Für Han­dels­ver­bands­chef Kar­stadt nicht er­setz­bar

Er­mitt­lung ge­gen Erfinder der Clas­sic Open ein­ge­stellt

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON KLAUS STAEUBERT

LEIP­ZIG. Das vom Aus be­droh­te Kar­stadt­Kauf­haus in Leip­zig ist mit sei­nem Kon­zept laut Sach­sens Han­dels­ver­bands­chef Gun­ter En­gel­mann-mer­kel nicht er­setz­bar. „Die Wa­re kann im­mer er­setzt wer­den, das Wa­ren­haus mit sei­ner Phi­lo­so­phie nicht“, sagt er im Lvz-interview.

Der Streit mit der Stadt Leip­zig um die Fi­nan­zie­rung der Clas­sic Open im ver­gan­ge­nen Jahr bleibt für de­ren Erfinder Pe­ter Deg­ner oh­ne straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen. Die Staats­an­walt stell­te die Er­mitt­lun­gen we­gen ver­such­ten Be­tru­ges ge­gen den 63-jäh­ri­gen Im­pre­sa­rio ein (Az.: 284 Js 10122/18).

Die Stadt hat­te Anzeige er­stat­tet, nach­dem Deg­ner der Auf­for­de­rung des Kul­tur­de­zer­na­tes, die Abrech­nung der Clas­sic Open durch Ori­gi­nal-rech­nun­gen und Kon­to­aus­zü­ge zu be­le­gen, nicht nach­ge­kom­men war. Die Kom­mu­ne hat­te 2017 die po­pu­lä­re Open-air-ver­an­stal­tung auf dem Markt erst­mals mit 50 000 Eu­ro un­ter­stützt. Un­ter Be­ru­fung auf das Ga­gen­ge­heim­nis wei­ger­te sich der künst­le­ri­sche Lei­ter, kon­kre­te An­ga­ben zur Künst­ler­ho­no­ra­ren und Bei­trä­gen zur Künst­ler­so­zi­al­kas­se zu ma­chen. Statt­des­sen zahl­te Deg­ner das Geld an die Stadt zu­rück und strei­tet sich dar­über nun mit der von ihm ein­ge­setz­ten Ver­an­stal­tungs­agen­tur.

Es lie­ge „kein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht für die Be­ge­hung ei­nes ver­such­ten Be­tru­ges“vor, be­grün­det die Staats­an­walt­schaft die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Mit dem An­trag auf die städ­ti­sche För­de­rung sei ei­ne Etat­pla­nung bei der Stadt ein­ge­reicht wor­den, die pau­schal Net­toKos­ten für die Künst­ler von 50 000 Eu­ro auf­ge­wie­sen ha­be. „Mehr De­tails, et­wa wie sich die­ser Pos­ten auf­grund der Ga­gen der ein­zel­nen Künst­ler zu­sam­men­setz­te und wie plau­si­bel der Ge­samt­pos­ten ist, ver­lang­te die Stadt bis zur Be­wil­li­gung nicht“, heißt es in dem Be­schluss der Staats­an­walt­schaft. Das Ver­hält­nis zwi­schen Sub­ven­ti­ons­neh­mer und -ge­ber wä­re laut Bun­des­ge­richts­hof nur dann ge­stört, wenn die Mit­tel­ver­wen­dung nicht dem Sub­ven­ti­ons­zweck ent­spre­che. Doch ge­nau dies tref­fe im vor­lie­gen­den Fall nicht zu. Die Stadt ha­be viel­mehr ge­gen­über der Staats­an­walt­schaft be­kräf­tigt, dass das Pro­gramm wie an­ge­kün­digt statt­ge­fun­den ha­be und das an­ge­streb­te künst­le­ri­sche Ni­veau er­reicht wor­den sei. Die Künst­ler­kos­ten in Hö­he von 50 000 Eu­ro für zehn Ver­an­stal­tungs­ta­ge er­schie­nen den Ju­ris­ten plau­si­bel und sei­en auch von den Kom­mu­ne als an­ge­mes­sen er­ach­tet wor­den.

In ei­nem ein­zi­gen Fall war be­kannt ge­wor­den, dass an­stel­le von 2500 Eu­ro, die für ei­nen Künst­ler ur­sprüng­lich von Deg­ner ge­plant wa­ren, nur 1000 Eu­ro tat­säch­lich in Rech­nung ge­stellt wur­den. Ei­nen hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht we­gen ver­such­ten Be­tru­ges wür­de es nach Auf­fas­sung der Staats­an­walt­schaft aber selbst dann nicht ge­ben, wenn al­le Ga­gen hö­her ge­plant ge­we­sen wä­ren als von den Künst­lern letzt­lich be­rech­net, da „die An­ga­ben zu den Ga­gen in der Abrech­nungs­über­sicht mit der Etat­pla­nung nicht ver­gleich­bar“sind. Ge­fälsch­te Rech­nun­gen ha­be Deg­ner un­strei­tig nicht ein­ge­reicht.

Auch die Er­mitt­lun­gen ge­gen den Vor­stands­vor­sit­zen­den der Pe­ter-deg­ner-stif­tung, Micha­el Lu­da, wur­den in die­sem Zu­sam­men­hang ein­ge­stellt.

Für den Im­pre­sa­rio kommt die Re­ha­bi­li­ta­ti­on je­doch zu spät. Nach 23 Jah­ren gibt es die Clas­sic Open nicht mehr. Deg­ners Kon­zept für ei­ne Neu­auf­la­ge in die­sem Som­mer wies die Stadt zu­rück. Statt­des­sen wird nun vom 3. bis 12. Au­gust die „Leip­zi­ger Markt Mu­sik“der Mes­se-toch­ter Fair­net statt­fin­den.

Im­pre­sa­rio Pe­ter Deg­ner

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