Dop­pel­tes Spiel

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - AUSGEPRESST VON JA­NI­NA FLEI­SCHER

H eu­te geht es end­lich los, be­ginnt „der Kult ei­ner ir­ra­tio­na­len Ver­aus­ga­bung“, wie die „Neue Zürcher Zei­tung“das „fas­zi­nie­ren­de Spiel“nennt. Denn heu­te öff­net die Art Ba­sel ih­re Tü­ren. Die NZZ re­kur­riert auf Ge­or­ges Ba­tail­le, der in den 30ern über Ri­tua­le schrieb, die al­lein dem Zweck dien­ten, die Fä­hig­keit zur un­pro­duk­ti­ven Ver­schwen­dung als Selbst­in­sze­nie­rung zur Schau zu stel­len. Weil man es kann.

Die Idee, ei­ne Kunst­mes­se in Ba­sel zu ver­an­stal­ten, ge­hört zu den Ide­en, die in die­sem Jahr 50 wer­den. 90 Ga­le­ris­ten nah­men zwei Jah­re spä­ter teil, über 250 sind es nun. 50 ist auch Marc Spieg­ler, Di­rek­tor die­ser Welt­mes­se für mo­der­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst. „Wir ha­ben wie­der vie­le po­li­ti­sche State­ments auf der Mes­se ver­tre­ten“, sagt er. Denn Ver­aus­ga­bung wirkt ge­pfleg­ter im Schein der Ver­ant­wor­tung. Die Kunst­welt be­fin­de sich im Wan­del, sagt Spieg­ler der Deut­schen Pres­se-agen­tur, denn et­wa 30 Pro­zent der Ga­le­ri­en auf der Mes­se sei­en im Be­sitz von Frau­en. Das mag et­was über ei­nen Wan­del aus­sa­gen – noch mehr aber sagt aus, dass drei der pro­mi­nen­tes­ten aus­stel­len­den Künst­ler bei dpa un­ter dem Be­griff „Markt­stars“Platz fin­den. Stars des Mark­tes – be­kannt auch als Mehr und Wert.

Wenn all die gro­ßen Kunst­mes­sen und Bi­en­na­len Jahr für Jahr mehr und in­zwi­schen so viel Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen wie ein nicht ge­pfif­fe­nes Ab­seits, dann geht es al­so dar­um, dass Men­schen, die et­was mit Kunst ma­chen, be­ob­ach­ten, was Kunst mit Men­schen macht, die et­was mit Geld ma­chen, das eben­falls et­was mit Men­schen macht, die et­was mit Kunst ma­chen. Im Grun­de wol­len al­le nur spie­len.

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