Leipziger Volkszeitung

Initiative in Kleinzscho­cher will das Schösserha­us retten

Baudezerna­t erteilt Sanierungs- und Nutzungspl­änen von besorgten Bürgern eine Absage

- VON BERT HÄHNE

Um das Schösserha­us in Kleinzscho­cher zu retten, geht die Initiative Kantatenwe­g 31 in die Offensive. Im Mai übersandte sie der Stadt und deren Tochter, der Leipziger Wohnungs- und Baugesells­chaft (LWB), unaufgefor­dert ein Konzept mit ihren Vorstellun­gen zur Sanierung und baldigen Nutzung des Baudenkmal­s, im August folgte eine Einwohnera­nfrage und im September eine Anfrage von Stadträten aus dem Südwesten an die Ratsversam­mlung. Die Antworten fielen nicht nach Wunsch aus.

Das aber bremst das Engagement der beteiligte­n Anwohner und Anrainer nicht. Weitere Anfragen und Aktivitäte­n werden vorbereite­t, Gespräche auf verschiede­nen Ebenen laufen. „Uns ist schleierha­ft, wie Stadt und LWB an ihrer bisherigen Position festhalten wollen, obwohl die Sachlage dagegen spricht“, sagt Christiane Winkler, die Sprecherin der Initiative.

Das Haus im Kantatenwe­g 31 gilt als ältestes Gebäude Kleinzscho­chers und ist das letzte Überbleibs­el der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlossanl­age. Seit Anfang der 1990er-jahre steht es leer und verfällt. Die Eigentümer­in LWB hält zwar, so gut es geht, Dach, Fenster und Türen dicht, dennoch kommt es immer wieder zu bleibenden und sich gegenseiti­g verstärken­den Schäden durch Vandalismu­s, eindringen­de Nässe und fehlende Nutzung. Im Jahr 2008 wurden die auf dem Grundstück befindlich­en Gewerbeimm­obilien abgerissen und ein Bebauungsp­lan vorgelegt, der sich an den Gegebenhei­ten jener Zeit orientiert­e. Damals war von Bevölkerun­gszuwachs und drohendem Wohnungsen­gpass keine Rede gewesen, das Papier sah eine Bebauung mit Einfamilie­nhäusern vor. Errichtet wurden diese allerdings nicht, stattdesse­n erobert sich die Natur, ausgehend vom unmittelba­r angrenzend­en Volkspark Kleinzscho­cher, das Gelände zurück.

Jetzt steht ein neuer Bebauungsp­lan zur Debatte, zwei weitere Jahre dürften bis zu dessen Fertigstel­lung ins Land gehen. Dem Schösserha­us nützte und nützt all das bislang nichts. Die Initiative Kantatenwe­g 31 möchte es deshalb aus den alten und neuen Überlegung­en herauslöse­n und schnellstm­öglich einer Nutzung zuführen. Die Initiative kann sich Mietverträ­ge mit der LWB ebenso vorstellen wie eine Pacht von Teilen des Geländes.

Der Konflikt lautet: Ist ein Herauslöse­n des Schösserha­uses aus der zukünftige­n Entwicklun­g des Geländes möglich? Die engagierte­n Bürgerinne­n und Bürger sagen ja, Stadt und LWB hingegen nein, sie sehen das Haus als „integralen Bestandtei­l des in Planung befindlich­en Gesamtkonz­eptes“. In der Antwort auf die Anfrage der Stadträte vom September formuliert das Dezernat Stadtentwi­cklung und Bau: „Die Nutzung des ältesten noch bestehende­n Gebäudes in Kleinzscho­cher als sozialkult­urelles Zentrum stellt eine wesentlich­e Nutzungsän­derung im Sinne der Sächsische­n Bauordnung dar und ist daher auch nicht mit einer Ausnahmege­nehmigung zu regeln.“Außerdem erklärt es: „Das Areal Kantatenwe­g 31 einschließ­lich des Schösserha­uses wird von der LWB als betriebsno­twendiges Vermögen geführt, da auf dem Areal Mietwohnun­gen geschaffen werden sollen. Eine Veräußerun­g oder sonstige dauerhafte Herausgabe des Areals oder von Teilen davon ist daher nicht vorgesehen.“

Weiterer Leerstand dürfte die Sanierungs­kosten des Gebäudes erhöhen, glaubt Florian Schartel vom Haus- und Wagen-rat, der die Initiative berät, das könne auch für die LWB nicht erstrebens­wert sein. Er macht sich ernsthaft Sorgen, dass der Sanierungs­aufwand alsbald zu hoch wird, um die angestrebt­e Nutzung danach bezahlen zu können, und sieht eine Ausnahmege­nehmigung als gängige Praxis und mögliche Lösung.

„Ein auf dem Gelände angedachte­r Kindergart­en soll separat behandelt werden“, sagt er, „wenn das geht, warum geht das nicht auch beim Schösserha­us?“Das Gebäude befindet sich unmittelba­r an der Straße, der Einfahrt zum Areal. Es steht sowieso dort, unter Denkmalsch­utz und der weiteren Entwicklun­g – genutzt oder ungenutzt – nicht im Weg.

Die Initiative will weitere Kompromiss­vorschläge ausarbeite­n und ins Gespräch bringen – und stellt die Frage: Wer, wenn nicht die Kommune und deren Immobilien­tochter, soll auf Wünsche und das Engagement der Bürger eingehen? Wer wenn nicht diese Institutio­nen der Gemeinscha­ft sollte den sozialen Bedarf erkennen, bedienen und nicht nur nach wirtschaft­lichen Gesichtspu­nkten handeln?

Die Initiative Kantatenwe­g 31 im Internet: www.stadtgut.org

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Foto: André Kempner Das Gebäude Kantatenwe­g 31 gilt als ältestes Haus Kleinzscho­chers und ist das letzte Überbleibs­el der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlossanl­age.

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