Der Druck auf Mer­kel wächst

In der Flücht­lings­po­li­tik ver­bün­den sich See­ho­fer und Kurz – Uni­on will in­ter­ne Kampf­ab­stim­mung zu Mi­gra­ti­on

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON RUPPERT MAY­ER

BER­LIN. Ös­ter­reichs Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz und Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) su­chen in der EU ei­ne „Ach­se der Wil­li­gen“, die ih­re Flücht­lings­po­li­tik un­ter­stützt. Da­mit set­zen sie Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) wei­ter un­ter mas­si­ven Druck im Streit um See­ho­fers Mas­ter­plan für die künf­ti­ge deut­sche Asyl­po­li­tik. Der CSU-CHEF will Flücht­lin­ge, die schon in an­de­ren Eu-län­dern per Fin­ger­ab­druck re­gis­triert sind, di­rekt an der Gren­ze zu­rück­wei­sen kön­nen, und setzt da­mit auf ei­ne eher na­tio­na­le Lö­sung. Mer­kel be­harrt auf ei­ner eu­ro­päi­schen Lö­sung.

Kurz be­kräf­tig­te am Mitt­woch in Ber­lin, wäh­rend der am 1. Ju­li be­gin­nen­den ös­ter­rei­chi­schen Rats­prä­si­dent­schaft da­für sor­gen zu wol­len, dass die Eu-au­ßen­gren­zen im Kampf ge­gen il­le­ga­le Mi­gra­ti­on bes­ser ge­schützt wer­den. Da­zu set­ze er auf ei­ne „Ach­se der Wil­li­gen“, mach­te Kurz deut­lich und nann­te Rom, Wi­en und Ber­lin. Im deut­schen In­nen­mi­nis­ter se­he er ei­nen wich­ti­gen Part­ner.

Mer­kel, die am Vor­tag mit Kurz zu­sam­men­ge­trof­fen war, re­agier­te zu­rück­hal­tend auf die­se For­de­rung ih­res ös­ter­rei­chi­schen Amts­kol­le­gen. Sie be­kräf­tig­te, dass sie ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Lö­sung in der Flücht­lings­po­li­tik an­stre­be. Es ge­be Län­der wie Ita­li­en, Grie­chen­land oder Spa­ni­en, die be­son­ders von der An­kunft von Flücht­lin­gen be­trof­fen sei­en. Da­her müs­se es meh­re­re Ko­ope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten ge­ben.

See­ho­fer wies bei dem Tref­fen mit Kurz dar­auf­hin, dass sich die In­nen­mi­nis­ter von Ita­li­en, Ös­ter­reich und Deutsch­land be­reits dar­auf ver­stän­digt hät­ten, in­ten­si­ver im Kampf ge­gen il­le­ga­le Mi­gra­ti­on zu­sam­men­ar­bei­ten zu wol­len.

An­ders als See­ho­fer mach­te Mer­kel ih­re Skep­sis deut­lich, dass der uni­ons­in­ter­ne Streit über den Mas­ter­plan schon die­se Wo­che be­rei­nigt wer­den könn­te. Um das The­ma für den Eu-gip­fel am 28. und 29. Ju­ni vor­zu­be­rei­ten, trifft Mer­kel am kom­men­den Mon­tag den neu­en ita­lie­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Gi­u­sep­pe Con­te. Am Di­ens­tag kommt sie dann bei den deutsch­fran­zö­si­schen Kon­sul­ta­tio­nen mit Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron zu­sam­men. Der hat­te vor Mo­na­ten sei­ne Re­form­vor­schlä­ge für die EU vor­ge­legt.

See­ho­fer und Kurz wie­sen bei ih­rem Tref­fen dar­auf hin, dass in­zwi­schen über Al­ba­ni­en ei­ne Al­ter­na­tiv­rou­te für Flücht­lin­ge nach Nord­eu­ro­pa füh­re. Kurz sag­te da­zu, es gel­te hier – an­ders als 2015 – früh­zei­tig zu re­agie­ren.

An der baye­risch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze gibt es laut Bun­des­po­li­zei be­reits Zu­rück­wei­sun­gen in er­heb­li­chem Um­fang. Der Spre­cher der Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Mün­chen, Mat­thi­as Knott, sag­te, bis Mai die­ses Jah­res ha­be die Bun­des­po­li­zei rund 4600 Men­schen kon­trol­liert, die kei­ne Be­rech­ti­gung zur Ein­rei­se hat­ten. Da­von sei­en fast 2450 Per­so­nen zu­rück­ge­wie­sen wor­den, das sei­en rund 53 Pro­zent.

Der Streit über­schat­te­te auch den In­te­gra­ti­ons­gip­fel im Kanz­ler­amt am Mitt­woch. See­ho­fer be­grün­de­te sei­ne Ab­sa­ge da­mit, dass er sich über ei­nen Ar­ti­kel der Jour­na­lis­tin Fer­da Ata­man ge­är­gert ha­be, der ihn in die Nä­he na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­dan­ken­guts ge­bracht ha­be. Ata­man nahm an der Gip­fel-pres­se­kon­fe­renz teil.

Aus der Uni­ons­frak­ti­on kommt die For­de­rung, den Streit über die Mi­gra­ti­on mit ei­ner in­ter­nen Kampf­ab­stim­mung zu klä­ren. „Bei der ent­schei­den­den Fra­ge, ob wir an der deut­schen Gren­ze ein­zel­ne Per­so­nen­grup­pen zu­rück­wei­sen, wird es kei­nen Kom­pro­miss ge­ben kön­nen“, hieß es.

Fo­to: dpa

Ei­ner Mei­nung beim The­ma Flucht: Horst See­ho­fer (l.) und Se­bas­ti­an Kurz.

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