Stal­ker in den Ge­hör­gän­gen

Stim­mi­ges Ges0m­ter­eig­nis: Orphs „The Py­r0mid Te0rs of Simb0“

Leipziger Volkszeitung - - SZENE LEIPZIG - VON LARS SCHMIDT Orph spie­len zur Af­ter-show­p0r­ty von To­co­tro­nic 0m 27. Ju­li im K0s­s0bl0nc0 Jen0. Ti­ckets über www.k0s­s0bl0nc0.de.

sind nicht ihr Ding. Vor reich­lich zehn Jah­ren be­gann in Wei­mar ein Duo aus Mar­co De Haunt (Stim­me, Gi­tar­re) und Hen­drik Win­ter (Pia­no, Gi­tarr­re, Schlag­werk), sei­ne über­bor­den­den mu­si­ka­li­schen Phan­ta­si­en zu Lie­dern ge­rin­nen zu las­sen. Ein hal­bes Jahr­zehnt brauch­ten sie für das De­büt – „Po­ems For Kui“wur­de 2012 viel be­ach­tet. In­zwi­schen hat sich die Band um den krea­ti­ven Dop­pel-kern her­um zum Quin­tett ge­mau­sert, was die Kon­zer­te deut­lich au­then­ti­scher macht. Sie ge­ben nun­mehr als schöp­fe­ri­schen Mit­tel­punkt Leip­zig an und sind auch beim hie­si­gen Mu­sik-ver­lag „Kick The Fla­me“un­ter Ver­trag. Das al­lein gilt Kun­di­gen be­reits als Aus­weis für au­ßer­ge­wöhn­li­che Qua­li­tät und Ei­gen­stän­dig­keit.

Nach wei­te­ren sechs Jah­ren prä­sen­tie­ren Orph nun un­ter die­sen op­ti­ma­len Vor­aus­set­zun­gen die Er­geb­nis­se ei­ner wei­te­ren Rei­se in die sur­rea­len Phan­ta­sie­land­schaf­ten ih­rer ei­ge­nen Par­al­lel­welt. Ein Dut­zend Songs ha­ben sie von dort mit­ge­bracht. Be­reits das Co­ver ent­fal­tet ei­ne Au­ra des Rät­sel­haf­ten, lässt an mys­ti­sche Kul­te den­ken. Die Lie­der von „The Py­ra­mid Te­ars of Sim­ba“klin­gen tat­säch­lich ir­gend­wie ab­ge­ho­ben, aber über­haupt nicht spin­nert. Das ist im Ge­gen­teil urban und dies­sei­tig, ob­wohl in kei­ner Pha­se um den An­schluss an ir­gend­ei­nen Zeit­geist be­müht.

Es wirkt ar­ti­fi­zi­ell, aber nie ge­küns­telt, es will sich mit nie­man­dem ge­mein ma­chen, aber es könn­te vie­len ge­fal­len.

Die­se Mu­sik hat et­was stark Pro­gres­si­ves, aber sie ar­tet nie in ufer­lo­ses Gef­ri­ckel aus: Hier gibt es kei­ne Über­län­gen, die kom­ple­xe Kunst sug­ge­rie­ren sol­len. Grif­fi­ge

Songs oh­ne Schnör­kel, nur das Ti­tel­stück dau­ert län­ger als vier Mi­nu­ten. Trotz­dem wirkt al­les schwe­re­los und sphä­risch. Ge­le­gent­lich sind Me­lo­dieschlei­fen ver­steckt, die sich un­auf­fäl­lig in die Ge­hör­gän­ge schrau­ben und sich dort re­gel­recht zu Stal­kern ent­wi­ckeln. Et­wa bei „The Mo­saic, The Wha­le And Its Hun­ter“oder „Light­ning Pul­se Of Ve­nus“. Ty­pisch sind die cho­ra­len Vo­kal­sät­ze, zu de­nen sich die Stim­men im­mer wie­der tür­men. Da at­met die Kunst-pop­schnell­schüs­se An­mu­tung 70er-flair. Die Key­boards trans­por­tie­ren hin­ge­gen vor­nehm­lich 80er­syn­thie-geist, wäh­rend der Bass ge­le­gent­lich ganz heu­tig bol­lert.

Pas­send zur Mu­sik wir­ken die eng­li­schen Tex­te ziem­lich wort­ge­wal­tig. Sie sind je­doch eher Rei­hun­gen sprach­li­cher Bil­der, die – ähn­lich wie der Al­bum­ti­tel – au­ßer Wohl­klang kei­ne Bot­schaf­ten tra­gen, son­dern höchs­tens In­spi­ra­tio­nen für das Kopf­ki­no lie­fern.

We­ni­ger von der Mu­sik als viel­mehr vom künst­le­ri­schen An­satz her er­in­nert das Gan­ze an die frü­hen Sa­chen der Dresd­ner Band Po­lar­kreis 18, die eben­falls ei­nen atem­be­rau­ben­den Mix aus An­spruch und Ein­gän­gig­keit her­vor­brach­te, be­vor sie von ei­nem viel zu frü­hen Hit erst in den Pop-him­mel und von da oh­ne Auf­ent­halt in den luft­lee­ren Raum ge­schos­sen wur­de, wo sie sich schnell ver­lor.

Die­ses Schick­sal bleibt Orph hof­fent­lich er­spart. Ein zwin­gen­der Chart­stür­mer wie 2009 „Al­lein Al­lein“von Po­lar­kreis ist auf dem Al­bum auch nicht aus­zu­ma­chen. Am En­de ist das so­gar gut, denn das Werk bleibt so ein in sich stim­mi­ges, har­mo­ni­sches Ge­sam­ter­eig­nis. Leicht zu hö­ren, aber schwer zu fas­sen: Sie soll­ten sich und uns durch­aus wei­ter Zeit da­für las­sen.

Fo­to: pro­mo

Leicht zur hö­ren und doch schwer zu fas­sen: Die Leip­zi­ger Band Orph hat ein be­mer­kens­wer­tes Al­bum pro­du­ziert.

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