Fünf Jah­re „Der be­son­de­re Kin­der­film“

Mdr-in­ten­dan­tin Ka­ro­la Wil­le kün­digt Dok­pro­duk­tio­nen, bes­se­res Mar­ke­ting und ei­ne ers­te Ani­ma­ti­on an

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON NORBERT WEHRSTEDT

Der An­stoß kam vom MDR. Die Drei­län­der­an­stalt, die auch den Er­fur­ter Kin­der­ka­nal be­treut, ver­miss­te Fil­me für Sechs­bis Zwölf­jäh­ri­ge mit Ge­schich­ten aus dem heu­ti­gen All­tag. So ent­stand vor fünf Jah­ren die Idee zur Initia­ti­ve„der be­son­de­re Kin­der­film“. Ein Pro­jekt, das in­zwi­schen mit 25 Part­nern ar­bei­tet, dar­un­ter fünf Ard-an­stal­ten, das ZDF, sechs Län­der­för­de­run­gen, das Land Thü­rin­gen, die Film­för­de­rungs­an­stalt. So kön­nen Fil­me auch schon mal mit ei­nem Bud­get bis zu drei Mil­lio­nen Eu­ro aus­ge­stat­tet wer­den.

Ges­tern gab es beim Kin­der­film-fes­ti­val Gol­de­ner Spatz in Er­furt ei­nen Rück­blick – mit durch­aus er­staun­li­chen Zah­len. Bis­lang wur­den 321 Pro­jek­te ein­ge­reicht, 33 Dreh­bü­cher ge­för­dert, drei Fil­me pro­du­ziert: „Win­ne­tous Sohn“, „En­te gut! Mäd­chen al­lein zu Haus“so­wie „Auf Au­gen­hö­he“(2017 Ge­win­ner des Deut­schen Film­prei­ses). Zwei wei­te­re Kin­der­fil­me der Initia­ti­ve („In­vi­si­ble Sue“, „Un­heim­lich per­fek­te Freun­de“) star­ten En­de des Jah­res und im nächs­ten Ja­nu­ar.

Was auf den ers­ten Blick er­folg­reich aus­sieht, hat al­ler­dings ei­nen Ha­ken. „Im Ki­no ste­hen wir nicht da, wo wir ste­hen müss­ten“, sag­te ges­tern Mdr-in­ten­dan­tin Ka­ro­la Wil­le. Was heißt: rund 50 000 Zu­schau­er, die je­der der ers­ten drei Pro­duk­tio­nen ins Ki­no lock­ten, sind ein­fach zu we­nig. Des­halb, so Ka­ro­la Wil­le, ha­be man sich in der Initia­ti­ve dar­auf ver­stän- digt, mehr fürs Mar­ke­ting zu tun. Ei­nen ers­ten Schritt kün­dig­te Chris­ti­ne Berg von der Film­för­de­rungs­an­stalt an: Es wer­de ei­ne Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, die her­aus­fin­den soll, war­um Kin­der in wel­che Fil­me ge­hen: „Für den Kin­der­film ha­ben wir kei­ne be­last­ba­ren Zah­len.“

Auf ei­nen kei­nes­wegs un­be­kann­ten, seit lan­gem im­mer wie­der an­ge­spro­che­nen Man­gel ver­wies Film­pro­du­zent Dan­ny Kr­ausz: Es gibt an den Schu­len kei­nen me­di­en­po­li­ti­schen Un­ter­richt (an­ders als in Frank­reich). Au­ßer­dem müs­se man die Ki­no­be­trei­ber un­ter­stüt­zen, dass sie Kin­der­fil­me nicht so schnell wie­der aus ih­ren Pro­gram­men neh­men: „Ich ma­che kei­ne Kurz­wa­re, son­dern Wa­re mit Lang­zeit­wir­kung.“Im Som­mer be­ginnt der Ös­ter­rei­cher mit dem Dreh von „Ma­di­son“, dem nächs­ten Initia­ti­ve-pro­jekt, über ein Mäd­chens, das dem Rad­renn­sport ver­fällt.

Im Früh­jahr 2019 ist dann Dreh­start für „Break the Bal­let“um ein Mäd­chen, das für das klas­si­sche Bal­lett schwärmt – bis es auf Break­dance und ei­nen Break­dan­cer trifft. „Ein deut­scher Tanz­film“, ver­spricht Pro­du­zent Phil­ipp Bud­weg.

Viel­falt der Ge­gen­warts-ge­schich­ten und der Hand­schrif­ten ist denn auch für Marg­ret Al­bers (För­der­ver­ein Deut­scher Kin­der­film e.v.) ei­nes der her­aus­ra­gen­den Merk­ma­le der Initia­ti­ve „Der be­son­de­re Kin­der­film“. Da­zu passt, dass zu den fünf Pro­jek­ten, de­ren Dreh­buch-ent­wick­lung mit je­weils 25 000 Eu­ro ge­för­dert wird, nun auch mit „Der letz­te Sän­ger der Wa­le“der ers­te Ani­ma­ti­ons­film ge­hört. Au­ßer­dem kün­dig­te die Mdr-in­ten­dan­tin Ka­ro­la Wil­le ges­tern an, dass sich die Initia­ti­ve künf­tig auch dem Do­ku­men­tar­film für Kin­der öff­nen wer­de: „Was Skan­di­na­vi­en kann, das kön­nen wir auch.“

Dass die mehr als sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro, die jähr­lich in die ehr­gei­zi­ge Initia­ti­ve flie­ßen, auch die Pro­duk­ti­on an­de­rer Kin­der­fil­me be­för­dern kann, zeig­te ge­ra­de erst „Ame­lie rennt“. Das Al­pen-aben­teu­er ei­ner asth­ma­kran­ken 13-Jäh­ri­gen hat­te die Initia­ti­ve nach der Ein­rei­chung nicht ge­för­dert. Es ent­stand mit an­de­rem Geld – und ge­wann En­de April den Deut­scher Film­preis. Weil – wie in Er­furt mehr­mals be­tont wur­de – die Initia­ti­ve kein Geld aus der Kin­der­film­pro­duk­ti­on (et­wa 20 Fil­me im Jahr) ab­zieht, son­dern zu­sätz­li­che Mit­tel be­reit­stellt. Ei­ne In­ves­ti­ti­on für mor­gen, wie Pro­du­zent Dan­ny Kr­ausz (Dor Film Wien, Mün­chen, Köln) be­ton­te: „Wir ar­bei­ten heu­te ja an der zu­künf­ti­gen Zu­schau­er­struk­tur des Ki­nos.“

Foto: Kin­der­film Gmbh

„Win­ne­tous Sohn“von An­dré Er­kau, die ers­te Pro­duk­ti­on der Initia­ti­ve „Der be­son­de­re Kin­der­film“, kam 2015 in die Ki­nos: Lo­ren­zo Ger­me­no als Max.

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