Wo es auf den Stra­ßen am meis­ten kracht

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat ei­nen in­ter­ak­ti­ven At­las ver­öf­fent­licht, mit dem erst­mals für je­der­mann sicht­bar wird, an wel­chen Stel­len es wie häu­fig zu Un­fäl­len mit Ver­letz­ten kommt. Die Da­ten zei­gen bis auf den Stra­ßen­ab­schnitt ge­nau die ge­fähr­lichs­ten

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANDRE­AS TAPPERT UND FRANK DÖ­RING ➦

LEIP­ZIG. Ein in­ter­ak­ti­ver At­las des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zeigt, wo es in Leip­zig sehr oft kracht. So gab es in der In­nen­stadt im ver­gan­ge­nen Jahr die meis­ten Pkw-un­fäl­le mit Per­so­nen­schä­den vor dem Haupt­bahn­hof und auf dem an­gren­zen­den Be­reich des Trönd­lin­rings.

S o et­was gab es noch nie: Wer wis­sen will, wo es in Leip­zigs Stra­ßen­netz be­son­ders häu­fig zu Un­fäl­len kommt, er­hält jetzt in ei­nem neu­en in­ter­ak­ti­ven Un­fal­lat­las des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ei­nen Über­blick, der kaum Wün­sche of­fen lässt. Der un­ge­wöhn­lich de­tail­lier­te in­ter­ak­ti­ve At­las eig­net sich vor al­lem für El­tern, die wis­sen wol­len, wo es auf dem Schul­weg ih­res Kin­des am häu­figs­ten kracht – und wel­chen Weg das Schul­kind neh­men soll­te, weil dort deut­lich we­ni­ger oder bes­ten­falls gar kei­ne Un­fäl­le auf­tre­ten. Fün­dig wird auch, wer wis­sen will, wo auf sei­nem Weg zur Ar­beit das Un­fall­ri­si­ko be­son­ders hoch ist.

Wer die Web­site an­klickt und in der Orts­leis­te Leip­zig ein­gibt, kann sich be­lie­big vie­le Stadt­tei­le her­an­zoo­men – und sieht dann an farb­lich un­ter­schied­lich ge­kenn­zeich­ne­ten Stra­ßen­ab­schnit­ten, wo im ver­gan­ge­nen Jahr in Leip­zig wie vie­le Un­fäl­le mit Per­so­nen­schä­den auf­ge­tre­ten sind. Rot steht zum Bei­spiel für neun bis 15 Pkw-un­fäl­le mit Per­so­nen­scha­den, oran­ge für fünf bis acht, gelb für drei bis vier, blau für zwei Un­fäl­le und vio­lett für ei­nen Un­fall. Ne­ben Crashs mit Pkw-be­tei­li­gung werden auch sol­che mit Kraft­rä­dern, Fahr­rä­dern und Fuß­gän­gern se­pa­rat aus­ge­wie­sen – wer die Schwe­re der Un­fäl­le ab­schät­zen will, kann die Mar­kie­run­gen auch nach „Un­fäl­len mit Per­so­nen­schä­den“und „Un­fäl­len mit Ge­tö­te­ten“va­ri­ie­ren.

Ex­per­ten sind be­geis­tert

In der In­nen­stadt ist so zum Bei­spiel mit ei­nem Blick zu se­hen, dass die meis­ten Pkw-un­fäl­le mit Per­so­nen­schä­den im ver­gan­ge­nen Jahr vor dem Haupt­bahn­hof und dem an­gren­zen­den Be­reich des Trönd­lin­rings auf­ge­tre­ten sind. Be­son­ders vie­le Un­fäl­le mit Pkws tre­ten auch auf die­ser Re­la­ti­on auf – be­son­ders be­trof­fen sind al­ler­dings auch der Ran­städ­ter St­ein­weg, die Jahn­al­lee und die öst­li­chen Be­rei­che der Lütz­ner Stra­ße.

Bei den Un­fäl­len mit Fahr­rad­fah­rern ist auch gut zu se­hen, dass ne­ben der Jahn­al­lee Stra­ßen wie die Ed­ward-grie­gAl­lee, die Pra­ger Stra­ße im Be­reich des Jo­han­nis­plat­zes, die Brü­der­stra­ße und ein Teil­ab­schnitt der Stra­ße des 18. Ok­to­ber so­wie der Pe­ters­stein­weg und die Kar­li zwi­schen Brau- und Paul-gru­ner-stra­ße be­son­ders ge­fähr­lich sind (sie­he Skizze).

„Die Po­li­zei und wir in­for­mie­ren ja re­gel­mä­ßig über das Un­fall­ge­sche­hen, aber die­ser in­ter­ak­ti­ve Un­fal­lat­las ist wirk­lich sehr span­nend“, kom­men­tiert Micha­el Ja­na vom Ver­kehrs- und Tief­bau­amt der Stadt die Neu­ent­wick­lung. „Jetzt kann je­der zu je­der Zeit se­hen, was Ex­per­ten an­sons­ten nur an un­se­rer elek­tro­ni­schen Un­fall­ty­pen­steck­kar­te se­hen – auch wenn da nicht nur Un­fäl­le mit Per­so­nen­schä­den, son­dern sämt­li­che Ka­ram­bo­la­gen auf­ge­zeich­net sind.“

Der All­ge­mei­ne Deut­sche Au­to­mo­bil­club Sach­sen (ADAC) lobt das neue di­gi­ta­le An­ge­bot eben­falls. „Es lie­fert ei­nen gu­ten Über­blick und schafft mehr Trans­pa­renz im Un­fall­ge­sche­hen, was wir schon lan­ge for­dern“, sagt Hel­mut Büsch­ke, Vor­stands­mit­glied für Ver­kehr und Tech­nik im ADAC Sach­sen. „Hilf­reich wä­re viel­leicht noch ei­ne Zeit­rei­hung ge­we­sen, da­mit zum Bei­spiel El­tern se­hen kön­nen, in wel­cher Jah­res­zeit und zu wel­chen Uhr­zei­ten ih­ren Kin­dern die meis­ten Ge­fah­ren dro­hen.“

Ähn­li­che elek­tro­ni­sche Un­fall­ty­pen­steck­kar­ten werden in Leip­zig re­gel­mä­ßig zu Jah­res­be­ginn von der Po­li­zei und Stadt­ver­wal­tung er­stellt, um zu se­hen, wie sich das Un­fall­ge­sche­hen im Stadt­ge­biet ent­wi­ckelt, und um über Ver­bes­se­run­gen im Stra­ßen­netz nach­zu­den­ken, mit de­nen Un­fäl­le ver­mie­den werden kön­nen. In vie­len Fäl­len ge­lingt es dann, die Un­fall­quel­len deut­lich zu mi­ni­mie­ren.

Ver­kehrs­teil­neh­mer fah­ren vor­sich­ti­ger

In Leip­zig war des­halb die Un­fall-ten­denz zu­letzt po­si­tiv. So ging die Zahl der Ver­kehrs­un­fäl­le in der Stadt 2017 im Ver­gleich zum Vor­jahr um 349 zu­rück. Ins­ge­samt krach­te es 13 409 Mal, der nied­rigs­te Stand seit min­des­tens zehn Jah­ren. Und das, ob­wohl par­al­lel die Zahl der Fahr­zeu­ge wächst: En­de 2016 wa­ren 250 184 Kraft­fahr­zeu­ge in Leip­zig ge­mel­det, ein Plus ge­gen­über dem Vor­jahr von 4853. Neun Ver­kehrs­to­te wa­ren im vo­ri­gen Jahr zu be­kla­gen, 425 Per­so­nen wur­den bei Un­fäl­len schwer ver­letzt, 2061 zo­gen sich leich­te Ver­let­zun­gen zu. Die häu­figs­ten Ur­sa­chen für Kol­li­sio­nen sind nach dem ak­tu­el­len Ver­kehrs­be­richt das Miss­ach­ten der Vor­fahrt (429), un­ge­nü­gen­der Si­cher­heits­ab­stand (307), Feh­ler beim Ab­bie­gen (302), fal­sches Ver­hal­ten von Fuß­gän­gern (176) oder ge­gen­über Fuß­gän­gern (138), un­an­ge­pass­te Ge­schwin­dig­keit (155) und Fah­ren bei Rot (126).

Be­sorg­nis­er­re­gend: Es kommt wie­der häu­fi­ger zu Un­fäl­len mit Fuß­gän­gern. Wa­ren es 2016 noch 315, so er­eig­ne­ten sich im Jahr dar­auf be­reits 368. Die bit­te­ren Kon­se­quen­zen: Zwei To­te, 100 Schwer­ver­letz­te und 203 Leicht­ver­letz­te. In 169 Fäl­len wa­ren Fuß­gän­ger selbst die Ver­ur­sa­cher, et­wa durch Feh­ler beim Über­que­ren der Stra­ße (160). 24 Mal lie­fen Pas­san­ten bei ro­ter Am­pel über die Fahr­bahn und pro­vo­zier­ten da­mit ei­nen Un­fall. Bei 13 Un­fäl­len war der ho­he Al­ko­ho­li­sie­rungs­grad von Fuß­gän­gern schuld.

Die Zahl der Un­fäl­le mit Rad­fah­rern ging 2017 leicht zu­rück, 1171 wa­ren es ins­ge­samt. Zwei To­des­op­fer und 155 Schwer­ver­letz­te gab es zu be­kla­gen, 744 Rad­ler ver­letz­ten sich leicht. In 475 Fäl­len wur­den Rad­fah­rer als Un­fall­ver­ur­sa­cher er­fasst, bei­spiels­wei­se auf­grund von Ver­stö­ßen ge­gen das Rechts­fahr­ge­bot (138), un­an­ge­pass­tem Tem­po, man­geln­dem Si­cher­heits­ab­stand (45) so­wie Miss­ach­ten der Vor­fahrts­re­gel (41).

https://un­fal­lat­las.sta­tis­tik­por­tal.de/

Gra­fik: Frank Wol­ter

Auch die­ser Aus­schnitt kann her­an­ge­zoomt werden. Die ro­ten Stel­len mar­kie­ren die Ab­schnit­te mit den meis­ten Fahr­rad­un­fäl­len (3 bis 11) im ver­gan­ge­nen Jahr.

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