Neue Rol­le für die SPD

Die Ge­nos­sen ver­fol­gen den Streit von der Sei­ten­li­nie – noch

Leipziger Volkszeitung - - BLICKPUNKT -

BERLIN. Es ist ein un­ge­wohn­tes Bild, das sich bei den Son­der­sit­zun­gen der Bun­des­tags­frak­tio­nen zeigt. Erns­te Ge­sich­ter bei der Uni­on, lä­cheln­de Men­schen bei der SPD. Meist war es in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten um­ge­kehrt. Der Rie­sen­krach in der Uni­on ver­schafft den Ge­nos­sen ei­ne Atem­pau­se.

Frak­ti­ons- und Par­tei­che­fin Andrea Nah­les hat lan­ge zu dem Zwist ge­schwie­gen. Sol­len CDU und CSU sich doch erst ein­mal ei­ni­gen, so die Pa­ro­le. Don­ners­tag aber muss­te auch Nah­les Far­be be­ken­nen. Zu­min­dest ein we­nig. Es ge­be um­fang­rei­che Ver­ein­ba­run­gen im Ko­ali­ti­ons­ver­trag, sagt sie. Rück­füh­run­gen, An­ker­zen­tren und Ein­wan­de­rungs­ge­setz. „Da­zu ste­hen wir aus- drück­lich.“Dass Nah­les die Ab­wei­sung re­gis­trier­ter Asyl­be­wer­ber nicht nennt, kann man als Un­ter­stüt­zung für Mer­kel wer­ten. Wo­bei sie ein kla­res Be­kennt­nis ver­mei­det.

An­de­re sind mu­ti­ger. „Ein­sei­ti­ge Schrit­te sind Gift für den eu­ro­päi­schen Zu­sam­men­halt und wä­ren in der jet­zi­gen an­ge­spann­ten La­ge in Eu­ro­pa hoch­gra­dig ge­fähr­lich“, sagt Achim Post, Frak­ti­ons­vi­ze und Chef der mäch­ti­gen Nrw-lan­des­grup­pe im Ge­spräch mit dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND). „Nie­mand kann ein In­ter­es­se dar­an ha­ben, ei­ne Kas­ka­de in Gang zu set­zen, an de­ren En­de der Schen­genRaum mit frei­en Gren­zen in Eu­ro­pa in Trüm­mern lie­gen könn­te“, sagt Post. Auf dem be­vor­ste­hen­den Eu-gip­fel müs­se es ver­nünf­ti­ge Lö­sun­gen ge­ben – auch beim Schutz der Au­ßen­gren­zen.

Spd-in­nen­po­li­ti­ker Burk­hard Lisch­ka glaubt, dass es der Uni­on nicht mehr um die Sa­che geht. „Im Kern geht es in­zwi­schen ganz of­fen­sicht­lich nicht mehr um die Fra­ge, wie Deutsch­land mit Flücht­lin­gen um­geht, die be­reits in ei­nem an­de­ren eu­ro­päi­schen Staat ei­nen Asyl­an­trag ge­stellt ha­ben, son­dern wir er­le­ben ei­nen uni­ons­in­ter­nen Macht­kampf zwi­schen der Kanz­le­rin und ih­rem In­nen­mi­nis­ter über die ge­sam­te Mer­kel­sche Flücht­lings­po­li­tik der letz­ten Jah­re“, sag­te Lisch­ka dem RND. „Die­se Es­ka­la­ti­on in der Uni­on ist un­ver­ant­wort­lich, weil sie da­zu führt, dass die Bun­des­re­gie­rung ins­ge­samt und da­mit das Ge­wicht Deutsch­lands in Eu­ro­pa ge­schwächt wird.“

Of­fi­zi­ell ist die SPD an der Sei­te Mer­kels. Und trotz­dem sind die Ge­nos­sen froh, dass es ge­ra­de nicht so auf sie an­kommt. Denn auch in der SPD ist der Kurs in der Flücht­lings­po­li­tik hoch um­strit­ten. Die Par­tei­lin­ke for­dert Of­fen­heit, Par­tei­che­fin Nah­les schlug zu­letzt här­te­re Tö­ne an. Soll­ten Mer­kel und See­ho­fer sich ei­ni­gen, rückt die SPD wie­der ins Blick­feld. „Ich hof­fe, wir win­ken das dann fix durch“, sagt ein Ab­ge­ord­ne­ter ges­tern. „Ein Plat­zen­las­sen der Ko­ali­ti­on we­gen der Flücht­lings­fra­ge wä­re doch auch für uns po­li­ti­scher Selbst­mord.“

Foto: Epa

Ab­war­ten und schwei­gen: Spd-che­fin Andrea Nah­les.

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