Groß­rech­ner im Kel­ler

In­for­m2­tik­stu­dent Se­b2s­ti2n Wind küm­mert sich um M2in­fr2me-com­pu­ter 2n der Uni und zu H2u­se

Leipziger Volkszeitung - - CAMPUSLEBEN - VON MA­RIO BECK

Wind kennt sich mit Groß­rech­nern, den so­ge­nann­ten Main­frames, aus – er hat so­gar ei­nen zu Hau­se. Im Kel­ler des 27-Jäh­ri­gen, der an der Leip­zi­ger Uni In­for­ma­tik stu­diert, ist das Schwer­ge­wicht in­stal­liert. Zwei Ton­nen wiegt die zwei Me­ter ho­he Bit-ma­schi­ne. Zwar hat sie schon ei­ni­ge Jah­re auf dem Bu­ckel, leis­tet aber noch gu­te Di­ens­te. Wind nutzt die Hard­ware fürs Trai­ning und hat auch mit ih­rer Hil­fe jüngst beim „Mas­ter­main­frame Con­test“des It-kon­zerns IBM ge­won­nen. Die vor­ge­ge­be­ne Auf­ga­ben­stel­lung bei dem in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb über­trug er flugs auf sei­nen Groß­rech­ner der Mar­ke z9 En­ter­pri­se-class, der den Spitz­na­men „Je­di“trägt. Star Wars lässt grü­ßen. Mit ei­nem rund zehn­mi­nü­ti­gen Vi­deo auf Youtu­be stell­te Wind sein Com­pu­ter-equip­ment im Kel­ler und sei­ne krea­ti­ve Pro­blem­lö­sung der Ju­ry vor, die ihn da­für zu ei­nem der drei Haupt­ge­win­ner kür­te.

Mit „Je­di“ver­bin­det den Stu­den­ten, der ge­ra­de sei­ne Mas­ter­ar­beit schreibt, ei­ne in­ni­ge Be­zie­hung. Als Schen­kung von IBM war der z9 zum 600. Uni-ge­burts­tag 2009 an die Al­ma ma­ter ge­kom­men, die als ei­ne von nur we­ni­gen Hoch­schu­len in Eu­ro­pa noch Main­frame-aus­bil­dun­gen an­bie­tet. Spä­ter be­ar­bei­te­te Wind mit „Je­di“meh­re­re Pro­jek­te. 2017 wur­de der Groß­rech­ner aus­ran­giert und durch ei­nen des mo­der­ne­ren Typs z114 er­setzt. Auch die­ser wur­de kos­ten­los von ei­ner Fir­ma spen­diert und dann vom Aca­de­mic Main­frame Con­sor­ti­um (AMC) der hie­si­gen Uni-in­for­ma­tik zur Ver­fü­gung ge­stellt, wo Amc-grün­der Pro­fes­sor Mar­tin Bog­dan auch Lehr­ver­an­stal­tun­gen zum Main­frame Com­pu­ting hält. Nach­wuchs, der sich mit sol­chen bei­spiels­wei­se in der Fi­nanz- oder Au­to­mo­bil­wirt­schaft ein­ge­setz­ten Groß­rech­nern aus­kennt, ist rar.

„Mich hat in­ter­es­siert, wie sol­che Sys­te­me funk­tio­nie­ren, dann ha­be ich nach Kur­sen zu dem The­ma ge­sucht“, blickt Wind zu­rück. Als „Je­di“im letz­ten Jahr aus­ge­mus­tert wur­de, be­wahr­te ihn Wind vor der Ver­schrot­tung. Die Uni über­ließ ihm den Ve­te­ra­nen. Zu­gleich wur­de er mit der Be­treu­ung des neu auf­ge­bau­ten z114 be­traut. Viel­leicht will Wind auf dem Main­frame-ge­biet pro­mo­vie­ren. Sein Kel­ler­la­bor ist bes­tens aus­ge­stat­tet – ne­ben dem vo­lu­mi­nö­sen „Je­di“, der fast die De­cke be­rührt, sind ei­ne Rei­he von Lap­tops und PCS so­wie ein 3D-prin­ter plat­ziert. Di­ver­se Ur­kun­den und Zer­ti­fi­ka­te zie­ren ei­ne „Wall of Fa­me“, zu der jetzt der Ibm-main­frame-con­test-preis hin­zu­ge­kom­men ist. Die fei­er­li­che Ver­lei­hung be­scher­te Wind ei­ne Rei­se nach Lon­don. Auf der dort aus­ge­rich­te­ten Kon­fe­renz „Z Tech­ni­cal Uni­ver­si­ty“fand die Sie­ger­eh­rung statt.

Fo­to: pri­v2t

In­for­ma­tik­stu­dent Se­bas­ti­an Wind in sei­nem Com­pu­ter­kel­ler. Im Hin­ter­grund steht der Groß­rech­ner „Je­di“, der 2017 an der Leip­zi­ger Uni aus­ge­mus­tert wur­de. Der 27-Jäh­ri­ge be­wahr­te das Ge­rät vor der Ver­schrot­tung.

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