Schü­ler lö­chern Leip­zigs Rat­haus­chef

Kein w0r­mes W0s­ser, ein zu klei­ner Schul­hof und ei­ne feh­len­de Turn­h0l­le – Ju­gend­li­che fühl­ten Ober­bür­ger­meis­ter Burk­h0rd Jung in des­sen Amts­sitz 0uf den Z0hn und poch­ten 0uf Ver­bes­se­run­gen.

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANDRE­AS TAP­PERT

LEIP­ZIG. War­um gibt’s an Schu­len kein flie­ßend war­mes Was­ser, ist der Schul­hof zu klein und im­mer noch kei­ne Turn­hal­le da? Auf un­se­rer neu­en Sei­te zum Pro­jekt „Me­di­en an der Schu­le (MADS)“lö­chern Kin­der und Ju­gend­li­che Leip­zigs Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Jung.

D ie jun­gen Leip­zi­ger müs­sen sich wie in ei­nem Mär­chen­film ge­fühlt ha­ben, als Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Jung (SPD) sie im re­prä­sen­ta­ti­ven Rats­ple­nar­saal des Neu­en Rat­hau­ses zu sei­ner Bür­ger­sprech­stun­de emp­fing: Wie im Film durf­te je­der jun­ge „Un­ter­tan“ei­ne Bit­te vor­tra­gen und „Kö­nig Burk­hard I.“si­cher­te fast im­mer huld­voll zu, sich um das An­lie­gen zu küm­mern. Am En­de stand fest: Burk­hard I. hat in den nächs­ten Wo­chen viel zu tun. Denn die Schü­ler ha­ben vie­le Pro­ble­me, die nicht mit ei­nem Fe­der­strich zu lö­sen sind.

■ Meh­re­re Schü­ler aus der Schu­le am Wald­platz be­klag­ten, dass ihr Schul­hof viel zu klein sei. Lö­sungs­vor­schlä­ge der Schü­ler sei­en von der Stadt­ver­wal­tung ab­ge­lehnt wor­den, da­für ha­be die­se jetzt ein „of­fe­nes Schul­hof­kon­zept“ent­wi­ckelt, bei dem die Schü­ler den öf­fent­li­chen Weis­se­platz in der Nach­bar­schaft mit­be­nut­zen sol­len.

Das Schul­are­al sei jetzt nicht mehr ab­ge­trennt und die Si­cher­heit lei­de enorm, hieß es.

Ecke­hard Jahn­ke vom Ju­gend­amt der Stadt be­stä­ti­ge, dass es dort „Fehl­flä­chen“gibt. Aber es sei schwie­rig, von ei­nem öf­fent­li­chen Platz ei­nen Teil mit ei­nem Zaun ab­zu­tren­nen und der Schu­le zu­zu­schla­gen. Auch weil die­ser Platz un­ter Denk­mal­schutz ste­he. „Ich ver­spre­che Euch, ich küm­me­re mich dar­um“, ver­sprach der Ober­bür­ger­meis- ter der Ab­ord­nung aus der Schu­le am Wald­platz. „Vor den Win­ter­fe­ri­en gibt es ei­ne Ant­wort.“

■ Grund­schü­ler aus Rück­mars­dorf be­klag­ten, dass es in ih­rer Schu­le nur kal­tes Was­ser ge­be. Ge­ra­de im Win­ter wür­den sich des­halb vie­le Schü­ler nicht häu­fig ge­nug die Hän­de wa­schen. Auch ein längst ver­spro­che­ner Um- oder Neu­bau ih­rer Grund­schu­le wer­de seit Jah­ren im­mer wie­der ver­scho­ben.

OBM Jung ant­wor­te­te, es ge­be in fast al­len Leip­zi­ger Schu­len nur kal­tes Was­den ser. Denn war­mes Was­ser sei teu­er und es be­ste­he die Ge­fahr des Le­gio­nel­len­be­falls der tech­ni­schen An­la­gen. Da­ran kön­ne er nichts än­dern.

Ex­per­te Jahn­ke er­klär­te, dass sich die Er­rich­tung des ver­spro­che­nen mo­der­nen Schul­an­baus noch ver­zö­gert. Vor­aus­set­zung sei ei­ne Ei­ni­gung über die Nut­zung ei­nes Kir­chen-grund­stücks.

■ Schü­ler der 74. Grund­schu­le be­klag­ten,

dass ihr Schul­ge­bäu­de de­fek­te Au­ßen­Ja­lou­si­en be­sit­ze. Ge­ra­de im letz­ten Som­mer sei es des­halb im Un­ter­richt sehr heiß ge­we­sen – die Stadt soll­te bit­te die Ja­lou­si­en er­neu­ern.

Ecke­hard Jahn­ke er­in­ner­te da­ran, dass die­se Schu­le erst vor kur­zer Zeit en­er­ge­tisch sa­niert wur­de. „Die Fir­ma, die dort die Ver­schat­tung ein­bau­en soll­te, ist lei­der Plei­te ge­gan­gen“, so der Ex­per­te. Seit­dem to­be ein Rechts­streit um die Leis­tun­gen. Aber die Stadt wol­le jetzt trotz­dem in Vor­leis­tun­gen ge­hen. „Eu­re Schu­le be­kommt die La­mel­len auf je­den Fall“, si­cher­te auch OBM Jung zu.

■ Schü­ler der Au­gust-be­bel­grund­schu­le woll­ten wis­sen,

war­um die Stadt nicht mehr für Ob­dach­lo­se un­ter­nimmt. „Es gibt Men­schen, die wol­len nicht ver­sorgt wer­den oder in ei­ne Ob­dach­lo­sen­un­ter­kunft“, ent­geg­ne­te Jung. „Aber vie­len kön­nen wir hel­fen. Wir ge­ben ih­nen Woh­nun­gen und brin­gen sie so­gar in Ho­tel­zim­mern un­ter. Vi­el­leicht kön­nen wir bald so­gar ei­nen Ob­dach­lo­sen­bus an­bie­ten.“

■ Ein gro­ßes The­ma wa­ren auch die Leip­zi­ger Ver­kehrs­be­trie­be. Vie­le Schü­ler klag­ten, ih­re Bus­se und Stra­ßen­bah­nen sei­en un­pünkt­lich. Es kom­me auch häu­fig vor, dass die Tü­ren schlie­ßen, oh­ne dass die Ein­stei­gen­den recht­zei­tig mit ei­nem Klin­geln ge­warnt wür­den, hieß es. Fah­rer wür­den auch nicht war­ten, wenn Schul­kin­der auf ih­re Bus­se und Bah­nen zu ren­nen. In ei­ni­gen Fäl­le müs­se dann bis zu 20 Mi­nu­ten ge­war­tet wer­den, bis das nächs­te Fahr­zeug kom­me.

Jung be­grün­de­te vie­le Pro­ble­me mit dem Fah­rer­man­gel bei dem LVB und vie­len Lang­sam­fahr­stre­cken im Stra­ßen­bahn­netz. „Das Pro­blem ist er­kannt, aber wir ha­ben kei­ne Lö­sung da­für“, sag­te er.

■ Schü­ler der Pe­tri­schu­le woll­ten wis­sen, wie ihr Turn­hal­len-pro­blem ge­löst wer­den soll: Ih­re al­te Turn­hal­le sei schon vor Jah­ren ab­ge­ris­sen wor­den und der Neu­bau wer­de im­mer wie­der aufs Neue ver­scho­ben. „Im nächs­ten Schul­jahr ha­ben wir kei­ne Turn­hal­le, die wir nut­zen kön­nen“, hieß es. „Schreibt mir bit­te ei­nen Brief, da­mit ich das prü­fen kann“, er­klär­te der Ober­bür­ger­meis­ter. „Es gibt auf je­den Fall ei­ne Lö­sung für den Sport­un­ter­richt.“

Schul­bau-ex­per­te Ecke­hard Jahn­ke be­rich­te­te, dass der­zeit meh­re­re Stand­or­te für ei­ne neue Turn­hal­le ge­prüft wer­den. „Wenn die Stand­ort­fra­ge ge­klärt ist, kann re­la­tiv schnell ge­baut wer­den“, sag­te er.

Fo­to: Dirk Kn­ofe

Leip­zigs Ober­bür­ger­meis­ter auf Tuch­füh­lung: Fast hun­dert Kin­der und Ju­gend­li­che hat­ten das An­ge­bot an­ge­nom­men, mit Burk­hard Jung (Mit­te) ins Ge­spräch kom­men.

Fo­to: Dirk Kn­ofe

Das Neue Rat­haus in Leip­zig.

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