Tro­cken­heit lässt Brun­nen ver­sie­gen

Et­wa 27 000 Men­schen in Sach­sen sind nicht ans öf­fent­li­che Netz an­ge­schlos­sen – die Dür­re des Som­mers stellt sie vor gro­ße Pro­ble­me

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON KA­TRIN MÄDLER

PLAU­EN. Für die Blu­men im Gar­ten ist schon seit Mo­na­ten kein Was­ser mehr da. Auch du­schen oder ba­den geht nicht mehr. „Wenn der ei­ge­ne Brun­nen\ ver­siegt ist, geht bei der Kör­per­pfle­ge nur das Not­wen­digs­te – und Wä­sche­wa­schen wird zum Pro­blem“, sagt An­dré Worbs, Vor­ste­her des klei­nen vogt­län­di­schen Or­tes Erl­bach, der zu Mar­kneu­kir­chen ge­hört. Rund ein Dut­zend Ein­woh­ner sind im Mo­ment von ei­ner Not be­trof­fen, die sie mit et­wa 27 000 an­de­ren Men­schen in Sach­sen tei­len: Als Trink­was­ser­selbst­ver­sor­ger sind sie nicht an das öf­fent­li­che Netz an­ge­schlos­sen, da sie bis­her mit ei­nem Haus­brun­nen aus­ka­men.

Durch die Tro­cken­heit sind ei­ni­ge Brun­nen ganz oder fast ver­siegt. Oft be­tref­fe es im Ort äl­te­re Men­schen, über 80 Jah­re alt, in ab­ge­le­ge­nen Häu­sern in Wald­nä­he. Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge kauf­ten ih­nen das not­wen­digs­te Was­ser in Fla­schen aus dem Su­per­markt zu. Auch der äl­tes­te Brun­nen des Or­tes von 1884, der frü­her ei­ne Braue­rei ver­sorg­te und noch nie aus­trock­ne­te, ist laut Worbs ver­siegt.

Ein rie­si­ger fi­nan­zi­el­ler Auf­wand wä­re es, die Häu­ser in Erl­bach an das Trink- was­ser­netz an­zu­schlie­ßen, sagt Hen­ning Sch­arch als Ge­schäfts­füh­rer des Zweck­ver­ban­des Was­ser und Ab­was­ser Vogt­land, der für das Ge­biet zu­stän­dig ist. Er rech­net in dem Ort mit meh­re­ren Ki­lo­me­tern Lei­tung, die ver­legt wer­den müss­ten. „Hier kom­men Kos­ten zu­sam­men, die un­ser In­ves­ti­ti­ons­plan nicht stem­men kann. Wir müs­sen auf Dres­den schau­en und auf Un­ter­stüt­zung hof­fen.“

500 Men­schen gibt es im Vogt­land oh­ne ei­ne zen­tra­le Was­ser­ver­sor­gung. Mo­men­tan kön­nen Be­trof­fe­ne kei­ne För­der­mit­tel be­an­tra­gen, wenn sie ei­ne An­bin­dung an das öf­fent­li­che Trink­was­ser­netz möch­ten – im Ge­gen­satz zu den neun­zi­ger Jah­ren, er­klärt Frank Mey­er, Spre­cher in Sach­sens Um­welt­mi­nis­te­ri­um. „Vie­le ha­ben sich da­mals auf ih­re ei­ge­nen Brun­nen ver­las­sen, was vi­el­leicht nicht be­son­ders nach­hal­tig war.“

Der Frei­staat den­ke dar­über nach, wie er Ge­mein­den un­ter­stüt­zen kön­ne. Die Kom­mu­nen sei­en haupt­säch­lich ver­ant­wort­lich. „Wir müs­sen zu­erst wis­sen, was die­se vor­ha­ben und wo es Pro­ble­me gibt.“Des­halb soll­ten sich die Selbst­ver­sor­ger-haus­hal­te zu­sam­men­schlie­ßen und Lö­sun­gen er­ar­bei­ten – die je­doch auch wirt­schaft­lich sein müss­ten. Laut Mey­er sei West­sach­sen nicht ein­mal der säch­si­sche „Hots­pot“der Was­s­er­selbst­ver­sor­ger. Die­ser lie­ge im Osterzgebirge und im Raum Hainichen in Mit­tel­sach­sen. In Herms­dorf (Land­kreis Säch­si­sche Schweiz-osterzgebirge) ist laut Mey­er kein Haus an die Trink­was­ser­ver­sor­gung an­ge­schlos­sen. Manch­mal ha­be man bis­her auch ver­geb­lich um ei­ne Er­schlie­ßung ge­wor­ben, sagt Dirk Kun­ze vom Zweck­ver­band Kom­mu­na­le Was­ser­ver- und Ab­was­ser­ent­sor­gung „Mitt­le­res Erz­ge­birgs­vor­land“Hainichen (ZWA). „So­lan­ge die Brun­nen funk­tio­nie­ren, sind vie­le nicht be­reit, für ihr Trink­was­ser zu be­zah­len.“Da­bei ha­be man bei man­chen Pro­ben ei­ne man­geln­de Qua­li­tät fest­ge­stellt. „Vie­le scheu­ten trotz­dem die Kos­ten.“Ei­ne Er­schlie­ßung kos­te die meis­ten Haus­hal­te laut Kun­ze 3500 Eu­ro auf­wärts. 5000 Men­schen hät­ten im Ge­biet des ZWA noch kei­nen öf­fent­li­chen Trink­was­ser­an­schluss.

Im vogt­län­di­schen Erl­bach hin­ge­gen stellt sich die Si­tua­ti­on laut Orts­vor­ste­her Worbs an­ders dar. „Be­trof­fe­ne ha­ben mir er­zählt, dass sie sich seit Ddr-zei­ten um ei­nen Was­ser­an­schluss be­mü­hen. Manch­mal gibt es schon län­ger Pro­ble­me mit den Quel­len und dem Haus­brun­nen“, be­rich­tet er. Ih­re An­fra­gen sei­en ab­ge­wie­sen wor­den, da ein An­schluss aus Kos­ten­grün­den nicht mög­lich sei. „Ich hof­fe, dass den ab­ge­le­ge­nen Haus­be­woh­nern un­bü­ro­kra­tisch und fair ge­hol­fen wird.“

Zwar könn­ten sie beim zu­stän­di­gen Was­ser­zweck­ver­band ei­nen Was­ser­tank be­stel­len, müss­ten aber zum Was­ser­preis ho­he Per­so­nal- und Trans­port­kos­ten ein­pla­nen. Worbs: „Ma­ka­ber ist, dass die­se Häu­ser im nächs­ten Jahr beim In­ter­ne­tB­reit­band­aus­bau be­son­ders be­rück­sich­tigt wer­den. Sie ha­ben dann zwar schnel­les In­ter­net, aber kein Was­ser.“

Fo­to: Karl Al­len Lug­may­er

Bei vie­len Ein­woh­nern, die nicht am Trink­was­ser­netz hän­gen, blei­ben die Pum­pen nach den Dür­re-mo­na­ten im­mer noch tro­cken.

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