Ver­kehrs­cha­os zum Fe­ri­en­be­ginn? ADAC will neue Lkw­über­hol­ver­bo­te

Na­del­öhr Au­to­bahn 14 soll durch­läs­si­ger wer­den / Mi­nis­te­ri­um lehnt wei­te­re Ein­schrän­kun­gen ab

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON RO­LAND HE­ROLD

LEIP­ZIG. Erst En­de Mai hat der Frei­staat Sach­sen die Über­hol­ver­bo­te für LKW auf den drei Au­to­bah­nen 4, 14 und 72 aus­ge­dehnt. Nun stellt sich her­aus: Ent­las­tet hat das die Ver­kehrs­we­ge bis­her kaum, die Ele­fan­ten­ren­nen fin­den wei­ter­hin statt und ge­fähr­den oft den nach­fol­gen­den Ver­kehr. Wo­mög­lich auch, weil vie­le der Über­hol­ver­bo­te zeit­lich eng be­fris­tet sind und ih­re Ein­hal­tung kaum kon­trol­liert wird. Der ADAC Sach­sen legt des­halb rund zwei Wo­chen vor den Schul­fe­ri­en nach und for­dert wei­te­re Maß­nah­men. Vor­stand Hel­mut Büsch­ke kri­ti­siert: „Die aus­ge­spro­che­nen Über­hol­ver­bo­te sind nicht aus­rei­chend.“

Be­son­ders im Vi­sier steht da­bei die Au­to­bahn 14. Dort will der Au­to­mo­bil­club werk­tags zwi­schen 6 und 19 Uhr ein Über­hol­ver­bot für LKW vom Drei­eck Part­hen­aue bis zur Mul­de­brü­cke bei Grim­ma – und zwar in bei­den Rich­tun­gen. Das bis­her be­ste­hen­de ein­sei­ti­ge zwi­schen Leip­zi­gOst und Mutz­schen ist der­zeit näm­lich nur werk­tags zwi­schen 15 und 19 Uhr in Kraft. Au­ßer­dem soll auf dem Ab­schnitt zwi­schen der An­schluss­stel­le Dö­beln-ost und dem Au­to­bahn­drei­eck Nos­sen in bei­den Rich­tun­gen kein Über­ho­len durch LKW mehr mög­lich sein.

„In an­de­ren Bun­des­län­dern geht man mit Ein­schrän­kun­gen für LKW viel groß­zü­gi­ger um, mit­un­ter gibt es dort so­gar 24-St­un­den-über­hol­ver­bo­te.“Da­bei ist sich Büsch­ke im Kla­ren, dass nach je­dem Lkw-über­hol­ver­bots­ab­schnitt auch wie­der ei­ne be­stimm­te Au­to­bahn­stre­cke zum Über­ho­len frei­ge­ge­ben wer­den muss. Dies kön­ne im Fall der Au­to­bahn14 bei­spiels­wei­se nach der Mul­den­brü­cke bis Dö­beln­nennt Nord ge­sche­hen, schlägt er vor. „Den­noch sind wir grund­sätz­lich da­für, grö­ße­re Stre­cken mit ei­nem Lkw-ver­bot zu be­le­gen, um den Ver­kehrs­fluss ins­ge­samt zu be­ru­hi­gen.“Und um die Um­welt zu ent­las­ten, die durch Lkw-fah­rer, die das Letz­te aus ih­ren Fahr­zeu­gen her­aus­ho­len, in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wird. Der Lo­gis­ti­ker DHL bei­spiels­wei­se sei in die­ser Fra­ge po­si­ti­ver Vor­rei­ter, weil die Höchst­ge­schwin­dig­keit der ge­sam­ten Fahr­zeug­flot­te auf 85 Ki­lo­me­ter pro St­un­de ab­ge­re­gelt wur­de.

Kri­tik vom ADAC gibt es auch am Ver­kehrs­ser­vice. Die drei Dau­er­bau­stel­len auf A 4 und A 72 wür­den dort zwar auf­ge­nom­men, bei­spiels­wei­se auch in die Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­te. Die rund 30 Ta­ges­bau­stel­len spiel­ten je­doch kei­ne Rol­le. „Dort staut sich aber der Ver­kehr im Nu auf meh­re­re Ki­lo­me­ter, weil in der Re­gel ei­ne Fahr­spur ge­sperrt wird“, mo­niert der Club. Büsch­ke schlägt dar­über hin­aus vor, die Län­ge von Bau­stel­len dras­tisch zu kür­zen. Mit­un­ter sei­en die Ab­schnit­te jetzt acht bis zehn Ki­lo­me­ter lang, wäh­rend die An­schluss­stel­len meist in Ab­stän­den um fünf Ki­lo­me­ter lä­gen. „Kann man das über­haupt be­wirt­schaf­ten?“, fragt der Adac-vor­stand. Das lang­sa­me Fah­ren in en­gen Spu­ren er­mü­de dann und füh­re zu Un­fäl­len, die den Stau dann wei­ter ver­stärk­ten.

Ins­ge­samt ge­be es zu vie­le Ver­kehrs­ein­schrän­kun­gen, de­ren Grund für die Au­to­fah­rer nicht ein­sich­tig sei. Als Bei­spiel Büsch­ke den Ab­schnitt vor dem Au­to­bahn­kreuz Part­hen­aue, auf dem plötz­lich Tem­po 80 gilt und den drei­spu­ri­gen A4-ab­schnitt bei Wils­druff, auf dem nur 120 ge­fah­ren wer­den darf. In Be­zug auf feh­len­de Lkw-park­plät­ze auf Au­to­bah­nen will der Au­to­mo­bil­club ei­ne Tele­ma­tik-an­zei­ge, die Brum­mi­fah­rer bei­spiels­wei­se am „Dresd­ner Tor“auf der A 4 früh­zei­tig in­for­miert, dass der vor­han­de­ne Platz be­setzt ist und nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve – zum Bei­spiel auf dem Park­platz „Am Nöth­nitz­grund“auf der A17 – ge­sucht wer­den muss.

Aus dem Dresd­ner Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um hieß es ges­tern, wei­te­re Lkw-über­hol­ver­bo­te sei­en der­zeit nicht ge­plant. Man wer­de das Ver­kehrs­ge­sche­hen je­doch in­ten­siv über­wa­chen. Gleich­zei­tig lehn­te das Haus von Ver­kehrs­mi­nis­ter Mar­tin Du­lig (SPD) „durch­gän­gi­ge Über­hol­ver­bo­te über wei­te Stre­cken­ab­schnit­te“für LKW ab. „Es wür­den lan­ge Pulks ent­ste­hen, die nach der Auf­he­bung des Über­hol­ver­bo­tes viel Zeit zum Auf­lö­sen be­nö­ti­gen. Da­mit ver­la­gert sich das Pro­blem nur“, warn­te das Mi­nis­te­ri­um. Schwer be­la­de­ne LKW, die re­la­tiv lang­sam fah­ren und dann nicht über­holt wer­den könn­ten, kä­men hin­zu.

Auch ei­ne Auf­nah­me der Ta­ges­bau­stel­len in das Tmc-sys­tem (Traf­fic Mes­sa­ge Chan­nel) hält man in Dres­den nicht für sinn­voll. Dort wer­den Ver­kehrs­be­ein­träch­ti­gun­gen in di­gi­ta­ler Form ge­sen­det. „Bei den meis­ten Ar­bei­ten han­delt es sich nicht um ,ste­hen­de’ Ta­ges­bau­stel­len, son­dern wan­dern­de. Ih­re Mel­dung über das TMCSys­tem wä­re schlicht­weg im­mer un­ak­tu­ell.“Echt­zeit-ver­kehrs­stär­ken, wie sie von Sys­te­men von Goog­le oder Tom­tom ge­mel­det wer­den, sei­en wahr­schein­lich der sinn­vol­le­re Weg.

Über­hol­ver­bo­te auf Sach­sens Au­to­bah­nen

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