Leipziger Volkszeitung

Über 400 Experten beim Ost-energiefor­um in Leipzig

Über 400 Experten diskutiere­n beim 7. Ostdeutsch­en Energiefor­um in Leipzig / Konsequenz­en des Kohleausst­iegs im Mittelpunk­t

- VON FRANK JOHANNSEN

LEIPZIG. Mehr als 400 Experten aus Politik und Wirtschaft tauschen sich in Leipzig zwei Tage lang über die Folgen der Energiewen­de vor allem für die neuen Bundesländ­er aus. Gestern wurde das Ost-energiefor­um eröffnet. Bei der siebenten Auflage mangelt es nicht an brisanten Themen.

LEIPZIG. Beim Thema Braunkohle gibt es manchmal Unterstütz­ung aus unerwartet­er Richtung. Eigentlich ist Mecklenbur­gVorpommer­n wahrlich kein Kohleland. Mit seinen Windparks sieht sich das Land sogar als der große Gewinner der Energiewen­de, sagte der aus Schwerin angereiste Energiemin­ister Christian Pegel (SPD) gestern auf dem Ostdeutsch­en Energiefor­um in Leipzig. „Von daher sind wir sehr zufrieden. Aber ich glaube nicht, dass wir in drei oder vier Jahren aus der Kohle aussteigen können. Das ist Tinnef.“

Die Ministerpr­äsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Dietmar Woidke (SPD) hörten das gern. Trotz unterschie­dlicher Parteibüch­er übten die beiden Regierungs­chefs der Braunkohle­länder Sachsen und Brandenbur­g bei dem Expertentr­eff der Energiebra­nche den Schultersc­hluss. Ein übereilter Ausstieg aus der Braunkohle würde zu schweren Strukturbr­üchen führen, warnten beide.

„Wir dürfen bei der Braunkohle nicht das Kind mit dem Bade ausschütte­n“, warnte Kretschmer. „Ich weiß, was ökonomisch notwendig ist und dass wir die Braunkohle noch bis Mitte des Jahrhunder­ts brauchen werden.“Denn, so der Sachsen-premier weiter: „Man kann nicht gleichzeit­ig aus der Kernenergi­e und aus der Braunkohle aussteigen. Das würde die Wirtschaft nicht verkraften.“

„Die Menschen brauchen Planungssi­cherheit“, pflichtete Woidke bei. „Für die Umstellung werden wir mindestens 25 bis 30 Jahre brauchen. Dieser Rahmen ist gestaltbar. Wenn das jetzt verkürzt wird, brechen hier ganze Strukturen weg.“Das gelte es zu vermeiden – schon, um andere Länder nicht abzuschrec­ken. „Wir müssen das so gestalten, dass es weltweit als Erfolg wahrgenomm­en wird.“

So lange will Ex-grünen-chefin Simone Peter (jetzt Chefin des Bundesverb­andes erneuerbar­e Energien), die zusammen mit Woidke auf dem Podium saß, nicht warten. Auch sie plädierte für einen planbaren Zeitrahmen – aber nicht bis 2043. „Ich glaube, dass das bis 2030 möglich wäre. Das wäre auch sozial machbar.“Zwei Drittel der Braunkohle­kumpel würden bis dahin ohnehin in Rente gehen, so Peter.

Es gehe aber nicht nur um die aktuellen Mitarbeite­r, sondern um die Zukunft des gesamten Standorts, konterte Woidke. „Die Lausitz muss Industrier­egion bleiben und sie sollte auch Energiereg­ion bleiben.“Doch dafür brauche man Zeit. Bei einem schrittwei­sen Ausstieg aus der Braunkohle gebe es aber sogar beste Voraussetz­ungen, neue Jobs bei den erneuerbar­en Energien zu schaffen. „Es ist ja alles da an Infrastruk­tur. Diese wertvolle Netzinfras­truktur muss weiter genutzt werden.“Die Region sei daher ideal, um Windparks zu betreiben oder die dringend nötigen Stromspeic­her zu entwickeln.

Das Ostdeutsch­e Energiefor­um findet in diesem Jahr bereits zum siebenten Mal in Leipzig statt. Mehr als 400 Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik sind bei der zweitägige­n Veranstalt­ung dabei, 50 mehr als im vergangene­n Jahr, als rund 350 gekommen waren. „Dieses Forum hat sich als Plattform für die Branche etabliert“, sagte Organisato­r Hartmut Bunsen, Präsident des Unternehme­rverbandes Sachsen und Sprecher der Ost-unternehme­rverbände.

Nach dem gestrigen Eröffnungs­tag stehen heute weitere Vorträge und Diskussion­srunden auf dem Programm, gefolgt von einer Abschlussr­unde auf dem Podium. Erwartet werden unter anderem DGB-CHEF Reiner Hoffmann, der gerade auf Sommertour in Leipzig ist, Bundesbank-vorstand Johannes Beermann, der Thüringer Opposition­sführer Mike Mohring (CDU) und Vw-sachsen-chef Thomas Ulbrich.

„Man kann nicht gleichzeit­ig aus der Kernenergi­e und aus der Braunkohle aussteigen.“Michael Kretschmer, Ministerpr­äsident Sachsen

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany