„Wir hät­ten in der Kul­tur­po­li­tik ger­ne mehr zu sa­gen“

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON DIE­TER WON­KA

Als vor 20 Jah­ren mit dem Pu­bli­zis­ten Micha­el Nau­mann (SPD) zum ers­ten Mal ein Be­auf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en im Rang ei­nes Staats­mi­nis­ters das Kanz­ler­amt be­zog, galt das Amt als Or­chi­de­en­pos­ten. Kul­tur war eher fremd in der auf­ge­reg­ten Po­li­tik­welt. Heu­te sitzt die ak­tu­el­le Staats­mi­nis­te­rin für Kunst und Kul­tur, Mo­ni­ka Grüt­ters (CDU), im wohl schöns­ten Bü­ro der Ber­li­ner Macht­zen­tra­le. Hier geht es um die Be­deu­tung von Kunst und Kul­tur in ei­ner zu­neh­mend ori­en­tie­rungs­los wer­den­den Di­gi­tal-ge­sell­schaft.

Kul­tur und ih­re Macht hat nun auch die Län­der auf den Plan ge­ru­fen. Wort­füh­re­rin ist Eva-ma­ria Stan­ge (SPD), säch­si­sche Res­sort­che­fin. Die 61-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Main­ze­rin hat vor der heu­te und mor­gen in Erfurt ta­gen­den Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz ei­ne klei­ne Re­vo­lu­ti­on an­ge­zet­telt. Dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land sagt sie: „Wir hät­ten in der Kul­tur­po­li­tik ger­ne mehr zu sa­gen und das auf Au­gen­hö­he mit dem Bund.“Die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bund sei zwar „nicht schlecht“, aber es ge­he dar­um, die rich­ti­gen kul­tur­po­li­ti­schen Fra­gen zu be­ra­ten und zu ent­schei­den. „Jetzt ist es so, dass die Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin die Ta­ges­ord­nung be­stimmt, und die Län­der sind we­ni­ger sprach­fä­hig, weil sie zu we­nig Mit­spra­che und zu we­nig Ge­mein­sam­kei­ten vor­be­rei­tet ha­ben.“

Not­wen­dig sei „ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­tio­nie­rung der Län­der in der Kul­tur­po­li­tik“– auch ge­gen­über der Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin

Mo­ni­ka Grüt­ters. Die Ab­stim­mun­gen un­ter den Län­dern lie­fen.

Kon­kret ver­langt Stan­ge für die Län­der „ei­ne Kul­tur­mi­nis­ter­kon­fe­renz oder ei­nen Kul­tur­mi­nis­ter­rat mit ei­ner ei­ge­nen Kom­pe­tenz“. Ziel sei es nicht, dem Bund Kom­pe­ten­zen weg­zu­neh­men. „Im Ge­gen­teil. Frau Grüt­ters Po­si­ti­on wür­de noch ge­stärkt, wenn 16 Lan­des­kul­tur­mi­nis­ter ih­re Po­si­tio­nen ge­mein­sam in die Kon­fe­renz ein­bräch­ten.“Das sei bis­her „nur theo­re­tisch mög­lich“. Als neu zu ent­de­cken­de The­men für ei­ne ko­ope­ra­ti­ve Kul­tur­po­li­tik nennt Stan­ge ins­be­son­de­re zwei Be­rei­che: „Al­les was mit Di­gi­ta­li­sie­rung zu tun hat, von der Lang­zeit­ar­chi­vie­rung in den Bi­b­lio­the­ken bis zur Di­gi­ta­li­sie­rung von Kul­tur­gut. Das treibt al­le Län­der um. Der Bund hat ein In­ter­es­se an ei­ner Re­ge­lung, aber es fehlt bis jetzt die ge­mein­sa­me Stra­te­gie.“Wich­tig wä­re auch die Re­ge­lung des Um­gangs mit Kul­tur aus Raub­zü­gen. „Wir müs­sen rasch ge­mein­sam klä­ren, wie wir in den Mu­se­en in den Län­dern mit mensch­li­chen Über­res­ten und mit Kul­tur­gut aus der Ko­lo­ni­al­zeit um­ge­hen.“

Weil die Zu­stän­dig­keit für Kul­tur in den ver­schie­de­nen Län­dern von un­ter­schied­lich wich­ti­gen Fach­leu­ten wahr­ge­nom­men wird, sit­zen bis­wei­len Ab­tei­lungs­lei­ter ne­ben Staats­mi­nis­tern und Re­fe­ren­ten. Sich ge­gen die durch­zu­set­zen, ist für ei­ne star­ke Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin des Bun­des bis­her kaum ein Pro­blem ge­we­sen. Das soll sich än­dern.

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