Vor­rä­te an Blut­kon­ser­ven schrump­fen

In Sach­sen we­ni­ger Spen­der durch Hit­ze und Un­wet­ter

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON SIMONA BLOCK UND JÖRG SCHURIG

DRES­DEN. An­hal­ten­de Hit­ze und lo­ka­le Un­wet­ter las­sen den Vor­rat an Blut­prä­pa­ra­ten in Sach­sen deut­lich schrump­fen. „Die Spen­den ge­hen zu­rück, weil auch Ge­sun­de bei der Hit­ze Kreis­lauf­pro­ble­me ha­ben kön­nen oder Ter­mi­ne aus­fal­len“, sag­te Kers­tin Schwei­ger vom Blut­spen­de­dienst Nord-ost des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes (DRK) aus An­lass des heu­ti­gen Welt­blut­spen­der­ta­ges. Mo­men­tan hiel­ten sich Be­darf und Spen­den noch die Waage. „Die Si­tua­ti­on ist an­ge­spannt, wir schau­en von Tag zu Tag.“

Laut Schwei­ger wird es ge­ne­rell im­mer schwie­ri­ger, die Ver­sor­gung zu si­chern. „We­gen der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung schei­den der­zeit pro Jahr bun­des­weit et­wa 100000 Blut­spen­der al­ters­be­dingt aus.“Und das wer­de sich noch ver­schär­fen. Vie­le der Stamm­spen­der müss­ten schon frü­her auf­hö­ren – we­gen all­ge­mei­ner ge­sund­heit­li­cher Pro­ble­me. Im Ge­gen­zug ge­be es nicht so vie­le Men­schen ab 18 Jah­ren, die die Lü­cke fül­len könn­ten – und woll­ten. Bis 30 sei­en sie erst­mal mit Kar­rie­re und Fa­mi­li­en­grün­dung be­fasst.

„Je­der Blut­spen­der ist ein mög­li­cher Le­bens­ret­ter. Wir al­len kön­nen durch ei­nen Un­fall oder ei­ne Er­kran­kung in die Si­tua­ti­on kom­men, in der wir auf das Blut frem­der Men­schen an­ge­wie­sen sind“, er­klär­te die säch­si­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Klepsch (CDU). Auch wei­ter­hin wür­den drin­gend Spen­de­rin­nen und Spen­der be­nö­tigt, um Le­ben zu ret­ten und die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung zu si­chern: „Wer Blut spen­det, gibt Le­ben wei­ter. Wer Blut spen­det, schenkt Zeit und schenkt an­de­ren Men­schen Auf­merk­sam­keit.“

In Deutsch­land dür­fen Er­wach­se­ne oh­ne ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me vom 18. bis zum 73. Ge­burts­tag spen­den – Frau­en vier­mal und Män­ner bis zu sechs­mal pro Jahr. Kon­ser­ven sind 35 bis 42 Ta­ge ein­setz­bar, die aus den Blut­spen­den ge­won­ne­nen Prä­pa­ra­te nur fünf Ta­ge. „Blut ist nicht künst­lich her­stell­bar und auf­be­rei­te­tes Spen­der­blut nur kurz halt­bar“, er­klär­te Schwei­ger. Pro Jahr wer­den laut Drk-blut­spen­de­dienst im Frei­staat 170000 Voll­blut­spen­den ent­nom­men. Ana­log zur Si­tua­ti­on bun­des­weit ge­ben im Frei­staat drei Pro­zent der Be­völ­ke­rung et­was von ih­rem Le­bens­saft ab. Da­mit ist das Po­ten­zi­al zu ei­nem Zehn­tel aus­ge­schöpft. „Spen­den­taug­lich sind fast 33 Pro­zent“, be­rich­te­te Schwei­ger.

Wenn, dann hel­fe ei­ne Spen­de jetzt. Laut Schwei­ger kann ein Loch in der Ver­sor­gung spä­ter nicht mehr auf­ge­holt wer­den, auch we­gen der Fuß­ball-welt­meis­ter­schaft. Bei der Blut­spen­der-ge­win­nung ha­ben die Ak­teu­re vor al­lem die Men­schen zwi­schen 30 und 50 Jah­ren im Blick, die bis­her nicht spen­den. In den ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­gen der 1960er und 1970er sei sehr viel Po­ten­zi­al, auch weil die­se noch zehn bis 30 Jah­re ak­tiv sein könn­ten. „Und Erst­spen­der kann man bis zum 65. Le­bens­jahr wer­den.“

Der Welt­blut­spen­der­tag wur­de 2004 von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO und der In­ter­na­tio­na­len Fö­de­ra­ti­on der Ro­tk­reuz- und Rothalb­mond­ge­sell­schaf­ten ins Le­ben ge­ru­fen. Er macht je­des Jahr am 14. Ju­ni auf die Be­deu­tung der Blut­spen­de und das da­mit ver­bun­de­ne so­zia­le En­ga­ge­ment von Spen­dern welt­weit auf­merk­sam.

Fo­to: dpa

Drin­gend Blut­spen­der ge­sucht – die Vor­rä­te wer­den auch in Sach­sen knapp.

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