Sach­sen­afd stellt Leh­rer­pran­ger ins Netz

Kri­ti­ker spre­chen von „Schü­ler-sta­si“

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON WIN­FRIED MAHR

DRES­DEN. Sie hat es nicht leicht, die AFD. Dem „links-grün do­mi­nier­ten Ge­werk­schafts­kli­en­tel an säch­si­schen Schu­len“will sie „die kul­tur­mar­xis­ti­sche Deu­tungs­ho­heit weg­neh­men“, wie Sach­sens Afd-lan­des- und Frak­ti­ons­chef Jörg Ur­ban bei der gest­ri­gen Vor­stel­lung des Mel­de­por­tals ge­gen par­tei­kri­ti­sche Leh­rer sag­te. Um zu zei­gen, wie ernst die La­ge mit dem „lin­ken Main­stream an den Schu­len“sei „und dass es sich nicht nur um lee­re Wor­te von mir han­delt“, hat­ten Urb­ans Par­tei­freun­de ei­gent­lich ei­ne Prä­sen­ta­ti­on vor­be­rei­tet, doch die Tech­nik im Land­tag streik­te. Weil mit Ka­rin Wil­ke auch noch die bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Frak­ti­on we­gen plötz­li­cher Krank­heit aus­ge­fal­len war, muss­te Ur­ban den Kampf ge­gen „Ge­sin­nungs-hetz­jag­den auf An­ders­den­ken­de“fast al­lein füh­ren.

Der Lan­des­par­tei­chef konn­te nur hof­fen, dass sei­ne On­line-spe­zis zu­ver­läs­si­ger ar­bei­te­ten. Denn das um­strit­te­ne Mel­de­por­tal ge­gen par­tei­kri­ti­sche Leh­rer soll­te ges­tern Abend im In­ter­net frei­ge­schal­tet werden. Auf dem Por­tal „Leh­rer-sos“sol­len Schü­ler oder auch El­tern Ver­stö­ße ge­gen das Neu­tra­li­täts­ge­bot von Leh­rern an­onym mel­den kön­nen. Die­se Vor­fäl­le wür­den nach Über­prü­fung der An­ga­ben dem Lan­des­schul­amt ge­mel­det. In schwer­wie­gen­den Fäl­len be­hal­te man sich auch recht­li­che Schrit­te ge­gen die ge­mel­de­ten Päd­ago­gen vor.

Ur­ban zu­fol­ge sol­len Vor­fäl­le mit Da­tum, Uhr­zeit, Ort, Schu­le und Un­ter­richts­fach ge­mel­det werden. Man wer­de aber nicht Na­men der Leh­rer wei­ter­tra­gen und auch die Na­men von Schü­lern und El­tern schüt­zen. Nur in „ex­tre­men Ein­zel­fäl­len“er­wägt die AFD, sich mit Ross und Rei­ter an das Mi­nis­te­ri­um zu wen­den. Wer et­was mel­det, soll sei­ne Ruf­num­mer oder E-mail-adres­se hin­ter­las­sen, da­mit Rück­spra­che er­fol­gen kann. Man wol­le auch se­hen, ob es mög­li­cher­wei­se auch „Pro­blem­schu­len“gibt, hieß es. Wie ver­mie­den werden soll, dass sich Min­der­jäh­ri­ge ei­nen Jux draus ma­chen könn­ten, miss­lie­bi­ge Leh­rer am lau­fen­den Band an­zu­pran­gern, blieb weit­ge­hend im Un­kla­ren.

Es ge­he nicht dar­um, Leh­rer öf­fent­lich an den Pran­ger zu stel­len, ver­si­cher­te Ur­ban. Viel­mehr wol­le die rechts­kon­ser­va­ti­ve Par­tei Frei­heit, De­mo­kra­tie und To­le­ranz in Sach­sen stär­ken. Man wer­de kri­ti­sche Ten­den­zen auch dann be­kannt ma­chen, wenn an­de­re Par­tei­en in Schu­len schlecht­ge­macht werden, sag­te Ur­ban. „Uns ist je­de po­li­ti­sche Ein­fluss­nah­me in der Schu­le zu­wi­der.“Kri­tik an der Initia­ti­ve sei­ner Par­tei wies Ur­ban als „bil­li­ges Ge­schrei“zu­rück.

Der Lan­des­schü­ler­rat hat­te die Plä­ne als „schwach­sin­nig“be­zeich­net. Kul­tus­mi­nis­ter Chris­ti­an Pi­warz (CDU) sprach von ei­ner „ekel­haf­ten Ge­sin­nungs­schnüf­fe­lei, wie man sie noch aus Zei­ten der Na­zi-dik­ta­tur oder von der Sta­si kennt“.

Die von der AFD vor­ge­schla­ge­ne „Schü­ler-sta­si“sei ein völ­lig fal­scher Bei­trag zur Di­gi­ta­li­sie­rung in un­se­rem Bun­des­land“, kri­ti­sier­te Rai­ner Bur­gold von der Jun­gen Uni­on. Da­mit wür­den nicht nur Schü­ler und Leh­rer ge­spal­ten, son­dern auch jeg­li­che kri­ti­sche Dis­kur­se in Schu­len zu po­li­ti­schen The­men ver­hin­dert.

Auch die Grü­nen er­neu­er­ten ges­tern ih­re Kri­tik und nann­ten „die bil­dungs­po­li­ti­schen Bei­trä­ge der AFD kru­de“, wie Pe­tra Zais, bil­dungs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Land­tags­frak­ti­on es nann­te. „Sie ent­lar­ven die AFD als ver­fas­sungs-, grund­rechts­und men­schen­feind­li­che Par­tei.“Das „On­line-por­tal zur Denun­zia­ti­on säch­si­scher Leh­re­rin­nen und Leh­rer“sei da­für der jüngs­te Be­weis.

Jörg Ur­ban

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