Meis­te­rin der Ent­zau­be­rung

Li­sa Kreiß­lers neu­er Ro­man „Das ver­ges­se­ne Fest“

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON RO­NALD MEY­ER-ARLT

Im Wald ist al­les mög­lich. Sha­ke­speare schickt in sei­nem „Som­mer­nachts­traum“vier Ver­lieb­te in den Athe­ner Wald, wo sie ver­zau­bert wer­den und ihr Be­geh­ren ganz un­er­war­te­te Rich­tun­gen ein­schlägt. Auch bei Li­sa Kreiß­ler ir­ren die Haupt­per­so­nen durch ei­nen Wald. Sie träu­men, sie se­hen Din­ge, die nicht da sind, und sie er­in­nern sich an ver­gan­ge­ne Zei­ten. Nur ihr Be­geh­ren ist eher schwach aus­ge­prägt. Wich­ti­ger ist die Er­in­ne­rung. Und die At­mo­sphä­re.

In „Das ver­ges­se­ne Fest“er­zählt die in Nie­der­sach­sen le­ben­de Schrift­stel­le­rin, de­ren De­büt­ro­man „Blitz­bir­ke“2014 er­schie­nen ist, von Arif, Ron­da und Ni­na, al­ten Freun­den, die sich nach der Stu­di­en­zeit ein biss­chen aus den Au­gen ver­lo­ren ha­ben. Zu ei­ner Hoch­zeits­fei­er kom­men sie wie­der zu­sam­men, die Hoch­zeit platzt, weil die Braut kei­ne Lust mehr hat auf den ober­fläch­li­chen Bräu­ti­gam; die drei Freun­de ver­schwin­den in den Wald. Char­lie, das Ba­by der al­lein­er­zie­hen­den Ron­da, kommt mit.

Bis zur Flucht in den Wald wirkt „Das ver­ges­se­ne Fest“wie ein halb­wegs rea­lis­ti­scher Vor­stadt­ro­man über schwin­den­de Le­ben­sträu­me und die Bit­ter­keit des Äl­ter­wer­dens. Doch dann ge­winnt das Traum­ge­sche­hen. Und wie das so ist mit Träu­men: Sie sind meist un­zu­sam­men­hän­gend und sie wer­den schnell lang­wei­lig, wenn an­de­re von ih­nen er­zäh­len.

Li­sa Kreiß­ler, Ab­sol­ven­tin des Deut­schen Li­te­ra­tur­in­sti­tut Leip­zig, schafft wun­der­ba­re Mi­nia­tu­ren aus dem Le­ben jun­ger Er­wach­se­ner. Groß­ar­tig sind ih­re Be­schrei­bun­gen des Ver­las­sen­wer­dens. Hier zeigt sie sich als ei­ne Meis­te­rin der Ent­täu­schungs­pro­sa. Und im­mer wenn sie von Ent­zau­be­rung er­zählt, ist sie viel bes­ser, als wenn sie die Le­ser selbst ver­zau­bern will. Li­sa Kreiß­ler:

Das ver­ges­se­ne Fest. Han­ser Ber­lin;

192 Sei­ten,

20 Eu­ro

Li­sa Kreiß­ler

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