Im Ei­mer

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON JANINA FLEI­SCHER

Zehn

Li­ter Was­ser fasst ein Haus­hal­tei­mer. Es pas­sen auch zehn Li­ter Bier rein oder zehn Li­ter Wod­ka. Fast ei­nen Ei­mer rei­nen Al­ko­hol nimmt der er­wach­se­ner Bun­des­bür­ger im Durch­schnitt pro Jahr zu sich. In Jah­ren oh­ne Fuß­ball-wm. Da­bei geht es vor al­lem Bier. Um ei­ne Leit­kul­tur al­so, de­ren Selbst­ver­ständ­nis da­von er­schüt­tert wird, dass die Maß auf dem Münch­ner Ok­to­ber­fest erst­mals mehr als 11 Eu­ro kos­ten wird. Ken­ner der deut­schen See­le spre­chen von nicht we­ni­ger als ei­nem Po­li­ti­kum.

Da hilft es kaum, dass ein Li­ter Ta­fel­was­ser auf der Wiesn für nur 8,72 Eu­ro zu ha­ben ist, ei­nen Cent we­ni­ger als bis­her. Nie­mand fährt für ei­nen Ei­mer Was­ser zum Ok­to­ber­fest. So wie nie­mand we­gen der Land­schaft Fuß­ball guckt.

Beim Sport ist es wich­tig, aus­rei­chend zu trin­ken. Zu all den Hin­wei­sen zum kor­rek­ten Um­gang mit rus­si­schen Gast­ge­bern ge­hört die­ser Ta­ge Auf­klä­rung über das Zu­pros­ten. Man sagt näm­lich gar nicht „Nas­dro­wje!“son­dern „Sa two­je/wa­sche/na­sche sdo­ro­wje“– al­so auf Dei­ne/ih­re/un­se­re Ge­sund­heit. So viel Zeit muss sein.

Wer ar­gu­men­tiert, Aus­spra­che sei bei der­lei Ver­rich­tung oh­ne­hin bald im Ei­mer, un­ter­schätzt die Be­deu­tung der Trink­sprü­che in Russ­land. Dort er­hebt man sein Glas auch „auf die an­we­sen­den Da­men!“– die Her­ren ste­hen da­zu auf. Das könn­te beim Pu­b­lic Viewing zu in­ter­es­san­ten Ef­fek­ten füh­ren.

Ei­nen der schöns­ten Sprü­che bringt der Ka­ba­ret­tist Ge­org Schramm gern an: „Auf Dei­nen Sarg aus dem Holz hun­dert­jäh­ri­ger Ei­chen, die wir ge­mein­sam mor­gen pflan­zen.“Dies für al­le, die ei­nen rus­si­schen To­ast für Weiß­brot mit Ka­vi­ar hal­ten.

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