E­au­tos statt Braun­koh­le: Cott­bus­ser wol­len Tesla in die Lau­sitz ho­len

Ak­ti­on auf dem Lau­sitz­ring soll für Idee wer­ben / Bund plant Mil­li­ar­den­för­de­rung für An­sied­lung von Var­ta

Leipziger Volkszeitung - - WIRTSCHAFT - VON FRANK JOHANNSEN ➦ www.wel­co­me-tesla.com

COTT­BUS. Tesla statt Braun­koh­le? Wenn es nach Ralf Henk­ler (50) und Jens Ta­schen­ber­ger (46) aus Cott­bus geht, könn­te ge­nau so die Zu­kunft der Lau­sitz aus­se­hen. Mit ei­ner Ak­ti­on auf dem Lau­sitz­ring wol­len sie jetzt für die Idee wer­ben – und den E-au­to-bau­er in die Braun­koh­le­re­gi­on ho­len. Seit Sep­tem­ber rüh­ren die bei­den die Wer­be­trom­mel für das Pro­jekt. Am kom­men­den Don­ners­tag wol­len sie nun mit ei­ner gro­ßen Licht­show auf dem Lau­sitz­ring die Auf­merk­sam­keit auf die Re­gi­on len­ken.

„Das klingt wie ei­ne Schnaps­idee“, räumt Mit-initia­tor Ta­schen­ber­ger ein. „Es ist aber kei­ne.“Die Idee sei „bei al­ler Ver­rückt­heit“ei­ne erns­te Sa­che. Denn Tes­la­chef Elon Musk sucht der­zeit tat­säch­lich in Asi­en und Eu­ro­pa nach Stand­or­ten für sei­ne ge­plan­ten Gi­ga Fac­to­ries, in de­nen ne­ben den Au­tos auch die rie­si­gen Ak­kus, die das Herz­stück der Stro­mer bil­den, ent­ste­hen sol­len. Im Ju­ni hat­te er dann per Twit­ter er­klärt: Deutsch­land wä­re für ihn ers­te Wahl. Seit­her lau­fen sich Stand­or­te in der gan­zen Bun­des­re­pu­blik warm.

Rhein­land-pfalz und dem Saar­land wur­den schon im Som­mer gu­te Chan­cen auf den Zu­schlag nach­ge­sagt. Auch Bay­ern und Nord­rhein-west­fa­len mel­de­ten In­ter­es­se an. Und En­de Au­gust be­rich­te­te Meck­len­burg-vor­pom­merns Ener­gie­mi­nis­ter Chris­ti­an Pre­gel (SPD) beim Ostener­gie­fo­rum in Leip­zig, dass er eben­falls ge­ra­de mit dem Us-kon­zern ge­spro­chen ha­be. „Für Tesla ist vor al­lem der Wind­strom vom Meer in­ter­es­sant“, sag­te der Mi­nis­ter.

Sach­sen und Bran­den­burg ar­bei­ten dem Ver­neh­men nach eben­falls an ent­spre­chen­den Be­wer­bun­gen. Als Stand­ort kä­me da­bei nur die Lau­sitz in­fra­ge, fin­det Ta­schen­ber­ger. „Wir ha­ben hier al­les, was man für so ei­ne An­sied­lung braucht.“Es ge­be aus­rei­chend Fach­kräf­te, nied­ri­ge Löh­ne, be­reits fer­ti­ge er­schlos­se­ne In­dus­trie­ge­bie­te und auch die nö­ti­ge In­fra­struk­tur. „Uns ist egal, ob Sach­sen oder Bran­den­burg. Haupt­sa­che in der Lau­sitz.“

Ur­he­ber der küh­nen Idee, Tesla in die Lau­sitz zu ho­len, war ei­gent­lich Sven Mi­netz­ke, In­ha­ber ei­ner Kfz-werk­statt in der Nä­he des Kraft­werks Jänsch­wal­de und seit Jah­ren lei­den­schaft­li­cher Tes­lafah­rer. „Der hat uns den Floh ins Ohr ge­setzt“, be­rich­tet Ta­schen­ber­ger. Zu­nächst hat­te er den ört­li­chen Chef des Bun­des­ver­ban­des der Mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft (BVMW), Ralf Henk­ler, für das Pro­jekt be­geis­tert, der dann den PR- und Event-pro­fi Ta­schen­ber­ger an­steck­te.

Am kom­men­den Don­ners­tag wol­len sie nun mit ei­ner gro­ßen Licht­show auf dem Lau­sitz­ring für die Idee wer­ben. Punkt 18.10 Uhr sol­len mög­lichst vie­le Un­ter­stüt­zer auf der frü­he­ren Renn­stre­cke ih­re Ta­schen­lam­pen an­knip­sen und gen Him­mel strah­len. Grund: Erst im Fe­bru­ar hat­te Tesla-chef Musk, dem auch das pri­va­te Raum­fahrt­un­ter­neh­men Spacex ge­hört, ein Tesla Mo­del S in die Erd­um­lauf­bahn ge­schos­sen. Ge­nau dort­hin wol­len die Ak­ti­vis­ten nun leuch­ten. „Wir hof­fen, dass die­ses Si­gnal dann über den Gro­ßen Teich schwappt und Elon Musk er­reicht. “Da­mit das auch klappt, be­mü­he man sich um ei­ne Live-schal­tung nach Ka­li­for­ni­ern – „al­ler­dings mit sehr of­fe­nem Aus­gang“.

Von der Po­li­tik in Sach­sen und Bran­den­burg ha­be er zu­min­dest schon sehr po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen ge­habt, be­rich­tet Ta­schen­ber­ger. Und auch dem Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) dürf­te der Plan gut ins Kon­zept pas­sen. Der sucht für die Lau­sitz hän­de­rin­gend nach Er­satz für die vor dem Aus ste­hen­de Braun­koh­le – und hat hier­für die Pro­duk­ti­on von E-au­to-bat­te­ri­en als mög­li­che Zu­kunfts­bran­che aus­ge­macht. Ein ers­tes Groß­pro­jekt steht of­fen­bar be­reits in den Star­lö­chern: Laut „Ta­ges­spie­gel“will Alt­mai­er ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro in die Hand neh­men, um den Auf­bau ei­ner Bat­te­rie­fa­brik in der Lau­sitz zu un­ter­stüt­zen. Ver­kün­den wol­le er das am 13. No­vem­ber. Bau­en will dem Be­richt zu­fol­ge aber nicht Tesla, son­dern der deut­sche Bat­te­rie­her­stel­ler Var­ta zu­sam­men mit Ford. Be­stä­ti­gen woll­te das von den Be­tei­lig­ten aber noch nie­mand.

Of­fi­zi­ell im Ge­spräch da­ge­gen ist ein Pro­jekt von BASF: Der Che­mie­rie­se prüft der­zeit, in sei­nem Werk in Schwarz­hei­de die Zell­che­mie zu bün­deln. Das wä­re dann auch das per­fek­te Um­feld für Tesla, glaubt Ta­schen­ber­ger. „Wenn das klappt, wä­re das ein Glücks­griff.“

Fo­to: zwei hel­den

Wol­len Tesla in die Lau­sitz ho­len: Jens Ta­schen­ber­ger (links) und Ralf Henk­ler vor zwei E-mo­bi­len des Us-her­stel­ler. Die Ak­kus für die Au­tos wür­den sie künf­tig gern in Sach­sen oder Bran­den­burg bau­en las­sen.

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