Lus­ti­ge Wer­bung? We­sels­ky klagt ge­gen Sixt

Ober­lan­des­ge­richt: Ge­werk­schafts­boss ver­klagt Au­to­ver­mie­tung Sixt

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MO­NI­KA LÖFF­LER

DRES­DEN. Das Ober­lan­des­ge­richt in Dres­den ver­han­delt seit ges­tern über ei­ne Kla­ge von Claus We­sels­ky, Chef der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft, ge­gen ei­ne Wer­bung des Au­to­ver­mie­ters Sixt. We­sels­ky tauch­te we­gen ei­nes Streiks dar­in oh­ne sein Wis­sen als „Mit­ar­bei­ter des Mo­nats“auf.

DRES­DEN. Der sonst so kämp­fe­ri­sche Claus We­sels­ky, Chef der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL, war et­was ent­täuscht und klein­laut, als er ges­tern den Saal im Dresd­ner Ober­lan­des­ge­richt (OLG) ver­ließ. Er hat­te sich vom 4. Zi­vil­se­nat et­was mehr Ver­ständ­nis für sei­ne Po­si­ti­on er­hofft.

Der Ge­werk­schafts­boss hat­te die Six­tau­to­ver­mie­tung auf Un­ter­las­sung der Ver­brei­tung von zwei Wer­be­an­zei­gen und die Zah­lung von Li­zenz­ge­büh­ren in Hö­he von 100 000 Eu­ro ver­klagt. Nicht für sich, son­dern zur Auf­sto­ckung der „Streik­kas­se“, wie er sag­te. Kur­zer Rück­blick: 2014 leg­ten in Deutsch­land die Lok­füh­rer die Ar­beit nie­der – lan­ge und aus­gie­big. Wo­chen­lang ging we­nig, zeit­wei­se gar nichts mehr. Die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL hat­te zum Streik auf­ge­ru­fen, und ihr Chef, Claus We­sels­ky war Dau­er­gast vor Mi­kro­fo­nen. Er gab den Me­di­en ein emo­tio­na­les In­ter­view nach dem an­de­ren, um die Po­si­ti­on der Lok­füh­rer zu er­klä­ren.

Die Fahr­gäs­te der Bahn wa­ren von den Ak­tio­nen we­ni­ger be­geis­tert, Pend­ler wuss­ten nicht, wie sie zur Ar­beit kom­men soll­ten, an­de­re nicht, wie sie das Ziel ih­res hart ver­dien­ten Ur­laubs er­rei­chen soll­ten. Tau­sen­de wa­ren stin­ke­sau­er und mach­ten ih­rem Är­ger Luft.

Nur ei­ner fei­er­te den GDL-CHEF: Die Au­to­ver­mie­tung Sixt, die durch den Streik der Lok­füh­rer gu­ten Um­satz mach­te – ir­gend­wie muss­ten die ver­hin­der­ten Bahn­fah­rer ja von A nach B kom­men.

Sixt prä­sen­tier­te den GDL-CHEF auf ei­ner sehr lus­ti­gen Wer­be­an­zei­ge mit gro­ßem, bun­ten Kon­ter­fei: „Un­ser Mit­ar­bei­ter des Mo­nats.“Da­zu der Hin­weis „Güns­ti­ge Miet­wa­gen an al­len Bahn­hö­fen.“Bei dem noch län­ge­ren Streik im Fol­ge­jahr gra­tu­lier­te Sixt, wie­der per Wer­be­an­zei­ge, „zur er­folg­rei­chen Ti­tel­ver­tei­di­gung“. Auf den Ti­tel hät­te Claus We­selskly gern ver­zich­tet. Er sah dar­in ei­ne rechts­wid­ri­ge Per­sön­lich­keits­ver­let­zung und zog vor Ge­richt.

Das Land­ge­richt Leip­zig wies sei­ne Kla­ge al­ler­dings ab. Es hat­te die ge­gen­sei­ti­gen In­ter­es­sen ab­ge­wo­gen und dem Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit der Au­to­ver­mie­tung ein grö­ße­res Ge­wicht zu­ge­mes­sen als den Per­sön­lich­keits­rech­ten des Ge­werk­schafts­bos­ses. Der 59-Jäh- ri­ge leg­te Be­ru­fung ein, über die ges­tern am OLG Dres­den ver­han­delt wur­de.

Zum ei­nen, so We­sels­ky, hät­te die Ge­werk­schaft mit dem Streik ein Grund­recht aus­ge­übt, da­mit kön­ne ei­ne an­de­res Un­ter­neh­men kein Geld ver­die­nen. Zum an­de­ren ging es ihm vor al­lem um sein Foto auf der An­zei­ge. „Sixt hät­te die Bild­rech­te bei mir vor­her ab­fra­gen müs­sen“, ar­gu­men­tier­te We­sels­ky. „Hät­te die An­zei­ge ein klei­nes Bild oder ei­ne Karikatur ge­habt, hät­ten wir nicht ge­klagt. Aber nicht bei die­sem gro­ßen Farb­fo­to.“Man ha­be so­gar die ers­te An­non­ce noch igno­riert, bei der zwei­ten sei das Maß dann aber voll ge­we­sen.

„Ich war nicht nur dem Spott aus­ge­setzt, ich wur­de auch von vie­len an­ge­spro­chen, ob ich von Sixt da­für Geld be­kom­men hät­te, das sei ja bei Wer­be­an­zei­gen ei­gent­lich üb­lich.“Dies, so der Ge­werk­schafts­boss, kön­ne er so nicht hin­neh­men, da es ihm mas­siv scha­de. „Es muss Gren­zen ge­ben, was man mit ei­nem Men­schen tut. Sa­ti­re wür­de ich an­ders be­ur­tei­len.“

Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te von Sixt war an­de­rer Mei­nung. „Sie wa­ren da­mals so me­di­en­prä­sent, dass sie je­der in Deutsch­land kann­te. Sie sa­ßen in je­der Fern­seh­show. Kei­ner hat sie da­zu ge­zwun­gen. Da müs­sen Sie sich auch wie Po­li­ti­ker oder Sport­ler Sa­ti­re ge­fal­len las­sen“, so An­walt Ro­ger Mann.

Der Se­nat sah das wohl ähn­lich, das mach­te er auch deut­lich. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter Mar­kus Schlü­ter hat­te mehr­mals an We­sels­ky ap­pel­liert, die Be­ru­fung – auch aus Kos­ten­grün­den – zu­rück­zu­zie­hen, was der al­ler­dings ab­lehn­te.

Am 21. Au­gust will der Se­nat sei­ne Ent­schei­dung be­kannt­ge­ben. Ten­denz: Es sieht nicht gut aus für die Kla­ge des Gdl-bos­ses. Bleibt noch die Fra­ge: Wer be­zahlt das ei­gent­lich al­les?

Hät­te die An­zei­ge ein klei­nes Bild oder ei­ne Karikatur ge­habt, hät­ten wir nicht ge­klagt.

Claus We­sels­ky, Chef der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL

Foto: Ar­chiv

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