in Nord­deutsch­land und Dä­ne­mark statt – ver­ant­wort­lich da­für wa­ren Ham­bur­ger Be­am­te.

Die Ma­sche der Schein­ehen be­rei­tet den Be­hör­den bun­des­weit zu­neh­mend Pro­ble­me, hieß es. Er­langt ein Aus­län­der aus ei­nem Dritt­staat durch ei­ne Schein­ehe die Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung in der Eu­ro­päi­schen Uni­on, ge­nießt er Frei­zü­gig­keit. Das heißt auch, dass ge­gen ihn nicht mehr nach Auf­ent­halts­ge­setz er­mit­telt wer­den kann. Die Be­hör­den müs­sen ihm nach­wei­sen, dass er kei­ne „rich­ti­ge“Ehe führt. Nach Aus­län­der­recht ob­liegt dies dem Be­schul­dig­ten.

Fo­to: Po­li­zei

Raz­zia ge­gen Schein­ehen. Wie hier im Leip­zi­ger Stadt­teil Plag­witz nahm die Po­li­zei bei ei­nem Groß­ein­satz auch meh­re­re In­der fest, die sich il­le­gal in Deutsch­land auf­hal­ten.

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