„Sie krie­gen es nicht mehr hin!“

Ra­fa­el van der Vaart er­klärt im In­ter­view, war­um die Nie­der­lan­de nicht bei der WM sind

Leipziger Volkszeitung - - SPORT - VON ERIC ZIM­MER

IKAST. Wenn heu­te in Mos­kau die Fuß­ball-welt­meis­ter­schaft an­ge­pfif­fen wird, dann schaut der ehe­ma­li­ge Hsv-pro­fi Ra­fa­el van der Vaart zu – wie so vie­le Nie­der­län­der. Vor zwei Jah­ren ver­pass­te Hol­land die EM in Frank­reich, nun die WM in Russ­land. Da­bei war „Oran­je“, das Land mit den sym­pa­thisch-ver­rück­ten Fuß­ball­fans, 2010 noch im Wm-fi­na­le – und Num­mer eins der Welt­rang­lis­te. Was ist seit­dem pas­siert? Wir fra­gen nach – bei dem Mann, der mit der „Elf­tal“2010 noch Vi­ze­welt­meis­ter wur­de.

Ra­fa­el van der Vaart, Sie wer­den bei der WM als Ex­per­te für das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen ar­bei­ten. Was ge­nau wol­len Sie denn dann bit­te ana­ly­sie­ren?

Sehr wit­zig. Singst du gleich noch das „Oh­ne Hol­land“-lied? Aber so kann ich we­nigs­tens schön ent­spannt sein. Neu­tral (lacht). Ich ha­be das bei der EM 2016 auch ge­macht. Da hat es gut funk­tio­niert. Ra­fa­el van der Vaart,ehe­ma­li­ger nie­der­län­di­scher Fuß­ball­na­tio­nal­spie­ler

Wer sind die Hoff­nungs­trä­ger?

Es gibt rie­si­ge Ta­len­te. Jus­tin Klui­vert, Fren­kie de Jong, Don­ny van de Beek. Aber die brau­chen Zeit. Sie sind gut, aber mei­ne Ge­ne­ra­ti­on war mit An­fang 20 schon bei den ganz gro­ßen Ver­ei­nen un­ter­wegs und hat dort Cham­pi­ons-le­ague-spie­le ent­schie­den. Das ver­mis­sen wir jetzt. Un­se­re bes­ten Spie­ler ha­ben in Sout­hamp­ton oder Sto­ke Ci­ty ge­spielt oder was weiß ich. Kein Re­al Ma­drid, kein FC Bar­ce­lo­na. Das ist scha­de.

Sie spra­chen über „da­mals“. Da­zu ge­hört zum Bei­spiel 2010. Das ver­lo­re­ne Wm-fi­na­le ge­gen Spa­ni­en. 0:1 nach Ver­län­ge­rung, in der Sie für Ni­gel de Jong ein­ge­wech­selt wur­den.

Wir wa­ren so nah dran. Wir hät­ten Le­gen­den wer­den kön­nen. Aber dann sind wir Zwei­ter ge­wor­den – und das zählt in Hol­land nichts. Scha­de. Wir hat­ten zwei Chan­cen von Rob­ben und viel Pech. Der Ball woll­te nicht rein. Es soll­te nicht sein. Es war im­mer ei­ne rie­si­ge Eh­re, für Hol­land zu spie­len.

Ja, das sa­gen al­le. Aber wir wa­ren da­mals die Num­mer eins in der Welt­rang­lis­te. Wir wa­ren rich­tig gut, es hat so viel Spaß ge­macht. Wenn ich im Ver­ein mal ei­ne schlech­te Pha­se hat­te und dann zur Na­tio­nal­mann­schaft kam, war die Freu­de wie­der da – wie ei­ne Be­frei­ung. Da müs­sen wir wie­der hin­kom­men.

Alt­meis­ter Rob­ben ist nach der ver­pass­ten Wm-qua­li­fi kat­i­on zu­rück­ge­t­re ten, bei den Bay­ern wird er noch ein Jahr spie­len. Was hat der Klub an ihm?

Er ist su­per. Je­der, der ihn kennt, weiß, wie un­glaub­lich ehr­gei­zig er ist. Er ist po­si­tiv ver­rückt, völ­lig fo­kus­siert. Ich ha­be mit ihm aber auch im­mer vie­le Spä­ße ge­macht. Er ist für die Nie­der­lan­de ein­fach ein un­glaub­lich wich­ti­ger Spie­ler ge­we­sen. Und für die Bay­ern wird er das auch die­ses wei­te­re Jahr sein. Man sagt ja im­mer, dass Spie­ler auf dem Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re ei­gent­lich auf­hö­ren soll­ten. Aber er zeigt, dass das Quatsch ist. Es geht um den Spaß. So­lan­ge der da ist, kann man auch Leis­tung brin­gen. Und Ar­jen zeigt, dass man auch als äl­te­rer Spie­ler mit dem Spaß am Spiel noch Spie­le ent­schei­den kann. Ich hät­te auch längst auf­hö­ren müs­sen (van der Vaarts Ver­trag mit dem dä­ni­schen Klub FC Midtjyl­land läuft aus, er möch­te sei­ne Kar­rie­re aber fort­set­zen, d. Red.), wenn es um den bes­ten Punkt in der Kar­rie­re ge­hen wür­de. Aber es geht um die Freu­de am Spiel.

„Wir müs­sen in Hol­land neu an­fan­gen.“

Deutsch­land im­mer. Frank­reich fin­de ich auch rich­tig stark, Bra­si­li­en und Ar­gen­ti­ni­en muss man auch im­mer da­zu­zäh­len. Über Bel­gi­en ha­be ich vor zwei Jah­ren bei der EM noch ge­sagt, dass sie auf kei­nen Fall ein Tur­nier ge­win­nen kön­nen. Aber sie sind jetzt noch bes­ser ge­wor­den. Sie wer­den den Ti­tel nicht ho­len, aber es gut ma­chen. Spa­ni­ens Hö­hen­flug war vor­bei, sie kom­men lang­sam wie­der. Aber ganz

rei­chen dürf­te es noch nicht. Für uns ist er gut. Da kön­nen wir der Welt auf ei­ner bes­se­ren Büh­ne zei­gen, dass wir doch noch da sind. Gut, es kann auch pas­sie­ren, dass wir zei­gen, dass wir doch noch nicht wie­der da sind (lacht). Aber der Wett­be­werb mit schwe­ren Geg­nern kommt dem nie­der­län­di­schen Fuß­ball ge­ra­de gut ge­le­gen. Auf dem Weg nach oben hel­fen Geg­ner wie Deutsch­land und Frank­reich mehr bei der Ar­beit als schlech­te­re Geg­ner in Tests.

Stell dir vor, es ist Fuß­ball-wm, und dein Land ist nicht mit da­bei: Ra­fa­el van der Vaart muss wie so vie­le Nie­der­län­der bei der WM 2018 zuschauen. Er be­glei­tet das Tur­nier aber als Tv-ex­per­te für das hol­län­di­sche Fern­se­hen.

Fo­to: imago

An den Tv-ex­per­ten van der Vaart: Wer sind die Wm-fa­vo­ri­ten?

Ge­gen Deutsch­land spielt Hol­land dem­nächst in der neu­en Na­ti­ons Le­ague. Wie se­hen Sie die­sen Wett­be­werb?

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