Bay­ern­wahl: CSU droht Ab­sturz, Ber­lin blickt mit Sor­ge nach Mün­chen

Um­fra­gen pro­gnos­ti­zie­ren Christ­so­zia­len mas­si­ve Ver­lus­te / Ju­so-chef Küh­nert: Groko be­las­te­te Wahl­kampf

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MAR­CO HADEM, RO­LAND HE­ROLD UND AN­DRÉ BÖHMER

MÜN­CHEN/LEIP­ZIG. Po­li­ti­scher Show­down im Frei­staat Bay­ern: Bei der Land­tags­wahl am Sonn­tag droht der al­lein­re­gie­ren­den CSU ein Ab­sturz. Das Er­geb­nis wird sich auch un­mit­tel­bar auf die Ber­li­ner Bun­des­po­li­tik und die schwarz-ro­te Ko­ali­ti­on aus­wir­ken. Ent­spre­chend groß ist die Ner­vo­si­tät in den Rei­hen der Uni­on und bei der SPD, die von Ber­lin aus mit Sor­ge nach Mün­chen bli­cken. Be­ob­ach­ter er­war­ten von der Land­tags­wahl in Bay­ern ei­ne Zä­sur in der po­li­ti­schen Land­schaft.

Letz­te Um­fra­gen sa­gen Christ­so­zia­len wie So­zi­al­de­mo­kra­ten in Bay­ern mas­si­ve Ver­lus­te vor­aus. Die CSU von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der und Par­tei­chef Horst See­ho­fer wird dem­nach ih­re ab­so­spd lu­te Mehr­heit ver­lie­ren und muss sich mög­li­cher­wei­se so­gar meh­re­re Ko­ali­ti­ons­part­ner su­chen. Die De­mo­sko­pen sa­hen sie zu­letzt bei Wer­ten zwi­schen 33 und 35 Pro­zent, die SPD nur noch bei 11 bis 12 Pro­zent.

Bei der Land­tags­wahl 2013 hat­te die CSU mit 47,7 Pro­zent der Stim­men noch die ab­so­lu­te Mehr­heit ge­holt. Sie stell­te 101 der 180 Ab­ge­ord­ne­ten im Land­tag. Die SPD war mit 20,6 Pro­zent (42 Sit­ze) zweit­stärks­te Kraft ge­wor­den. Da­hin­ter folg­ten die Frei­en Wäh­ler mit 9,0 Pro­zent (19 Sit­ze) und die Grü­nen mit 8,6 Pro­zent und 18 Sit­zen. Die FDP schei­ter­te eben­so an der Fünf-pro­zent-hür­de wie die Lin­ke.

Das sta­bils­te Bünd­nis bei ei­nem Ver­lust der ab­so­lu­ten Csu-mehr­heit wä­re ei­nes mit den Grü­nen. Sö­der äu­ßer­te sich un­mit­tel­bar vor der Wahl je­doch skep­tisch hin­sicht­lich Schwarz-grün: „Das Pro­gramm der Grü­nen ist aus mei­ner Sicht so in der Form nicht ko­ali­ti­ons­fä­hig“, sag­te er am Frei­tag im Zdf-„mor­gen­ma­ga­zin“. „Das wirkt zwar frisch, aber das Pro­gramm ist ur­alt.“Vor al­lem bei der In­ne­ren Si­cher­heit woll­ten die Grü­nen al­les zu­rück­dre­hen, was die CSU be­schlos­sen ha­be. Er kön­ne sich bei den in­halt­li­chen Un­ter­schie­den ei­ne Zu­sam­men­ar­beit der­zeit kaum vor­stel­len.

Grü­nen-spit­zen­kan­di­da­tin Kat­ha­ri­na Schul­ze sag­te dem Sen­der n-tv, das letz­te Wort hät­ten jetzt die Bür­ger: „Am Sonn­tag wird ge­wählt, dann wis­sen wir, wie viel Pro­zent welche Par­tei hat, und dann ist es die Auf­ga­be von al­len de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en, ver­ant­wor­tungs­be­wusst mit dem Er­geb­nis um­zu­ge­hen.“

Die Spd-spit­zen­kan­di­da­tin Na­ta­scha Koh­nen be­ton­te im „Münch­ner Mer­kur“, dass die schlech­ten Um­fra­ge­wer­te der in Bay­ern vor al­lem auf den All­ge­mein­zu­stand der So­zi­al­de­mo­kra­ten zu­rück­zu­füh­ren sei­en: „Die SPD be­fin­det sich in ei­ner sehr schwie­ri­gen Pha­se. Wir brau­chen wie­der ei­ne Po­li­tik der kla­ren Hal­tung“, sag­te sie.

Ju­so-chef Ke­vin Küh­nert ver­wies in ei­nem Lvz-in­ter­view dar­auf, dass der Wahl­kampf in Bay­ern stark von der Ber­li­ner Groko do­mi­niert wur­de. Die Stim­mung ge­gen­über der Bay­ern-spd sei nicht feind­se­lig ge­we­sen, sag­te der Spd­nach­wuchs­star. „Man wird nur per­ma­nent auf die Bun­des­po­li­tik an­ge­spro­chen.“Am En­de, mo­nier­te Küh­nert, ha­be der Bay­ern-spd die Ber­li­ner Po­li­tik wie ein Klotz am Bein ge­han­gen. Sein bit­te­res bun­des­po­li­ti­sches Fa­zit: „Die Groko hat im letz­ten Jahr nicht os­car­reif ge­ar­bei­tet. Da lei­den al­le dar­un­ter.“

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