Pra­xis auf Rä­dern: Fah­ren bald auch in Sach­sen Me­di­bus­se?

Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung lehnt das Hes­sen-mo­dell ab

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON ANDRE­AS DUNTE

LEIP­ZIG. Ei­ne ärzt­li­che Ver­sor­gung von Pa­ti­en­ten im länd­li­chen Raum durch Me­di­bus­se stößt in Sach­sen auf we­nig Ge­gen­lie­be. Sie se­he „mo­bi­le Arzt­pra­xen“, wie sie jetzt Hes­sen plant, kri­tisch, teilt die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV) Sach­sen auf Nach­fra­ge mit.

Im Ju­li soll erst­mals in Nord­hes­sen ein sol­cher Bus in sechs Ge­mein­den zum Einsatz kom­men. An­ders als die Sach­sen, ha­ben die Hes­sen kei­ne recht­li­chen Pro­ble­me da­mit. Die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung dort will mit der Pra­xis auf Rä­dern dem Ärz­te­man­gel im länd­li­chen Raum ent­ge­gen­tre­ten. Im Auf­trag der KV Hes­sen sind ein All­ge­mein­me­di­zi­ner und ein me­di­zi­ni­scher An­ge­stell­ter an Bord des von der Deut­schen Bahn um­ge­bau­ten Bus­ses. Laut Bahn kön­nen im Me­di­bus „Kin­der, Ju­gend­li­che, Er­wach­se­ne und auch Hoch­be­tag­te ver­sorgt wer­den“. Das über 12 Me­ter lan­ge Ge­fährt sei wie ei­ne haus­ärzt­li­che Pra­xis mit ei­nem EKG und ei­nem klei­nen La­bor aus­ge­stat­tet. Fer­ner gibt es ei­nen War­te­raum. Wö­chent­lich soll der Bus von Mon­tag bis Don­ners­tag im­mer zwei Stand­or­te für je drei­ein­halb St­un­den an­fah­ren, – so das Ziel. Das Pi­lot­pro­jekt lau­fe für zwei Jah­re.

In der Ver­gan­gen­heit wa­ren ähn­li­che Ver­su­che, mo­bi­le Pra­xen in Deutsch­land auf den Weg zu brin­gen, stets ge­schei­tert, und zwar am Pa­ra­gra­fen 17 der Be­rufs­ord­nung. Auch die KV Sach­sen ver­weist auf die­sen be­tag­ten Pa­ra­gra­fen, in dem Ärz­ten Hau­sie­ren un­ter­sagt wird: „Ne­ben der be­rufs­recht­li­chen Re­strik­ti­on, dass ei­ne am­bu­lan­te ärzt­li­che Tä­tig­keit im Um­her­zie­hen rechts­wid­rig ist, er­scheint es auch frag­lich, ob Pa­ti­en­ten ei­ne mo­bi­le Arzt­pra­xis in dem Ma­ße an­neh­men wür­den“, sagt Kv-spre­che­rin Patri­ce Fi­scher. In Hes­sen hal­te der Bus in vier der sechs Ge­mein­den nur ein­mal in der Wo­che für drei­ein­halb St­un­den am Vor- oder am Nach­mit­tag, sagt die säch­si- sche Kv-spre­che­rin. „Bei aku­ten Er­kran­kun­gen wie bei­spiels­wei­se plötz­li­chem Fie­ber müs­sen Pa­ti­en­ten zu den üb­ri­gen Zei­ten den­noch ei­ne Arzt­pra­xis auf­su­chen.“Au­ßer­dem wür­den un­ter­schied­li­che Ärz­te in der mo­bi­len Arzt­pra­xis tä­tig. Der Pa­ti­ent hät­te so­mit kei­nen kon­stan­ten An­sprech­part­ner. Das leh­ne man ab, ob­wohl be­reits jetzt Haus­ärz­te ins­be­son­de­re in den länd­li­chen Re­gio­nen feh­len.

Viel­mehr kon­zen­trie­re sich die KV im Frei­staat dar­auf, die Ärz­te im länd­li­chen Raum zu ent­las­ten, da­mit die­se Zeit für Haus­be­su­che bei Pa­ti­en­ten hät­ten. Ak­tu­ell wür­den in zwei länd­li­chen Mo­dell­re­gio­nen in Sach­sen ver­schie­de­ne Maß­nah­men ent­wi­ckelt, mit de­nen „in­no­va­ti­ve Ver­sor­gungs­for­men und De­le­ga­ti­ons­mo­del­le (auch im Zu­sam­men­hang mit Tele­me­di­zin)“er­probt wer­den sol­len, so Fi­scher.

In die­sem Rah­men sei auch ein Pro­jekt „Bür­ger­bus“ge­plant, ge­för­dert durch den Frei­staat, heißt es wei­ter. Der Bür­ger­bus sei ei­ne Er­gän­zung zum Nahverkehr, um An­woh­ner in Orts­tei­len oh­ne An­bin­dung an den Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr ei­nen öf­fent­li­chen Li­ni­en­ver­kehr an­zu­bie­ten. Er soll sie zu ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen ins Orts­zen­trum, al­so auch zu Arzt­pra­xen brin­gen. An­ders gesagt: Pa­ti­en­ten­bus, statt Arzt­bus.

Es er­scheint auch frag­lich, ob Pa­ti­en­ten ei­ne mo­bi­le Arzt­pra­xis in dem Ma­ße an­neh­men wür­den. Patri­ce Fi­scher, Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung Sach­sen

Foto: DB AG

Solch ein so­ge­nann­ter Me­di­bus für den länd­li­chen Raum soll im Ju­li in Nord­hes­sen zum Einsatz kom­men.

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