„Al­ter schützt vor Lie­be nicht“

Hol­ly­wood-star Ja­ne Fon­da über ihr Sing­le-da­sein, das Äl­ter­wer­den und den Tod

Leipziger Volkszeitung - - AUS ALLER WELT - In­ter­view: Dierk Sin­der­mann

Frau Fon­da, Sie sind mitt­ler­wei­le 80 Jah­re alt, stan­den ge­ra­de für den Film „Book Club“vor der Ka­me­ra und ma­chen sich po­li­tisch für die Um­welt stark. Hält so viel En­ga­ge­ment jung?

Das sieht man wohl doch, oder?

Ist 80 al­so das neue 40?

Ich woll­te nicht noch ein­mal in den 40ern sein. Ich ha­be sie ge­hasst. Man kommt in die Wech­sel­jah­re und es geht ei­nem dre­ckig. Wir soll­ten zu un­se­rem Al­ter ste­hen und si­cher ge­hen, dass wir gut es­sen und uns be­we­gen, um ge­sund zu blei­ben und län­ger zu le­ben.

Sie sind be­ken­nen­der Sing­le. Wie­so hat kei­ne Ih­rer Part­ner­schaf­ten bei Ih­nen ge­hal­ten?

Ich glau­be es hat da­mit zu tun, wie man auf­wächst. Ich hat­te im­mer Angst da­vor, zu tief in ei­ner Be­zie­hung zu ste­cken, weil ich nicht ver­letzt wer­den woll­te. Und dann ist es trotz­dem im­mer wie­der pas­siert. Ich bin ja drei­fach ge­schie­den.

Füh­len Sie sich manch­mal ein­sam?

Gar nicht. Ich ha­be sehr gu­te Freun­de, mit de­nen ich mich re­gel­mä­ßig tref­fe. Für mich gab es nie Wich­ti­ge­res als tie­fe Freund­schaf­ten. Men­schen, die ei­nem na­he ste­hen und mit de­nen man sich aus­tau­schen und vor al­lem la­chen kann.

Sie wir­ken wie ei­ne Frau, die ab­so­lut furcht­los ist. Oder gibt es et­was, wo­vor Sie Angst ha­ben?

Dass mich Leu­te oh­ne Ma­ke-up se­hen und mich nicht mehr lei­den könn­ten (lacht).

Ha­ben Sie Angst vor dem Tod?

Ich weiß, dass ich höchs­tens noch zwei Jahr­zehn­te ha­be. Der Tod ist ein Teil des Le­bens und macht Sinn für mich. Wenn wir nicht ster­ben wür­den, wä­re al­les was wir tun sinn­los. Licht hat oh­ne Dun­kel­heit kei­ne Be­deu­tung. Des­halb ist es wich­tig, den Tod nicht zu ver­drän­gen und sich dar­auf vor­zu­be­rei­ten.

Wie­kann­man­das?

Man muss si­cher­ge­hen, dass man zum En­de des Le­bens nicht zu vie­le Din­ge be­reut. Und dass man viel Lie­be um sich her­um hat. Aber am wich­tigs­ten für mich ist, dass ich bis zu­letzt das Le­ben ge­nie­ße, gu­te Ener­gie ha­be und nie auf­hö­re zu ler­nen.

Sie ha­ben ei­ne lan­ge Zeit in Frank­reich ver­bracht. Be­kommt man da ei­ne an­de­re Sicht­wei­se, was Ame­ri­ka an­be­trifft?

Auf je­den Fall. In Frank­reich ha­be ich es erst wirk­lich ver­stan­den, was es heißt, ei­ne Ame­ri­ka­ne­rin zu sein. Ich ha­be rea­li­siert, wie jung wir als Land sind. Eu­ro­pa mit sei­ner ur­al­ten Kul­tur ist in vie­len Din­ge rei­fer. Apro­pos rei­fer, es war wun­der­voll zu se­hen, dass man dort auch äl­te­re Frau­en liebt. Ich ha­be in Frank­reich ge­lernt, was es heißt, ei­ne Frau zu sein. Und viel über die Lie­be.

Was zum Bei­spiel?

Dass Al­ter nicht vor Lie­be schützt. Und dass wir äl­te­ren Frau­en viel zu dem The­ma zu sa­gen ha­ben. Ich ha­be ja so­gar ein Buch dar­über ge­schrie­ben – über das Äl­ter­wer­den und Sex im Al­ter. Ich ha­be Paa­re, die in den 90ern und teil­wei­se äl­ter als 100 wa­ren, da­zu in­ter­viewt. Auch jun­ge Leu­te soll­ten wis­sen, was spä­ter pas­siert. Es ist für vie­le im­mer noch ein Ta­bu­the­ma.

Fo­to: dpa

„Ich ha­be Angst, dass mich Leu­te oh­ne Ma­ke-up se­hen“: Schau­spie­le­rin Ja­ne Fon­da (80) ist bis auf ihr Äu­ße­res eher un­er­schüt­ter­lich.

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