Die Sum­me der Da­ten

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - SPEAKERS’ COR­NER VON TO­BI­AS GOSTOMZYK To­bi­as Gostomzyk ist Pro­fes­sor für Me­di­en­recht an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund.

W em ge­hö­ren Face­books Da­ten? Face­book denkt man, klar. Doch so ein­fach ist es nicht: Wer sich bei die­sem so­zia­len Netz­werk an­mel­det, schließt als Ein­zel­ner ei­nen Ver­trag mit dem In­ter­net-rie­sen. Das Ge­schäft lau­tet: Da­ten­lie­fe­rung ge­gen Netz­werk­nut­zung. Es leuch­tet ein, dass da­bei je­der nur sei­ne ei­ge­nen Da­ten ver­kau­fen kann.

Der sprin­gen­de Punkt ist aber: Face­book ist als so­zia­les Netz­werk mehr als die Sum­me sei­ner ein­zel­nen Nut­zer. Es fal­len mehr Da­ten an, als al­le Nut­zer zu­sam­men­ge­nom­men ver­trag­lich zu­si­chern kön­nen. Schließ­lich hin­ter­las­sen je­der Kommentar, je­des Li­ken nicht nur in­di­vi­du­el­le, son­dern auch kol­lek­ti­ve Da­ten­spu­ren. Bei­spiels­wei­se tau­schen sich Nut­zer über Face­book aus, was an­ge­sag­te Rei­se­zie­le sind. Stau­ge­fahr könn­te dro­hen, be­stimm­te Rei­se­war­nun­gen könn­ten sinn­voll sein. Oder es wird über den Ge­sund­heits­zu­stand be­rich­tet. Aus die­sen Da­ten las­sen sich me­di­zi­nisch wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen wie et­wa be­vor­ste­hen­de Grip­pe­wel­len ab­lei­ten.

Die­se Kol­lek­tiv­da­ten er­ge­ben wert­vol­les Wis­sen. Sie ge­hö­ren we­der ei­nem ein­zel­nen Nut­zer noch soll­ten sie Face­book ex­klu­siv ge­hö­ren. Viel­mehr han­delt es sich um ei­ne all­ge­mei­ne Res­sour­ce. Denn Kol­lek­tiv­da­ten kön­nen der Ge­sell­schaft hel­fen, sich bes­ser zu ver­ste­hen. Des­we­gen ist es an­ge­bracht, dass sie zu­min­dest Wis­sen­schaft und auch (Da­ten-)jour­na­lis­mus als an­ony­mi­sier­te Roh­da­ten ver­wen­den kön­nen. Das soll­te der Ge­setz­ge­ber ge­währ­leis­ten. Es wä­re ein gu­ter Schritt in Rich­tung der All­ge­mein­heit die­nen­den Big-da­ta-nut­zung.

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