NA­H­AUF­NAH­ME Der miss­traui­sche Di­plo­mat

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON STE­FAN KOCH

Wer sich für die Zeit nach Do­nald Trump in­ter­es­siert, soll­te die­sen Mann im Blick be­hal­ten. Mi­ke Pom­peo, 54 Jah­re alt und aus­ge­stat­tet mit dem fes­ten Wil­len, sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re auch nach der ge­gen­wär­ti­gen Prä­si­dent­schaft fort­zu­set­zen. In die­sen Ta­gen liegt es in sei­nen Hän­den, die übe­r­aus va­gen Er­geb­nis­se des Gip­fels von Sin­ga­pur in ei­ne fes­te Form zu gie­ßen.

Pom­peo war in den ver­gan­ge­nen 15 Mo­na­ten mehr­fach in Pjöng­jang und weiß um die Be­son­der­hei­ten im Um­gang mit dem weit­ge­hend ab­ge­schot­te­ten Re­gime. Auch dürf­te er be­reits als Chef des Aus­lands­ge­heim­diens­tes CIA täg­lich mit der Fra­ge kon­fron­tiert wor­den sein, wie weit of­fi­zi­el­le Ver­laut­ba­run­gen von tat­säch­li­chen Hand­lun­gen ab­wei­chen. Sein gut ge­schul­tes Miss­trau­en ließ sich denn auch bei sei­nen gest­ri­gen Be­su­chen in Seo­ul und Pe­king be­ob­ach­ten: Mit dem Ab­bau der Sank­tio­nen ge­gen Nord­ko­rea wer­de erst be­gon­nen, wenn das Re­gime sei­ne Atom­waf­fen ab­ge­rüs­tet ha­be. Vor­zei­ti­ge Er­leich­te­run­gen in Wirt­schafts­fra­gen schließt Pom­peo aus­drück­lich aus. Die Den­u­kle­a­ri­sie­rung müs­se voll­stän­dig, über­prüf­bar und un­um­kehr­bar sein. Oh­ne Wenn und Aber.

So ganz ne­ben­bei schränkt der Au­ßen­mi­nis­ter auch Trumps An­kün­di­gung ein, die ge­mein­sa­men Mi­li­tär­ma­nö­ver mit Süd­ko­rea zu be­en­den. Soll­te es kei­ne spür­ba­ren Fort­schrit­te in den Ver­hand­lun­gen ge­ben, wür­den die Übun­gen um­ge­hend wie­der auf­ge­nom­men. Auch nach dem Ge­spräch mit Chi­nas Prä­si­den­ten Xi Jin­ping wur­de am Don­ners­tag noch ein­mal deut­lich, wie groß die Ri­si­ken sind, dass das Rin­gen um Abrüs­tung schei­tert.

Pom­peo un­ter­streicht mit die­ser An­sa­ge ein­mal mehr sei­nen Ruf als Hard­li­ner. Ei­ne Rol­le, die er be­reits als Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ter ein­nahm und die er auch für sei­ne künf­ti­ge po­li­ti­sche Ar­beit re­kla­miert. So brach­te er oh­ne mit der Wim­per zu zu­cken die To­des­stra­fe für den da­ma­li­gen Whist­leb­lo­wer Ed­ward Snow­den ins Spiel, der al­le Welt über die Ab­hör­maß­nah­men der Na­tio­nal Se­cu­ri­ty Agen­cy (NSA) ins Bild setz­te. In den Au­gen Pom­pe­os er­scheint Snow­den eben­so wie die In­ter­net­platt­form Wi­ki­leaks als Si­cher­heits­ri­si­ko.

An­ders als Trump ver­tritt Pom­peo ei­ne durch und durch stramm-kon­ser­va­ti­ve Grund­hal­tung. Der Fa­mi­li­en­va­ter spricht sich strikt ge­gen Ab­trei­bung aus (es sei denn, das Le­ben der Mut­ter ist in Ge­fahr) und hält nichts von der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe. Im ei­ge­nen La­ger an­ge­fein­det wird der Ab­sol­vent der Eli­te­uni­ver­si­tät Har­vard aber we­ni­ger we­gen sei­ner ge­sell­schaft­li­chen Über­zeu­gun­gen, als viel­mehr we­gen sei­nes Um­gangs mit Ver­hör­me­tho­den. Den Pro­test ge­gen das bru­ta­le Wa­ter­boar­ding, bei dem Ge­fan­ge­ne fast er­sti­cken und Ge­hirn­schä­den da­von­tra­gen kön­nen, teilt Pom­peo nicht.

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