Nach Wolf­sat­ta­cke: Sach­sen­cdu ver­stärkt Ab­schuss­kam­pa­gne

Mi­nis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer drängt auf ra­sche Lö­sung / Bis­lang über 2100 Un­ter­stüt­zer bei In­ter­net-ak­ti­on

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON OLAF MAJER

DRES­DEN. Der ver­hee­ren­de Wolfs­an­griff bei Nies­ky An­fang die­ser Wo­che hat Fol­gen. Sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­sch­mer (CDU) hat sich am Frei­tag selbst ein Bild von der zu­ge­spitz­ten La­ge ge­macht und die Na­tur­schutz­sta­ti­on „Öst­li­che Ober­lau­sitz“in Först­gen (Kreis Gör­litz) und de­ren Che­fin An­nett Hert­weck be­sucht. Kret­sch­mer und die Sach­sen-cdu ma­chen seit Län­ge­rem Druck auf den Bund und for­dern deut­lich lo­cke­re Re­geln beim Wolfs­ab­schuss.

Kret­sch­mer drängt auf ei­ne ra­sche Lö­sung beim The­ma Wolf. Bei sei­nem Be­such sprach er sich da­für aus, Wöl­fe bes­ser ver­grä­men zu kön­nen, wenn sie zu nah an mensch­li­che Sied­lun­gen und Nutz­tier­her­den kom­men. Da­zu müs­se man wis­sen, wo sie sind und sie mit ei­nem Sen­der aus- stat­ten. Ei­ne Ab­schuss­quo­te sei jetzt „gar nicht das The­ma“, sag­te Kret­sch­mer.

„Es geht nicht dar­um, in ers­ter Li­nie ab­zu­schie­ßen, son­dern es geht dar­um, zu re­gu­lie­ren und ein Ma­nage­ment zu fin­den. Wöl­fe sind hoch­in­tel­li­gen­te Tie­re. Die mer­ken sehr schnell, wenn ih­nen Ge­fahr droht. Der­zeit mer­ken sie, es droht ih­nen kei­ne Ge­fahr“, sag­te er. Des­halb müs­se man so wie in Finn­land und der Slowakei da­für sor­gen, dass die Wöl­fe ver­grämt werden.

Na­he der Ort­schaft Först­gen hat­ten in der Nacht zum Di­ens­tag Wöl­fe ei­ne Her­de von träch­ti­gen Scha­fen und Zie­gen an­ge­grif­fen. Von 151 Tie­ren über­leb­ten wohl nur 61, ob­wohl die Her­de mit ei­nem Elek­tro­zaun gesichert war. 39 Moor­schnu­cken und Bu­ren­zie­gen wur­den tot ge­fun­den, rund 50 Tie­re werden noch ver­misst. Das Land­rats­amt Gör­litz hat das säch­si­sche Um­welt­mi­nis­te­ri­um in­for­miert und prüft ei­nen Wolfs­ab­schuss. Min­des­tens vier Wöl­fe wa­ren nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen über die Schaf- und Zie­gen­her­de her­ge­fal­len. Laut Wolfs­sta­tis­tik ist es der zweit­größ­te ge­mel­de­te Riss­scha­den seit der Wie­der­an­sied­lung der Wöl­fe in Sach­sen. Die Re­gi­on hat in­zwi­schen die höchs­te Dich­te an die­sen streng ge­schütz­ten Tie­ren in Eu­ro­pa.

Die säch­si­sche CDU sieht sich nach dem Dra­ma in der Ober­lau­sitz in ih­rer For­de­rung nach ei­ner Lo­cke­rung der Ab­schuss­re­geln für den Wolf be­stä­tigt. Seit meh­re­ren Wo­chen läuft da­zu ei­ne In­ter­net-kam­pa­gne, über 2100 Un­ter­stüt­zer zählt die Ak­ti­on be­reits. Der Zu­spruch war nach dem Vor­fall in der Lau­sitz spür­bar ge­stie­gen.

Vor al­lem die säch­si­schen Grü­nen und der Na­bu hat­ten der Uni­on „bil­li­ge Stim­mungs­ma­che“und Wahl­kampf auf Kos­ten des Wol­fes vor­ge­wor­fen. Cdu-ge­ne­ral­se­kre­tär Alex­an­der Dier­ks hält da­ge­gen: „Wir han­deln beim The­ma Wolf und freu­en uns über den gro­ßen Zu­spruch für un­se­re Kam­pa­gne.“Man wol­le wei­ter ver­stärkt um Un­ter­stüt­zung wer­ben.

Fo­to: Oli­ver Kil­lig/dpa

An­nett Hert­weck und Micha­el Kret­sch­mer im Ge­spräch.

Fo­to: Ben­no Bilk/dpa

Nach dem Dra­ma bei Först­gen: to­te Scha­fe der Her­de.

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