Husa­ren­stück mit Brat­wurst

Leipziger Volkszeitung - - SZENE LEIPZIG - VON MARK DA­NI­EL

V or acht Jah­ren war‘s. Für die New York Ti­mes schrieb ein ame­ri­ka­ni­scher Jour­na­list Leip­zig auf Platz zehn der Lis­te der „31 Pla­ces to Go“– als Pro­to­koll ei­nes Bauch­ge­fühls. Wie­so ge­ra­de 31? Wie auch im­mer, ziem­lich si­cher lan­det im Lauf der Jah­re je­de halb­wegs schö­ne Stadt in die­sem Ran­king, so wie ir­gend­wann je­der Pro­mi ei­nen Bam­bi in der Hand hat, der nicht bei „drei“auf dem Baum ist.

Kurz nach dem Ur­teil der New York Ti­mes je­den­falls wach­ten an­de­re Me­di­en auf – der Leip­zig-hy­pe spielt auf al­len Ka­nä­len, Scha­blo­nen wie „das bes­se­re Ber­lin“kur­sie­ren. Da­bei war die­se Stadt ei­gent­lich am cools­ten, als noch kei­ne Le­ser aus New York oder Castrop-rau­xel von die­ser Cool­ness wuss­ten.

Und der Hy­pe geht wei­ter. Vor we­ni­gen Ta­gen hat das bri­ti­sche Vi­deo­por­tal Uni­l­ad Ad­ven­ture ein neu­es Film­chen ins Netz ge­schos­sen. Die Ma­cher des Fünf­mi­nü­ters „Things to do in Leip­zig“ha­ben löb­li­cher­wei­se ge­schnallt, dass das Lu­ru-ki­no in der Spin­ne­rei ein tol­les Pro­gramm macht und der Fein­kost-hof so schön lo­cker ist. Bach wird nur ge­streift, Men­dels­sohn und Bil­der­mu­se­um weg­ge­las­sen, es geht wohl um Hip­ness, um Sze­ne und so. Lei­der ha­ben die Bri­ten schlecht hin­ge­guckt: Ge­ra­de in dem Mo­ment, in dem der Spre­cher die „lo­cal cul­tu­re“lob­preist, huscht die Kell­ne­rin ei­nes baye­ri­schen (!) Brau­hau­ses am Markt im Dirndl (!) durchs Bild. Joa, dös is a ri­ach­ti­ges Leipz’ger Ori­gi­nal, is dös!

Streit­bar üb­ri­gens, ob das gleich zwei­mal ein­ge­blen­de­te Haus mit den Glub­schau­gen-fi­gu­ren am An­fang der Kar­li re­prä­sen­ta­tiv für die sonst doch ziem­lich tol­le Süd­mei­le ist. Kun­dig in die His­to­rie geht der Film aber auch: Beim Stich­wort „tra­di­tio­nal ger­man street­food“wer­den in Na­h­auf­nah­me ein paar Brat­würs­te auf ei­nem Rost in der Fuß­gän­ger­zo­ne um­ge­dreht – Voll­tref­fer, denn wenn Leip­zig für et­was steht, dann für ex­qui­si­tes Grill­gut. Da läuft man in Castrop-rau­xel gelb an vor Neid.

Ein Husa­ren­stück wie die­ses ge­hört drin­gend stär­ker ge­wür­digt – laut Ge­rüch­te­kü­che hat das Lu­ru Kon­takt zu Uni­l­ad Ad­ven­ture auf­ge­nom­men, um „Things to do in Leip­zig“ins Pro­gramm neh­men zu kön­nen. Zur Ki­no­kar­te der Rei­he „31 Mo­vies to see“soll’s Spe­zia­li­tä­ten mit Lo­kal­ko­lo­rit ge­ben: Wei­zen­bier und Cur­ry­wurst-pom­mes-schran­ke, ser­viert im Trach­ten­jan­ker.

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