Bau­ern im Os­ten fürch­ten ka­ta­stro­pha­le Ern­te­aus­fäl­le

Sach­sens Bau­ern­ver­bands­chef Wolf­gang Vo­gel for­dert ra­sche na­tio­na­le Not­stands­bei­hil­fe

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON UL­RICH MIL­DE

SCHKEUDITZ. We­gen der hei­ßen und tro­cke­nen Wit­te­rung sor­gen sich die Bau­ern im Os­ten vor exis­tenz­be­dro­hen­den Ern­te­aus­fäl­len. Die Verbände der Land­wir­te for­dern des­halb ein Pro­gramm zur na­tio­na­len Not­stands­bei­hil­fe, wie sie ges­tern in Schkeuditz er­klär­ten.

SCHKEUDITZ. Die hei­ße und tro­cke­ne Wit­te­rung bringt die ost­deut­schen Bau­ern­ver­bän­de in Exis­tenz­not. An­ge­sichts der dro­hen­den Ern­te­aus­fäl­le for­dern sie ein Pro­gramm zur na­tio­na­len Not­stands­bei­hil­fe. Das sag­te Wolf­gang Vo­gel, Prä­si­dent des Säch­si­schen Bau­ern­ver­ban­des, ges­tern nach ei­ner Ta­gung ge­mein­sam mit den Land­wirt­schafts­mi­nis­tern der neu­en Län­der in der Flug­ha­fen­stadt Schkeuditz.

Da ein sol­ches Pro­gramm der Zu­stim­mung der Eu­ro­päi­schen Uni­on be­dür­fe, füh­re je­der wei­te­re Zeit­ver­zug zu Li­qui­di­täts­eng­päs­sen in den be­trof­fe­nen Land­wirt­schafts­be­trie­ben. „Be­reits mit der Bo­den­be­ar­bei­tung nach der Ern­te und der Aus­saat des Win­ter­ge­trei­des fal­len die Kos­ten für die Ern­te 2019 an. Hier ist schnel­le Hil­fe die bes­te Hil­fe“, ver­lang­te Vo­gel.

In zahl­rei­chen Re­gio­nen, ins­be­son­de­re auf den leich­ten, san­di­gen Stand­or­ten sei­en „er­heb­li­che Schä­den durch die lang an­hal­ten­de Tro­cken­heit“zu ver­zeich­nen, sag­te der obers­te säch­si­sche Bau­er. Die nutz­ba­re Feld­ka­pa­zi­tät ha­be in vie­len Re­gio­nen ex­trem ab­ge­nom­men. Die Nie­der­schlä­ge der letz­ten Ta­ge sei­en re­gio­nal stark dif­fe­ren­ziert und zum Teil un­wet­ter­ar­tig auf­ge­tre­ten. Das wer­de die Ge­trei­de­ern­te kaum noch ret­ten. Hin­zu kä­men ver­ein­zelt Schä­den durch Ab­schwem­mun­gen auf­grund ex­tre­mer Star­knie­der­schlä­ge.

Be­son­ders im Nor­den und Os­ten der Re­pu­blik füh­re die Wit­te­rung zu ei­nem ex­trem früh­zei­ti­gen Ern­tebe­ginn – vier­zehn Ta­ge frü­her als sonst. Die Win­ter­gers­ten­be­stän­de be­fin­den sich Vo­gels Ein­schät­zung auf leich­ten Stand­or­ten be­reits in der Not­rei­fe. „Min­der­erträ­ge ge­gen­über dem Vor­jahr von 30 bis 50 Pro­zent und ver­ein­zelt bis zum To­tal­aus­fall sind be­son­ders bei Win­ter­gers­te, Raps, Win­ter­wei­zen und Som­mer­ge­trei­de die Fol­ge.“Auch die Qua­li­tä­ten wür­den zu ge­rin­ge­ren Er­lö­sen füh­ren.

Zu­sätz­lich sei mit Ver­lus­ten durch ei­ne un­zu­rei­chen­de Fut­ter­ver­sor­gung der Tier­be­stän­de in den be­trof­fe­nen Re­gio­nen zu rech­nen. Sei­en die Er­trä­ge beim ers­ten Schnitt noch zu­frie­den­stel­lend ge­we­sen, so sei der zwei­te Schnitt auf dem Grün­land in den nie­der­schlags­ar­men Ge­bie­ten kom­plett aus­ge­fal­len. Oben­drauf kom­me, dass die Pflan­zen durch die Tro­cken­heit so ge­schä­digt sei­en, dass auch für den drit­ten Schnitt kaum mit durch­schnitt­li­chen Er­trä­gen ge­rech­net wer­den kön­ne.

Die ost­deut­schen Land­wirt­schafts­mi­nis­ter be­kräf­tig­ten ih­re Kri­tik an den Vor­schlä­gen der Kom­mis­si­on der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) zur künf­ti­gen Agrar­po­li­tik. „Sie sind voll von Bü­ro­kra­tie, un­kal­ku­lier­bar in den De­tails und teil­wei­se un­an­ge­mes­sen in ih­ren Fest­le­gun­gen“, heißt es in ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung der Län­der. Vor al­lem die von Brüssel vor­ge­se­he­ne Kap­pung der Di­rekt­zah­lun­gen wer­de von Sach­sen, Sach­sen-an­halt, Thü­rin­gen, Bran­den­burg und Meck­len­burg-vor­pom­mern ab­ge­lehnt. Die EU will die Di­rekt­zah­lun­gen – sie ma­chen in die­sem Jahr für die säch­si­schen Be­trie­be 247 Mil­lio­nen Eu­ro aus – ab 60 000 Eu­ro pro Bau­ern­hof re­du­zie­ren und ab 100 000 Eu­ro kom­plett strei­chen. Da­von wä­ren die neu­en Län­der mit ih­ren im Schnitt grö­ße­ren Be­trie­ben als im Wes­ten über­pro­por­tio­nal be­trof­fen.

Foto: dpa

Auch in Sach­sen ist es in vie­len Re­gio­nen der­zeit zu heiß und zu tro­cken. Bau­ern rech­nen des­halb mit er­heb­li­chen Ern­te­aus­fäl­len.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.