MINISERIE

„Th­ree Girls“auf Ar­te

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON MAT­THI­AS HALBIG

Der Hit: „Lost in Space“

Der ge­beu­tel­te al­te Glo­bus schlurft sei­ne letz­ten Run­den als le­bens­tra­gen­der Pla­net, ei­ne neue aus­beut­ba­re Him­mels­mur­mel muss her. In der Um­lauf­bahn der Nach­bar­son­ne Al­pha Cen­tau­ri hat die Mensch­heit ei­ne be­wohn­ba­re Er­sat­z­er­de ent­deckt. Auf dem Weg dort­hin ge­rät die Pio­nier­fa­mi­lie Ro­bin­son nach ei­nem au­ßer­ir­di­schen Ka­per­ver­such vom Kurs ab – Bruch­lan­dung in ei­ner un­be­kann­ten Ga­la­xis. Atem­ba­re At­mo­sphä­re, „ein Sech­ser im Lotto“, weiß Ma­ma Mau­re­en. Eher ein Vie­rer oh­ne Zu­satz­zahl, denn so­fort geht es hier ums Über­le­ben.

„Lost in Space“(2018) ist das Net­fli­xup­date der Us-kult­se­rie aus den Sech­zi­ger­jah­ren. Die Pro­duk­ti­ons­stan­dards sind hoch, die Trick­tech­nik ist über­zeu­gend. Die neu­en Ro­bin­sons sind kei­ne kreuz­bra­ve „Drei Mäd­chen und drei Jun­gen im All“-sipp­schaft wie die Ori­gi­na­le, son­dern ei­ne mo­der­ne, dys­funk­tio­na­le Fa­mi­lie, bei der sich die El­tern (To­by Ste­phens, der cha­ris­ma­ti­sche Käpt’n Fl­int aus der Pi­ra­ten­sa­ga „Black Sails“, und Molly Par­ker aus der Wes­tern­se­rie „De­ad­wood“) nur der Kin­der zu­lie­be noch ein­mal zu­sam­men­ge­rauft ha­ben. Als da wä­ren: zwei Te­e­nietöch­ter, de­ren Lieb­lich­keit Gren­zen hat (Tay­lor Rus­sell, Mi­na Sund­wall), und der sich ab­ge­hängt füh­len­de Ju­ni­or Will Ro­bin­son (Max­well Jenk­ins), der ei­ne an­rüh­ren­de Freund­schaft mit ei­nem eben­falls ge­stran­de­ten, sei­nes „Ge­dächt­nis­ses“be­raub­ten Ali­en-ro­bo­ter schließt.

Der Klas­si­ker: „In­va­si­on von der We­ga“

Schon nach der ers­ten Fol­ge von „In­va­si­on von der We­ga“(1967/68) über den Ar­chi­tek­ten Da­vid Vin­cent (Roy Thin­nes), der nachts auf der Heim­fahrt ein Ufo lan­den sieht, war man Fan der Se­rie. Vin­cent hat­te sei­ne un­heim­li­che Be­geg­nung der drit­ten Art „auf ei­ner ein­sa­men Land­stra­ße … an ei­nem al­ten, ver­fal­le­nen Gast­haus“(der deut­sche O-ton klang eher nach „Spuk­schloss im Spes­sart“). Qua­si im Al­lein­gang muss­te er ge­gen die Wel­te­r­obe­rer aus dem All an­tre­ten, weil ihm kein Mensch glaub­te.

Was uns Vin­cents Schick­sal lehr­te? Dass man über die In­va­sio­nen von Ali­ens bes­ser schweigt – we­gen der Klaps­müh­le. Mit 46 Pro­zent (ein rich­ti­ger Stra­ßen­fe­ger) quo­te­te die­se Mut­ter des Un­ter­tas­sen-fern­se­hens im April 1970 im ZDF. Trotz­dem wur­den nur 20 von 43 Fol­gen syn­chro­ni­siert, die DVD-BOX er­schien erst 2014.

Der be­son­de­re Tipp: „Fi­re­fly“

Die Kri­ti­ker wa­ren froh, die Sci­en­ceFic­tion-fans eben­so, der Sen­der aber schlug die Se­rie „Fi­re­fly“an­no 2002 mit der Quo­ten­klat­sche tot, nach­dem erst elf der 14 Epi­so­den aus­ge­strahlt wa­ren. Das Welt­rau­ma­ben­teu­er er­zählt von Re­bel­len, die 500 Jah­re von heu­te in ei­ner von Men­schen be­sie­del­ten Ga­la­xis den Kampf ge­gen ei­ne Dik­ta­tur auf­neh­men. Ei­ne alt­mo­di­sche Pla­ne­ten­fe­te im Wild­west-look. Die Raum­fah­rer ha­ben Pis­to­len­gur­te und Ho­sen­trä­ger, bli­cken Cl­int-east­wood-li­ke in die Ster­nen­u­n­end­lich­keit und rei­ten in Raum­schif­fen durchs All, die von Pfer­den ab­stam­men könn­ten.

Klingt nach „sel­ten so ge­wie­hert“. Aber schnell ist man auf Sei­ten der Astro­cow­boys und -girls, die mit der minz­fri­schen Cool­ness des ers­ten „Krieg der Ster­ne“-per­so­nals auf den Plan tre­ten. Nimmt mit Ver­gnü­gen auch ih­re mit kant­stah­li­gen In­nen­räu­men be­stück­ten Ster­nen­flit­zer ernst, in de­ren Ni­schen schon mal ver­traut öde Kü­chen­zei­len mit chrom­far­be­nen Kaf­fee­ma­schi­nen ein­ge­baut schei­nen. Da denkt man an die „Ori­on“, den deut­schen Fern­seh­raum­kreu­zer, der noch mit Bü­gelei­sen durchs All ge­wuppt wur­de.

Auf DVD gibt es al­le Fol­gen samt Bo­nus­ma­te­ri­al. Wenn man Cap­tain Mal (Nat­han Fil­li­on) und sei­ne Hel­den­schar auf ih­rem klapp­ri­gen Ster­nen­ve­hi­kel rich­tig ins Herz ge­schlos­sen hat, darf man gleich noch den Ki­no­film „Se­re­ni­ty“nach­schie­ben, ei­ne atem­be­rau­ben­de Abrun­dung der Se­rie. Seit­her hof­fen die Fans, dass die „Fi­re­fly“wei­ter­fliegt ... ir­gend­wann in mög­lichst na­her Zu­kunft. „Yee-haw!!“

Fo­tos: Ver­leih

Sci­ence-fic­tion-hel­den: Sze­ne aus „Lost in Space“(l.), Roy Thin­nes in „In­va­si­on von der We­ga“(M.) und Nat­han Fil­li­on in „Fi­re­fly“(r.).

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