Buch­mes­se oh­ne No­bel­preis

M/ry­se Con­dé er­hält den /ltern/ti­ven Li­ter/tur­preis

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON NI­NA MAY

In ei­nem Text über den No­bel­preis soll­te der Preis­trä­ger am An­fang ste­hen. Al­so hier: die ka­ri­bi­sche Au­to­rin Ma­ry­se Con­dé wur­de ges­tern ge­ehrt. Al­ler­dings nicht mit dem ei­gent­li­chen Li­te­ra­tur­no­bel­preis. Der wird die­ses Jahr in­fol­ge ei­nes Be­läs­ti­gungs­und Kor­rup­ti­ons­skan­dals rund um das Ver­ga­be­gre­mi­um, die Schwe­di­sche Aka­de­mie, nicht ver­lie­hen. Als Er­satz dient ein al­ter­na­ti­ver Preis. Mehr als 100 schwe­di­sche Schrift­stel­ler, Thea­ter­leu­te und Wis­sen­schaft­ler ha­ben die Neue Aka­de­mie ge­grün­det und das Preis­geld von 100 000 Eu­ro über Crowd­fun­ding ge­sam­melt. Sie lie­ßen Bi­b­lio­the­ka­re ih­re Fa­vo­ri­ten no­mi­nie­ren. Mehr als 30 000 Le­ser aus al­ler Welt stimm­ten im In­ter­net ab. Ei­ne Ju­ry wähl­te aus drei Fi­na­lis­ten schließ­lich die Ge­win­ne­rin.

Con­dés Vor­fah­ren ge­lang­ten durch Skla­ve­rei nach Gua­de­lou­pe. Die Au­to­rin hei­ra­te­te den Schau­spie­ler Ma­ma­dou Con­dé aus Gui­nea und ver­brach­te viel Zeit in West­afri­ka. Hier wur­de sie zu ih­rem Ro­man „Se­gu“in­spi­riert. Sie er­zählt da­rin die Ge­schich­te der aris­to­kra­ti­schen Fa­mi­lie Tra­o­ré aus Ma­li, die durch die Skla­ve­rei zer­ris­sen wird. Die heu­te 81-Jäh­ri­ge singt da­rin das Ho­he­lied auf ei­ne un­ter­ge­gan­ge­ne Kul­tur. Sie sag­te in ei­nem Gruß­vi­deo: „Ich möch­te die­sen Preis mit den Men­schen von Gua­de­lou­pe tei­len. Wir sind so ei­ne klei­ne Re­gi­on, man be­merkt uns nur bei Hur­ri­kans und Erd­be­ben. Ich bin froh, dass wir jetzt auch für et­was an­de­res ste­hen.“

Lu­ci­en Lei­tess, Lei­ter des Uni­ons­ver­lags, der die Au­to­rin in Deutsch­land ver­legt, froh­lock­te auf der Mes­se: „End­lich wird ei­ne Au­to­rin ins Ram­pen­licht ge­rückt, durch de­ren Tex­te die Welt­ge­schich­te auf ei­ne Wei­se weht, wie wir es in der Schu­le nie ge­lernt ha­ben.“Best­sel­ler­au­tor Frank Schät­zing se­kun­dier­te: „Ich hal­te den al­ter­na­ti­ven Li­te­ra­tur­no­bel­preis für ei­ne sehr gu­te Sa­che. Er kann auch ein Vor­bild für die Schwe­di­sche Aka­de­mie sein, die durch al­te Struk­tu­ren zu sehr ein­ge­engt ist.“

Die Vor­sit­zen­de der Ju­ry, Ann Påls­son, sag­te: „Con­dé ge­hört zur Welt­li­te­ra­tur. Sie er­zählt auf über­wäl­ti­gen­de Wei­se vom post­ko­lo­nia­len Cha­os, die To­ten sind le­ben­dig in ih­rem Werk. Fik­ti­on und Rea­li­tät über­lap­pen sich.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.