„Su­per­frans“will es wis­sen

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON DET­LEF DRE­WES

S uper-frans“wird er von sei­nen nie­der­län­di­schen Lands­leu­ten ge­nannt: Frans Tim­mer­m­ans, 57 Jah­re alt, Mit­glied der „Par­tei von der Ar­beit“. Auf Deutsch: So­zi­al­de­mo­krat.

Seit drei Jah­ren ge­hört der frü­he­re nie­der­län­di­sche Au­ßen­mi­nis­ter der EUKom­mis­si­on an. Im Team von Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-clau­de Juncker ist Tim­mer­m­ans zu­stän­dig für vie­le kniff­li­ge Fäl­le: den Kurs der EU in der Ka­ta­lo­ni­en­Fra­ge et­wa und den Streit mit Po­len.

In die­ser Wo­che hat Tim­mer­m­ans ei­nen Schritt un­ter­nom­men, der ihn ganz an die Spit­ze der Kom­mis­si­on be­för­dern könn­te, auf den Stuhl, den jetzt Juncker in­ne­hat: Tim­mer­m­ans er­klär­te sei­ne Kan­di­da­tur als so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Spit­zen­kan­di­dat bei der Eu­ro­pa­wahl 2019.

Tim­mer­m­ans war schon im­mer ein klu­ger Kopf – und er hat in sei­nen Brüs­se­ler Jah­ren noch hin­zu­ge­lernt. Poin­tiert wie sonst nur sein Chef Juncker weiß er At­ta­cken der An­ti-eu­ro­pä­er zu pa­rie­ren. Als et­wa in der Br­ex­it-de­bat­te wie­der der Ruf nach „Rü­cker­lan­gung der Kon­trol­le“er­tön­te, kon­ter­te Tim­mer­m­ans mit ei­nem Satz, der aus­ge­rech­net von dem bri­ti­schen Po­li­ti­ker Micha­el He­sel­ti­ne stammt: „In der Wüs­te ist der Ein­zel­ne sou­ve­rän, aber auch ver­lo­ren.“

Tim­mer­m­ans wird nicht mü­de, sei­ne ei­ge­ne Ver­si­on von Macht­po­li­tik zu er­läu­tern: In der un­über­sicht­li­chen Staa­ten­welt des 21. Jahr­hun­derts ge­he es nicht um Sou­ve­rä­ni­tät, son­dern um Ein­fluss. Den aber ver­grö­ße­re man am ehes­ten durch ei­nen Zu­sam­men­schluss mit an­de­ren.

Der Mann aus Den Haag weiß, wo­von er spricht. Die um­sich­ti­gen Nie­der­län­der ha­ben Me­tho­den ent­wi­ckelt, eu­ro­päi­sche De­bat­ten stär­ker zu be­ein­flus­sen, als man es ih­nen an­ge­sichts von nur 17 Mil­lio­nen Ein­woh­nern zu­trau­en wür­de.

Tim­mer­m­ans macht jetzt dem Slo­wa­ken Ma­ros Sef­co­vic Kon­kur­renz, dem ein­zi­gen an­de­ren Be­wer­ber der So­zi­al­de­mo­kra­ten. Ei­ne Ent­schei­dung fällt beim Par­tei­kon­gress im De­zem­ber. Tim­mer­m­ans hat, wie aus Ber­lin ver­lau­tet, die Un­ter­stüt­zung von Spd-che­fin Andrea Nah­les.

Auch der nie­der­län­di­sche Pre­mier Mark Rut­te, ein Li­be­ra­ler, hat sich hin­ter ihn ge­stellt und ihn so­gar, wie der Deutsch­land­funk am Frei­tag be­rich­te­te, als „vo­or­tref­fe­li­jk“be­zeich­net, als vor­treff­lich, – und das, ob­wohl Tim­mer­m­ans ei­ner an­de­ren Par­tei an­ge­hört. Mit Span­nung wird nun quer durch Eu­ro­pa ver­folgt, ob es wei­te­re pro­mi­nen­te Li­be­ra­le gibt, die sich hin­ter den So­zi­al­de­mo­kra­ten Tim­mer­m­ans stel­len. Die Un­ter­stüt­zung für den Nie­der­län­der könn­te am En­de brei­ter sein, als es sein schwä­cheln­des so­zi­al­de­mo­kra­ti­sches Par­tei­en­bünd­nis SPE ver­mu­ten lässt. Auch hier gilt: mehr Ein­fluss durch Zu­sam­men­schluss.

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